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Foto: Österreichische Ärzetkammer/Bernhard Noll
Dr. Harald Mayer Kurienobmann der angestellten Ärzte und Vizepräsident der OÖ Ärztekammer
 
Standpunkte 13. April 2010

"Der Zulauf in die Ambulanzen zu Randzeiten nimmt rasant zu.“

Dass müde Ärzte mehr Fehler machen, wurde bereits in zahlreichen Untersuchungen belegt. So verhält sich etwa die Reaktionsfähigkeit nach 25 Stunden Arbeitsbelastung ähnlich wie bei einem Blutalkoholspiegel von 0,8 Promille. Wenn Ärzte dann noch operieren, das ist auch nachgewiesen, gibt es deutlich mehr Rückkehrraten der behandelten Patienten in den OP.

Dass wir zunehmend mehr überbelastete Ärzte vor allem in den Spitälern haben, liegt nicht zuletzt daran, dass die Routinebe-lastung immer größer wird, der Zulauf in die Ambulanzen an den Tagesrandzeiten und in der Nacht rasant zunimmt und Spitalsärzte mit Arbeit eingedeckt sind, die nicht zur ihrem Kernaufgabenbereich gehört. Ein Gutteil der Patienten könnte durchaus auch im niedergelassenen Bereich betreut werden. Sehr hilfreich wäre es, im niedergelassenen Bereich ein besseres Angebot an den Tagesrandzeiten und Wochenenden anzubieten. Wenn es „late night shopping“ und Wochenendöffnungszeiten im Handel gibt, warum schließen niedergelassene Ärzte ihre Rollbalken Freitagmittag?

Wir haben in Österreich ein Krankenanstaltenarbeitszeitgesetz, das 60 Wochenstunden im Durchrechnungszeitraum zulässt. Die Kapazitäten sind meist so bemessen, dass für Erkrankung, Urlaub oder Fortbildung keine Zeit mehr bleibt. Die Lösung kann nicht einfach heißen, mehr Planstellen frei zu machen. Ein Weg muss sein, im intermediären Bereich mehr zu delegieren und die Dokumentationsflut zu reduzieren. Das macht sicher in einem ersten Schritt wertvolle Kapazitäten frei. Die Frage ist, inwieweit Spitalsambulanzen der geeignete Ort sind, um rund um die Uhr Patienten zu betreuen und die Abgeltung dafür von der Sozialversicherung deckeln zu lassen. Vonseiten der Ärztekammer wurde dazu ein Konzept erarbeitet, den gesamten ambulanten Bereich aus einer Hand zu finanzieren. Die Umsetzung erfordert aber den Mut aller Beteiligten.

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