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Foto: Privat
Prim. Doz. Dr. Reinhard Germann Leiter der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, LKH Feldkirch
 
Standpunkte 13. April 2010

"Die langen Arbeitszeiten sind nur ein Teil des Problems.“

Arbeitszeiten sind natürlich ein zentrales Thema, wenn es um die Leistungsgrenzen der Ärzte geht, die aber in hohem Maße bereichsabhängig sind. Grundsätzlich kann ein Arzt bis zu 72 Stunden pro Woche arbeiten, das ist konform mit dem Arbeitszeitgesetz. An einzelnen Schichten können es bis zu 32 Stunden sein. Aber freiwillig macht das kaum jemand. Die Patientenversorgung erfordert, dass die Zeiten maximal ausgereizt werden.

Viele Betriebsvereinbarungen erlauben lange Arbeitszeiten durch verlängerte Dienste bzw. Nachtdienste, die häufig pauschal vergütet werden. Die Vergütungen aus verlängerten Diensten sind oft ein relevanter Teil des Gesamtgehaltes. Viele Ärzte befürworten eine Reduktion der Gesamtarbeitszeiten, befürchten aber eine gleichzeitige Verschlechterung ihrer Gehaltssituation.

Auch haben sich die Arbeitsbedingungen stark verändert. Die Pflicht zur Dokumentation sämtlicher Behandlungsvorgänge wird immer dichter und viele Ärzte verbringen 20 bis 40 % ihrer Zeit am Computer. Bei jungen Turnusärzten ist es sogar noch mehr administrative Zeit, die nicht nur den Patienten fehlt, sondern auch den Ärzten selbst.

Es ist an der Zeit, sehr klar zum Ausdruck zu bringen, dass viele Ärzte an ihre Grenzen stoßen und das nicht zum Wohle der Patienten oder eines hochwertigen Gesundheitssystems sein kann. Eine Lösung wäre, das Berufsbild des Dokumentationsassistenten einzuführen, um die Ärzte zu entlasten. Die ärztlichen Tätigkeiten müssen dahingehend durchforstet werden, dass nicht arzttypische Tätigkeiten an andere bzw. neue Berufsbilder abgegeben werden könnten, etwa an Dokumentationsassistenten.

Wir müssen daher alle Ärzte mobilisieren, dass gemeinsam mit Arbeitgeber und Arbeitnehmer sinnvolle Lösungen, letztlich zum Wohl der Patienten, gefunden werden.

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