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Foto: Karl Thomas
Prim. Dr. Hans Concin Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am LKH Bregenz
 
Standpunkte 7. April 2010

Keine Einmischung der Politik in die Medizin

Einerseits wird immer der Einsatz von wissenschaftlicher Medizin gefordert, andererseits mischt sich die Politik leider oft in medizinische Angelegenheiten ein. Das gilt insbesondere dann, wenn es um Angelegenheiten des Unterleibs der Frau geht.

Außer Diskussion steht für mich, dass Vikela® medizinisch unbedenklich ist. 40 wissenschaftliche Gesellschaften in den USA haben dies bestätigt. Gesundheitliche oder etwaige moralische Gefahren durch die „Notfallpille“ halte ich persönlich für an den Haaren herbeigezogen. Um solchen Fehlinformationen zu begegnen, sind Öffentlichkeitsarbeit und Aufklärung sehr wichtig. Außerdem werden die Pillen durch qualifizierte Personen in Apotheken und Spitälern verkauft und nicht etwa im Supermarkt.

Mithilfe des „Notfallparagrafen“ konnte, wenn „Gefahr in Verzug“ war, schon bisher eine Packung von den Apotheken abgeben werden. Dies ist in Vorarlberg schon länger Usus, daher ist die Nachfrage in den Spitälern in den letzten eineinhalb Jahren dramatisch gesunken. Haben wir früher etwa 30 Stück im Monat abgegeben, ist es heute nur mehr ein Zehntel davon.

Der zeitliche Zusammenfall der Rezeptfreigabe von Vikela® im Dezember 2009 mit der Einführung von ellaOne® Anfang dieses Jahres war, wie sich herausstellte, zufällig. Eine rezeptfreie Abgabe von ellaOne® ist in frühestens fünf Jahren möglich, dann wird auch unser Wissensstand darüber ein höherer sein. Eine geregelte und geordnete Kontrazeption muss gefördert werden. Unfälle gibt es, so wie in allen Bereichen, auch in der Sexualität. Für solche Fälle ist die Notfallkontrazeption gedacht. Als kontraproduktiv erachte ich es, wenn Vertreter der Österreichischen Ärztekammer von einer „Hormonbombe“ sprechen. Es ist gut, dass die Rezeptpflicht für Levonorgestrel nun wegfällt, denn sie war aufwendig, teuer und eine unnötige Schikane für unsere sowieso überlasteten Spitalsärzte.

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