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Foto: Privat
Prof. Dr. Daniela Dörfler Universitäts-Frauenklinik Wien
 
Standpunkte 7. April 2010

„Notfallpille“ griffbereit für jede private Hausapotheke

Die Notfall-Kontrazeption ist eine „zweite Chance“, eine unerwünschte Schwangerschaft bzw. eine Abtreibung zu verhindern. Ich glaube, dass wir bezüglich der Notfallpille immer schon eine gute Informationspolitik gemacht haben, deshalb verwenden wir auch ganz bewusst diesen Terminus, da viele Menschen die „Pille danach“ mit dem Abtreibungsmedikament Mifegyne® verbinden. Es geht aber hier um Kontrazeption, eine gesundheitliche oder moralische Gefährdung junger Frauen besteht meines Erachtens nicht. Darum kann diese Pille auch in die Hausapotheke aufgenommen werden. Die Rezeptfreigabe hat in Wien bis dato noch keine erhöhte Nachfrage nach Vikela® bewirkt.

Die Indikation der seit 1. Jänner dieses Jahres in Österreich mit Rezept erhältlichen ellaOne® ist ebenfalls Notfall-Kontrazeption bis zu fünf Tage nach Versagen bzw. Vergessen anderer Verhütungsmethoden oder nach Vergewaltigung. Die Wirksubstanz ist Ulipristal, ein selektiver Progesteron-Rezeptor-Modulator. Das Nebenwirkungsprofil entspricht etwa jenem von Levonorgestral. Auch hier sind keine schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt, 90 Prozent der unerwünschten Effekte wie Kopfschmerz, Übelkeit oder Bauchschmerzen klingen rasch wieder ab. Wichtig ist es zu wissen, dass in der Folge für die Dauer des laufenden Zyklus die Wirkung der oralen Kontrazeption vermindert wird und somit die Anwendung einer zusätzlichen Barrieremethode erforderlich ist.

Es wäre wünschenswert, dass diese Notfallpille zu einem Rückgang der Abtreibungen führt. Genaue Aussagen kann man darüber nicht treffen, da es hier nur Schätzungen gibt. Am wichtigsten ist Aufklärung, wir sagen den Frauen auch immer, dass sie nach Einnahme der Notfallpille zur Nachuntersuchung zu ihrem Facharzt gehen sollen.

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