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Prof. Dr. Günther Gastl, Universitätsklinik Innsbruck, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Hämatologie & Onkologie
 
Standpunkte 9. März 2010

Krebsspezialist mit ganzheitlicher Sicht

Krebs gilt als sogenannte Systemerkrankung und betrifft meist nicht nur ein Organ, sondern häufig den gesamten Organismus. Dies erfordert einen ganzheitlichen Blick auf den Patienten und natürlich hoch spezialisiertes Fachwissen. Denn die Anforderungen an die behandelnden Ärzte steigen ständig. Vor 20 Jahren gab es etwa zehn Krebsmedikamente, heute sind es dank der modernen Biomedizin über 100. Zudem stehen außer der Chemotherapie nun zahlreiche weitere Therapien wie Hormon- und Immuntherapie zur Verfügung. Gleichzeitig sind auch die möglichen Nebenwirkungen, die Laborbefunde und Diagnoseverfahren komplexer geworden.

Je früher ein Krebsgeschehen behandelt wird, desto besser sind die Heilungschancen. Der Krebsfacharzt kann aufgrund seiner speziellen Zusatz-Facharztausbildung zum Hämatologen und internistischen Onkologen dem Patienten größtmögliche Sicherheit geben, die individuell beste Krebstherapie zu bekommen. Und dies ist wichtig, denn kein Krebspatient gleicht dem anderen – im Hinblick auf die Tumorerkrankung, die körperliche Verfassung, die psychische Stärke und das soziale Umfeld. Daher lässt sich auch eine Krebserkrankung nie ganz mit einer anderen unmittelbar vergleichen.

Vergleichbare Betreuungskonzepte sind heute vor allem in den angelsächsischen Ländern Europas sowie in den USA schon weit verbreitet. Ihr Erfolg zeigt sich in der Überlebensrate, der Kosteneffizienz, aber auch in der Zufriedenheit und Lebensqualität der Menschen, die trotz ausbleibender Heilung mitunter relativ lange Zeit mit dem Tumor weiterleben.

In Österreich gibt es derzeit erst 300 Krebsfachärzte. Eine Verdoppelung dieser Zahl ist in den nächsten zehn Jahren erforderlich, um die Versorgung landesweit zu garantieren. Das will die „Initiative Krebsfacharzt“ erreichen.

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