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Abnehmen: Wo ein Wille, ist nicht immer ein Weg (Folge 2)

Wer zu viele Kilos am Leib hat, sollte nicht auf die Sozialversicherung hoffen. Nur wenige Abnehmprogramme werden unterstützt. Der Strukturplan Gesundheit (ÖSG) sieht zumindest eine Ausweitung des Angebots vor.

„Der 1. Österreichische Adipositasbericht liefert nicht nur aktuelle, sondern vor allem auch Regionen-spezifische Daten“, freut sich die Wiener Sozialmedizinerin und Mitautorin Prof. Dr. Anita Rieder. Ähnlich wie bei anderen Gesundheitswerten fallen teils starke regionale Unterschiede bzw. ein Ost-West-Gefälle auf. So liegt die Adipositas-Rate bei Bauern im Burgenland bei ca. 24, in Vorarlberg bei etwa 7 Prozent. „Generell gibt es im Osten mehr mit dem Lebensstil assoziierte Krankheiten“, berichtet Rieder.

Hilfe nur für schwer Kranke

Für den Adipositasbericht wurden nicht nur Zahlen zum Ausmaß des Problems erhoben, sondern auch zu Angeboten für Betroffene. „Wenn sich nicht schon schwerwiegende Symptome eingestellt haben, gibt es im Rahmen des von der Sozialversicherung abgedeckten Bereichs nur ganz wenige Angebote“, bedauert Rieder.
Im Reigen einzelner Modellprojekte steht in Niederösterreich die von der Gebietskrankenkasse mitgetragene Initiative „Schlank ohne Diät“. Wer daran teilnimmt, startet mit einem Infoabend, dann folgen regelmäßige Treffen in einer Kleingruppe. Dabei steht die Verhaltensänderung im Vordergrund. Ziel ist der durchschnittliche Verlust von einem halben Kilogramm pro Woche. Nach einem Jahr werden die Teilnehmer zu einer Nachkontrolle eingeladen, sämtliche Kosten trägt die Kasse.
Bei den meisten Angeboten für Menschen mit starkem Übergewicht oder Adipositas leistet die Sozialversicherung allerdings keinen Beitrag, so Rieder. Außerdem seien Betroffene „oft nicht in den üblichen Schienen des Gesundheitswesens eingebettet“. Es gebe viele dubiose Angebote, wo die klassische Diät im Vordergrund stehe und weniger die langfristige und kompetente Betreuung.

Ruf nach Qualitätskriterien und breiterem Angebot

Deshalb legt Rieder Wert darauf, „dass Einrichtungen, die Menschen mit Übergewicht Unterstützung bieten wollen, bestimmte Qualitätskriterien erfüllen müssen“ (siehe Kasten). Wünschenswert seien jedenfalls deutlich mehr Angebote, bei denen sich die So-zialversicherung an den Kosten wirklich beteiligt.
Die Daten des Adipositasberichtes sprechen für die Sozialmedizinerin eine deutliche Sprache: „Wir brauchen dringend mehr und breitere Maßnahmen, um den Trend entgegenzuwirken, dass immer mehr Menschen von starkem Übergewicht sowie von Adipositas und deren Begleitsymptomen betroffen sind.“ Eine gewisse Hoffnung knüpft Rieder an die 15a-Vereinbarungen zwischen Bund und Ländern. In diesen wurde zumindest die Absicht festgehalten, Gesundheitsprogramme mit präventiv-therapeutischen Maßnahmen zu etablieren, die von den Kassen (mit)finanziert werden. Dabei sollten auch niedergelassene Ärzte, insbesondere Allgemeinmediziner zum Zug kommen.
Rieder plädiert dafür, vorhandene Pilotprojekte aufzugreifen und möglichst bald flächendeckend umzusetzen. In erster Linie sollten Menschen mit den typischen Symptomen als Warnsignale erfasst werden, etwa mit Herz-Kreislaufbeschwerden, Problemen im Stoffwechsel oder bereits vorhandenem Diabetes. „Genauso wichtig ist aber die Prävention“, betont die Sozialmedizinerin, „die sich nicht nur auf die Weitergabe von schriftlichen Informationsmaterialien beschränken darf.“

 Qualitätskriterien für ambulante Adipositas-Programme

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