zur Navigation zum Inhalt
© DocStop
Hob den Verein DocStop im Jahr 2007 aus der Taufe: Der pensionierte Autobahn-Polizist Rainer Bernickel.
 
Allgemeinmedizin 25. November 2014

Boxenstopp beim DocStop

Vorbildliches Projekt für kranke Trucker in Deutschland.

Was ist, wenn ein Fernfahrer unterwegs krank wird und einen Arzt braucht? In Deutschland hilft in diesen Fällen das Projekt DocStop.

Fernfahrer stehen unter massivem Zeitdruck, sodass sie größtenteils trotz Schmerzen einfach weiterfahren, um rechtzeitig ihr Ziel zu erlangen. Ein Arztbesuch unter normalen Umständen, d. h., den Truck von der Autobahn in die Stadt zu navigieren, einen Parkplatz zu suchen und mitunter länger auf Einlass ins Arztzimmer zu warten, ist für sie keine echte Option, da viele um den Erhalt ihres Arbeitsplatzes fürchten, wenn sie wegen eines ungeplanten Arztbesuches die Auslieferung ihrer Ware um Stunden verzögern müssen.

Hier greift seit rund siebeneinhalb Jahren das von dem ehemaligen Polizeihauptkommissar Rainer Bernickel ins Leben gerufene, von der EU geförderte Projekt DocStop für Europäer an. Rund 700 deutsche Ärzte in Praxis und Klinik haben sich dabei bisher verpflichtet, als DocStop-Partner jederzeit erkrankte Lkw-Fahrer im Behandlungsalltag einzuschieben, damit diese mit einer möglichst geringen Zeitverzögerung wieder auf der Straße durchstarten können.

Rasthöfe als zentrale Anlaufstellen

Über eine Hotline können sich betroffene Kraftfahrer erkundigen, wo für sie die nächste Anlaufstelle ist. Nicht selten dienen Rasthöfe als zentrale Anlaufstellen, von wo aus dann per Auto der Shuttle-Service zum DocStop-Arzt erfolgt.

Nun hat sich die Initiative nach eigener Aussage zum Ziel gesetzt, innerhalb eines Jahres das Netzwerk der DocStop-Ärzte massiv zu expandieren. Konkret werden weitere 700 Ärzte in Praxen und Kliniken gesucht. Kooperationswillige Ärzte müssen sich dabei auf keinerlei Abrechnungsbesonderheiten bei der Behandlung im Rahmen von DocStop gefasst machen. Denn bei in Deutschland krankenversicherten Fahrern sowie ausländischen Fahrern mit einer europäischen Krankenversichertenkarte wird wie bei vergleichbaren Patienten abgerechnet. Ausländische Fahrer ohne Karte zahlen die Behandlungskosten gegen Rechnung aus eigener Tasche.

Wie der ADAC TruckService als Kooperationspartner von DocStop erklärt, betreut sein Laichinger Service Center die Fernfahrer-Hotline 01805/112024. Drei Teams von insgesamt rund 30 Mitarbeitern seien abwechselnd Tag und Nacht für erkrankte Trucker zu erreichen. Das Hotline-Personal nennt den Anrufern einen DocStop-Anlaufpunkt und die Telefonnummer einer teilnehmenden Arztpraxis oder eines Krankenhauses in deren Nähe. Außerdem wird über vorhandene Parkmöglichkeiten informiert.

„Ich bin seit fast fünf Jahren dabei“, berichtet Dr. Hartwig Raeder aus Bad Salzuflen. „Meine Erreichbarkeit für Fernfahrer ist ideal. Ich bin ohne Ausnahme rund um die Uhr telephonisch erreichbar.“ Seine Praxis liegt an einer Parallelstraße zur Bundesautobahn in der Mitte zwischen zwei Auffahrten an einer ausgeschilderten Ausweichroute. „Zwischen Ruhrgebiet und polnischer Grenze bin ich wohl der einzige Hausarzt an der A2 im Verzeichnis von docstop“, sagt Raeder. „In beiden Fahrtrichtungen sind Parkplätze auch für große Lastkraftwagen direkt vor meiner Praxis. Trotzdem erinnere ich mich nur an insgesamt drei Fernfahrer, die mich in fünf Jahren konsultierten. Eine Mitarbeiterin spricht sogar Polnisch und ich spreche Englisch. Zwei der drei Patienten wollten von mir nur bestätigt bekommen, dass sie dringend ein Krankenhaus aufsuchen müssen.“

Nähere Informationen und Standorte: www.docstoponline.eu

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben