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Das familiäre Risiko für Krebs ist sogar dann noch erhöht, wenn ein Elternteil erst mit 90 Jahren daran erkrankt ist.
 
Onkologie 25. Jänner 2013

Weltkrebstag: Familiäre Belastung

Auch später Krebs ist erblich.

Das höchste familiäre Risiko für eine Krebserkrankung haben Personen, deren Eltern bereits in jungen Jahren erkrankt sind. Bei einigen Krebsformen besteht aber auch dann ein gesteigertes Risiko, wenn der Krebs bei den Eltern erst im hohen Alter aufgetreten ist.

Krebserkrankungen bei jungen Menschen haben bekanntlich eine stärkere erbliche Komponente als Krebserkrankungen, die erst im Alter ausbrechen. Außerdem tritt Krebs bei positiver Familienanamnese früher in Erscheinung als ein sporadischer Krebs. Das bedeutet jedoch nicht, dass sich ein familiäres Krebsrisiko auf Fälle mit frühem Erkrankungsbeginn beschränkt. In einem schwedischen Register wurde sogar bei der Nachkommenschaft von Eltern mit Erstdiagnose eines Primärtumors im Alter von über 80 Jahren noch ein erhöhtes Risiko beobachtet ( Kharazmi E et al.: BMJ 2012 ).

Die landesweite schwedische Datenbank zu Krebs in der Familie beinhaltet Informationen zu mehr als 12,2 Millionen nach 1931 geborenen Schweden, darunter 1,1 Millionen Krebspatienten und deren Eltern. Familiäre Krebserkrankungen waren, abhängig von der Lokalisation, bei 35 bis 81 Prozent der Eltern erst im Alter von 70 Jahren aufwärts aufgetreten.

Auch Krebs mit 90 zeigt erhöhtes familiäres Risiko

Erwartungsgemäß hatten Kinder von Eltern mit frühem Erkrankungsbeginn das höchste Risiko, denselben Krebs zu entwickeln. Doch auch die Nachkommenschaft von Eltern mit einer Diagnose im Alter über 70 oder über 80 Jahren waren teilweise noch stärker gefährdet als die Nachkommen von Eltern ohne bösartige Tumoren.

So bestand bei einer Diagnose zwischen 80 und 89 Jahren in der Nachfolgegeneration ein signifikant erhöhtes Risiko für Melanome (Hazard Ratio HR 2,3), Plattenepithelkarzinome der Haut (HR 2,0), Non-Hodgkin-Lymphome (HR 1,7) sowie für Krebs der Prostata (HR 1,9), der Blase (HR 1,9), der Lunge (HR 1,8), der Brust (HR 1,6) und des Kolorektums (HR 1,6).

Das Risiko für Plattenepithelkarzinome der Haut (HR 1,9) sowie für Krebs des Kolorektums (HR 1,6), der Brust (HR 1,3) und der Prostata (HR 1,3) war sogar dann noch erhöht, wenn ein entsprechender Tumor in der Elterngeneration erst im Alter über 89 Jahren aufgetreten war.

Die familiäre Belastung machte sich vor allem in jungen Jahren bemerkbar. Außer bei Brustkrebs war das Zusatzrisiko jenseits des 60. Lebensjahrs verschwunden – selbst bei einer elterlichen Diagnose vor dem 50. Lebensjahr.

In der schwedischen Bevölkerung liegt das absolute Risiko, bis zum Alter von 75 Jahren an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken, bei 3,4 Prozent. Bei familiärer Vorbelastung steigt das Risiko der Studie zufolge auf 6,4 Prozent. Das entsprechende Risiko beispielsweise für Lungenkrebs beträgt fünf Prozent, für Brustkrebs sind es 8,8 Prozent und für Prostatakrebs sogar 30,1 Prozent.

Möglichkeit zur Prävention

Die Ursache für das erhöhte familiäre Krebsrisiko sehen die Studienautoren vor allem in genetischen Faktoren und weniger in Übereinstimmungen des Lebensstils. Trotzdem könnte es der Prävention dienen zu wissen, dass auch eine späte Krebserkrankung der Eltern ein erhöhtes Risiko mit sich bringen kann: „Die Nachkommen könnten davon profitieren, ihr Erkrankungsrisiko zu kennen, weil sie modifizierbare Risikofaktoren für die Erkrankung meiden und gegebenenfalls präventive Maßnahmen ergreifen können“, so die Autoren.

springermedizin.de, Ärzte Woche 4/2013

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