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© Franz Pflügl
Prof. Dr. Walter Reinisch Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien
© calamity_john / fotolia.com

Die Zahl der Kinder, die wegen schwerer CED stationär behandelt werden mussten, hat sich in Österreich in den letzten 15 Jahren verdoppelt.

 
Gastroenterologie 14. Jänner 2013

Massiver Anstieg bei chronisch- entzündlichen Erkrankungen

Immer mehr junge Menschen leiden an Morbus Crohn und Colitis ulcerosa.

Chronisch entzündliche Erkrankungen sind in den vergangenen fünf Jahrzehnten in den hoch entwickelten Staaten um das 10- bis 15-fache angestiegen. Grund zur doppelten Sorge ist, dass vor allem Kinder und Jugendliche immer stärker davon betroffen sind.

Zu diesen chronisch-entzündlichen Krankheitsbildern zählen unter anderem Asthma, Typ 1 Diabetes, Multiple Sklerose und die diversen Formen von chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED). Unter den beiden häufigsten Formen von CED– Morbus Crohn und Colitis ulcerosa – leiden in Europa etwa drei Millionen Menschen. Das Auftreten der Krankheit ist in jedem Alter möglich, aber zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr liegt der statistische Erkrankungsgipfel. Dies berichten die European Crohn´s and Colitis Organisation (ECCO) und die European Federation of Crohn´s and Ulcerative Colitis Associations (EFCCA) und rufen zum gemeinsamen Handeln auf.

Epidemie neuer Erkrankungen

„Mit einer genetischen Disposition lassen sich nur ein geringer Teil dieser Erkrankungen erklären. Es sind vorwiegend Umwelteinflüsse, welche chronisch-entzündliche Erkrankungen auslösen“, meint Prof. Dr. Walter Reinisch, Universitätsklinik für Innere Medizin III, Wien. Die Ursachen scheinen fehlerhafte und einseitige Ernährung, Medikamenteneinnahmen wie z. B. Antibiotika, aber auch Rauchen, Stress, der Lebensstil und das Lebensumfeld in den Städten sowie gesteigerte Hygiene zu sein. Der Wiener Gastroenterologe beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit chronisch-entzündlichen Krankheitsformen, ganz speziell jedoch mit CED.

Bauchschmerzen, mehrwöchige Durchfälle, Gewichtsverlust, Müdigkeit, Leistungsabfall und Fieber: Wenn derartige Symptome immer wieder in Intervallen auftreten, besteht der Verdacht auf eine CED. Der Leidensweg eines Betroffenen zeigt sich vor allem im Alltag. Wenn jemand weiß, dass er bis zu 20-mal pro Tag und zu unvorhergesehenen Zeiten die Toilette aufsuchen muss, wird das Leben massiv belastet. Da werden zum Teil soziale Kontakte abrupt abgebrochen. So beschreiben Betroffene und Ärzte den oft lange verheimlichten Leidensweg der CED-Erkrankten.

Reinisch unterstreicht, wie wesentlich ein konzentrierter Kampf für mehr Darmgesundheit ist: „Wir erleben derzeit eine Epidemie an Erkrankungen, die wir vor 50 Jahren nicht oder kaum kannten und die alle in gewisser Weise mit dem Darm zusammenhängen. Wir haben immer mehr junge Patienten, die chronische Krankheiten entwickeln. Die Zahl der Kinder, die aufgrund schwerer chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen stationär behandelt werden mussten, stieg in Österreich in den letzten 15 Jahren um 100 Prozent. Bei Menschen bis zum 25. Lebensjahr verdoppelt sich die Mortalitätsrate, wenn sie unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen leiden.“

Keine Heilung, aber gut behandelbar

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronische Krankheiten, mit denen die Betroffenen lebenslang konfrontiert sind. Sie betreffen Männer und Frauen gleichermaßen und beginnen typischerweise zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahrzehnt. Allerdings erkranken auch bereits Kinder. In den Laborbefunden können oft keine eindeutigen Beweise für Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa gefunden werden. Somit sind zusätzliche Untersuchungen, insbesondere Darmspiegelungen, notwendig. Die Krankheit ist durch moderne Therapiekonzepte gut zu behandeln, obwohl trotz intensiver Forschung auch heute noch keine Heilung im eigentlichen Sinne möglich ist.

Mangelhaftes Wissen – verzögerte Diagnosen

Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur Diagnose kann es bei Morbus Crohn Monate bis Jahre dauern, da es vielfach mangelhaftes Wissen über die Symptome und Alarmsignale gibt. Einige funktionelle Störungen des Magen-Darm-Traktes weisen ähnliche Symptome auf, daher ist das Beachten typischer Morbus Crohn-Signale sehr wichtig, wie z. B. Blut im Stuhl, Entzündungszeichen im Blut oder Stuhl, aber auch Fieber und Gelenkschmerzen. Prinzipiell kann Morbus Crohn den kompletten Verdauungstrakt befallen, vom Mund bis zum After.

Derzeit führt die Erkrankung bei 60 Prozent aller Betroffenen im Endeffekt zu einem operativen Eingriff, so die Zahlen aus ECCO-Guidelines (Van Assche et al., J Crohns Colitis 2010; Dignass et al., J Crohns Colitis 2012).

ECCO 2013 in Wien

Rund 4.500 Teilnehmer werden zum 8. internationalen Kongress der ECCO vom 14. bis 16. Februar in Wien erwartet. Dieser Kongress ist die jährliche wissenschaftliche Hauptveranstaltung zum Themenkreis CED in Europa.

ECCO 2013 bietet die Möglichkeit, Informationen über die aktuellen und besten wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Gastroenterologie zu erhalten. Der inhaltliche und wissenschaftliche Entwurf der „Join the fight against IBD“- Kampagne innerhalb von ECCO 2013 wurde von folgendem Expertenkommitee vorgenommen:

Steering Committee - Join the fight against IBD 2013: Walter Reinisch (MedUni Wien), Luisa Avedano (EFCCA CEO), Marco Greco (EFCCA Chairman), Tine Jess (National Health Surveillance & Research Copenhagen), Marian O’Connor (St Marks Hospital & Northwest London NHS Trust).

Registratur für „Join the fight against IBD“ und 8. ECCO Kongress:

ECCO Office

Stefanie Hartmann, MA

Tel: 0043-(0)1-710 22 42-612

E-mail:

Nähere Details zum Kongress: www.ecco-ibd.eu.

Welldone/CL, Ärzte Woche 3/2013

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