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Nach Vulkanausbrüchen kommt es zu einem Anstieg von respiratorischen Symptomen.
 
ERS 2012 20. Oktober 2012

Naturkatastrophen und Umweltsünden

Wie sich Vulkanausbrüche, Erdbeben und Polychlorierte Biphenyle auf die Lungengesundheit auswirken.

Präsentationen vom diesjährigen Kongress der European Respiratory Society – eine Auswahl.

Abseits von großen Medikamentenstudien und neuen Guidelines wurde beim größten pneumologischen Treffen Europas auch eine Vielzahl kleinerer Studien mit ganz speziellen Fragestellungen präsentiert. So haben sich z. B. isländische Wissenschaftler mit den respiratorischen Symptomen nach Vulkanausbrüchen beschäftigt. Ein brasilianisches Team hat festgestellt, dass Gleichgewichtsstörungen die Asthma-Symptomatik beeinflussen. Dass Erdbeben auch gute Vorsätze erschüttern, zeigt eine neuseeländische Arbeit.

Vulkanische Asche reizt die Atemwege

Der letzte Ausbruch des Eyjafjallajökull (Island) im April 2010 ist vielen noch in Erinnerung: Der Vulkan produzierte damals eine riesige Aschewolke, die sich über Europa ausbreitete und den Flugverkehr lahmlegte.

Forscher der University of Iceland haben den Effekt dieser Aschewolke auf die Gesundheit der unmittelbar in der Nähe angesiedelten Menschen untersucht und mit Bewohnern Nordislands verglichen, die von der Aschewolke verschont geblieben waren.

Die Befragung fand sechs Monate nach der Eruption statt. Das Ergebnis: Je näher der Wohnort der Befragten am Eyjafjallajökull lag, desto schwerwiegender waren Symptome wie Husten, Schleimbildung, Augenentzündungen und Schnupfen. Viele gaben an, monatelang an mehreren dieser Symptome gelitten zu haben (ERS 2012, Abstract 4518).

Nach Erdbeben wird mehr geraucht

Vor zwei Jahren erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,1 Neuseeland, das die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Einwohner Christchurchs plötzlich und drastisch veränderte. In solchen Situationen scheint der Griff zur Zigarette immer noch ein weit verbreiteter Bewältigungsversuch zu sein. Eine Studie hat dies gemessen und bestätigt. 1.001 Bewohner wurden 15 Monate nach dem Beben zu ihrem Rauchverhalten befragt. Von den 319 Menschen, die vor dem August 2010 nicht geraucht hatten, begannen 76 (28 Prozent) nach dem Erdbeben zu rauchen. Von den 273 Leuten, die schon vor der Katastrophe geraucht hatten, haben 93 ihren Tabakkonsum seither erhöht. Mehr als die Hälfte davon begründete dieses Verhalten mit den veränderten Lebensbedingungen (ERS 2012, Abstract 4517).

Asthma durch PCB

Die Umweltsünden vergangener Jahrzehnte rächen sich bis heute. Bis in die 1980er Jahre wurden vielfach Polychlorierte Biphenyle (PCB) in Transformatoren, elektrischen Kondensatoren, als Hydraulikflüssigkeit und als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen, Isoliermitteln und Kunststoffen verwendet. Seit mittlerweile elf Jahren ist der Einsatz dieser giftigen und krebsauslösenden Chemikalie weltweit verboten. PCB sind aber immer noch allgegenwärtig. Sie sind in der Atmosphäre, in Gewässern, im Boden und auch im menschlichen Blut nachweisbar.

Wie in einer aktuellen Studie festgestellt wurde, haben Kinder, die PCB ausgesetzt sind, ein erhöhtes Risiko für nicht-allergische Asthmasymptome. Untersucht wurden 240 Kinder. Die Blut-Level von PCB und drei anderen Pestiziden wurden gemessen und die Prävalenz von keuchender Atmung als typisches Asthma-Symptom erhoben. Es zeigte sich eine Korrelation zwischen höheren PCB-Werten und der Häufigkeit von Keuchatmung (Odds Ratio 1,61). Der Zusammenhang war für nicht-allergisches Asthma stärker als für allergisches. Warum manche Menschen höhere PCB-Blutwerte haben als andere, ist unklar. Vermutet werden Kontaminationen durch belastete Nahrungsmittel oder Müllhalden (ERS 2012, Abstract P1091).

Asthma, Angst und Gleichgewicht

Muskeln und Gelenke werden vom limbischen System kontrolliert, das gleichzeitig auch für Gefühle verantwortlich ist. Angst und Gleichgewichtsstörungen treten daher oft gekoppelt auf. Ebenso bekannt ist, dass Angst die Asthmasymptome verschlechtern kann. Der Einfluss von Gleichgewichtsstörungen auf die Asthmasymptomatik wurde aber erst jetzt untersucht.

Gemessen wurden die Angstlevel (Spielberger State-Trait Anxiety Inventory) von 30 Personen mit persistierendem kontrolliertem Asthma und einer Kontrollgruppe ohne Asthma. Mittels dynamischer Posturografie wurde das Gleichgewichtsvermögen der Probanden bestimmt. Die Ergebnisse bestätigten, dass Asthmapatienten häufig an Angstzuständen leiden. Zusätzlich wurde festgestellt, dass Asthmatiker in den Balance-Tests durchschnittlich schlechter abschneiden als die Kontrollgruppe.

Die Autoren schlagen vor, Asthmapatienten auf Gleichgewichtsstörungen zu untersuchen, besonders jene, die auch an Angstzuständen leiden. So könnte eine Verschlechterung der Asthmasymptomatik eventuell verhindert werden (ERS 2012, Abstract P233).

Marathonlauf triggert Lungenödeme

Ein Zusammenhang zwischen extremer körperlicher Anstrengung und Lungenödemen wird schon seit Langem beobachtet. Nun liefert eine Studie Evidenz dafür.

Bei 26 Marathonläufern wurden thorakale Röntgenaufnahmen am Tag vor dem Rennen und 19, 56 and 98 Minuten nach dem Lauf durchgeführt. Die Aufnahmen wurden von drei Experten unabhängig beurteilt. Die Bewertungen (0 = kein Ödem, 8 = schweres Ödem) wurden zusammengefasst. Die Ergebnisse: Die Hälfte der Läufer wies 20 Minuten nach dem Rennen ein Lungenödem auf, jeder fünfte davon ein mittleres bis schweres. Nach einer Stunde war das Ödem immer noch vorhanden. Frauen zeigten generell ein höheres Risiko für die Entwicklung eines Lungenödems nach dem Marathonlauf (ERS 2012, Abstract 1655).

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