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Foto: Schratter-Sehn/KFJ
Intensitätsmodulierte Strahlentherapie (IMRT): Bestrahlungsplanung eines Kopf-Halstumors. Die IMRT erlaubt auch, kompliziert geformte Tumoren zu bestrahlen, unter größtmöglicher Schonung sensibler Nachbarorgane.
Foto: Arbeitsgemeinschaft Medikamentöse Tumortherapie /  APA-Fotoservice / Preiss

Prof. Dr. Gabriela Kornek Universitätsklinik für Innere Medizin, Wien

Foto: Arbeitsgemeinschaft Medikamentöse Tumortherapie /  APA-Fotoservice / Preiss

Prof. Dr. Martin Burian Vorstand der HNO-Abteilung am Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern, Linz

Foto: Arbeitsgemeinschaft Medikamentöse Tumortherapie /  APA-Fotoservice / Preiss

Prof. Dr. Richard Greil Präsident der Arbeitsgemeinschaft Medikamentöse Tumortherapie (AGMT), Universitätsklinik für Innere Medizin, Salzburg

 
Onkologie 16. März 2011

Kopf-Halstumoren behandeln: Was, wie und mit welchem Erfolg?

Das erste österreichweite Register für Krebserkrankungen im Kopf- und Halsbereich soll erfassen, mit welchen Methoden in den Abteilungen und Zentren behandelt wird, mit welcher Qualität und mit welchem Ergebnis.

Etwa zwölf Prozent aller neuen Krebserkrankungen betreffen in Österreich den Kopf-Halsbereich. Zwar führt die Statistik Austria ein Krebsregister, dieses gibt aber keine Auskunft über die Behandlungsqualität an den heimischen Kliniken. Für eine qualitätsvolle Weiterentwicklung der komplexen multimodalen Therapie-Optionen ist deshalb eine spezielle Erfassung der Patienten- und Behandlungsdaten nötig, die nun umgesetzt wird. Die Arbeitsgemeinschaft Medikamentöse Tumortherapie installiert das erste Register für Kopf-Halstumoren in Österreich.

 

„Die Aufgabe des österreichischen Krebsregisters ist die Dokumentation und Auswertung aller Krebsfälle der österreichischen Wohnbevölkerung“, erklärt Dipl. Demographin Nadine Zielonke von der Statistik Austria, „es liefert Informationen zu Krebsinzidenz, Mortalität, Überlebensdauer und Prävalenz von Krebserkrankungen, nach Alter und Geschlecht, deren zeitliche Entwicklung und regionaler Verteilung.“ Dieses Krebsregister liefert elementare Daten für die Gesundheitspolitik, die Gesundheitsberichterstattung und wissenschaftliche Studien. Damit sind diese Daten wichtiges Arbeitsmaterial für den Onkologiebeirat, der einen nationalen Krebsplan erstellen soll.

Mit Theodor Billroth, der am Sylvesterabend 1873 bei einem Karzinompatienten die erste Laryngektomie als Notoperation durchführte, wurde eine Tradition in Europa begonnen, die als erste Therapie meist einen chirurgischen Eingriff vorsieht. „Das ist in bestimmten Stadien noch immer der Fall“, sagt Prof. Dr. Martin Burian, der ab April der HNO-Abteilung des Krankenhauses der Barmherzigen Schwestern in Linz vorstehen wird. „Die operative Entfernung von Plattenepithelkarzinomen des oberen Aerodigestivtrakts ist ein fixer Bestandteil des Gesamttherapiekonzeptes in der Kopf-Hals-Onkologie. Im Stadium I und II ist die Operation die Therapie der Wahl.“

Multimodale Behandlung

Schwieriger wird die Therapieentscheidung in den Stadien III und IV. Hier bringen aktuelle Radiochemotherapie-Schemata vergleichbare Resultate wie die operative Therapie mit dem Vorteil des Organerhalts. Prof. Dr. Gabriela Kornek, Klinik für Innere Medizin, MedUni Wien: „Die Induktionschemotherapie mit Cisplatin und kontinuierlichem 5-Fluorouracil gefolgt von einer konventionell fraktionierten Strahlentherapie hat sich als Goldstandard für Patienten etabliert, die eine Kehlkopfentfernung ablehnen.“ Auch bei inoperablen Tumoren ist die Chemotherapie mittlerweile zusätzlich zur Strahlentherapie eine wichtige Option. In diesem Setting zeigte sich auch der EGFR-Antikörper Cetuximab, ebenfalls in Kombination mit Strahlentherapie, erfolgreich. Bei rezidivierenden und/oder metastasierten HNO-Tumoren ist Cetuximab in Kombination mit Chemotherapie als Standard anzusehen.

Auch die Strahlentherapie hat an Bedeutung gewonnen. Doz. Dr. Annemarie Schratter-Sehn, Institut für Radioonkologie, Kaiser-Franz-Josef-Spital/SMZ-Süd, Wien: „Mittels der intensitätsmodulierten Strahlentherapie ist es möglich, höhere Strahlendosen an das Zielgebiet zu bringen und gleichzeitig benachbarte sensible Gewebe zu schonen. Dadurch kann man auch kompliziert geformte Tumore bestrahlen, die nah an Risiko-Organen und -Strukturen liegen.“ Gleichzeitig ist die geringere Belastung des Patienten durch Nebenwirkungen eine der Voraussetzungen für die Kombination mit den teils sehr toxischen Chemotherapieschemata.

Die Qual der Wahl

Es gilt je nach Stadium, nach der Möglichkeit das Tumorwachstum lokal zu kontrollieren und Fernmetastasen zu verhindern, nach dem Allgemeinzustand des Patienten und möglichst organerhaltend vorzugehen. Chirurgie oder doch eine Induktionschemotherapie mit anschließender Strahlentherapie? Und wenn Chirurgie, dann mit oder ohne adjuvanter Radiotherapie oder Radiochemotherapie? Die zu beachtenden Aspekte und Faktoren, ebenso wie die möglichen Strategien, sind mittlerweile so vielfältig, dass ein optimales Vorgehen für den Einzelfall nur im Team von den jeweiligen Experten geplant werden kann – in Tumorboards.

Um das optimale Vorgehen insgesamt weiterzuentwickeln, werden Studien und entsprechende Fallzahlen benötigt. Das Kopf-Halstumor-Register, an dessen Entwicklung Burian seit Jahren mitarbeitet, „wird ein wichtiges Tool dazu darstellen“, so Burian. „In Europa existieren derartige Krebsregister bereits.“ Kornek hofft, dass Österreich in Zukunft in diesem onkologischen Spezialbereich Therapiestandards mitentwickeln wird. Die Chancen dafür stehen gut. „Mittlerweile besteht ein positives Votum einer Leitethikkommission“, so Prof. Dr. Richard Greil, Präsident der AGMT, III Medizinische Universitätsklinik Salzburg.

Chance für Qualität

„Was derzeit fehlt, ist eine Möglichkeit, die Patienten der eigenen Abteilung zu überblicken. Das Kopf-Halstumor-Register bietet die große Chance, dass es Tools geben wird, die uns eine Übersicht über unsere Patienten geben und uns sagen, wo im Vergleich zum Österreich-Schnitt wir stehen.“ Die Grundvoraussetzung dafür bietet das Register: Jedes Zentrum bleibt anonym und hat nur auf seine eigenen Daten Zugriff.

Die Ziele des Kopf-Halstumor-Registers zusammengefasst: Es soll die in Österreich angewandten Therapiestandards erfassen, Fragestellungen der multimodalen Therapie beantworten, die interdisziplinäre Zusammenarbeit verrichten und den Zentren eine Übersicht über ihre Patienten erlauben.

 

www.agmt.at

 

Quelle: Pressekonferenz am 4. März 2011 im Wiener Billrothhaus.

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