zur Navigation zum Inhalt
 
Pflege 1. Mai 2007

Hitzewellen in Wien: Auswirkungen auf die Sterblichkeit

HINTERGRUND: Der heiße Sommer 2003 mit erhöhten Sterberaten in Süd- und Westeuropa rückte die gesundheitliche Bedeutung von Hitzewellen in den Blickpunkt. Zu Auswirkungen von Hitzewellen auf die Sterblichkeit in Österreich gab es bisher noch keine Untersuchungen.

METHODE: Daten zur täglichen Mortalität in Wien im Zeitraum von 1998 bis 2004 wurden von Statistik Austria, meteorologische Daten von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik zur Verfügung gestellt. Zur Definition von Hitzewellen wurden die Kysely-Kriterien herangezogen. Die tägliche Sterblichkeit von Mai bis September wurde mittels "Generalized Additive Model" (Poisson-Regression und log link) unter Berücksichtigung von "Over-Dispersion" analysiert. Der jahreszeitliche Trend wurde über Splines, Wochentage mittels Dummies modelliert. Hitzetage wurden als dichotome Prädiktoren inkludiert.

ERGEBNISSE: In den letzten 35 Jahren stieg die durchschnittliche Temperatur (Mai bis September) in Wien um über 1,7 °C. Im Jahr 2003 zeigte sich eine Zunahme der Hitzetage auf insgesamt 44, die mit einer erhöhten Anzahl von Todesfällen einhergingen. Von diesen rund 180 Todesfällen war der Großteil nicht einem "Harvesting-Effekt" zuzurechnen. Es fand sich im Zeitraum 1998 bis 2004 an den Hitzetagen ein signifikant erhöhtes relatives Mortalitätsrisiko von 1,13 [95% Konfidenzintervall 1,09–1,17]. Diese Risikoerhöhung war bei Frauen deutlicher als bei Männern ausgeprägt. Obwohl die Sterblichkeitszunahme in allen Altersgruppen beobachtet werden konnte, waren die Ergebnisse nur bei älteren Personen (> 65 Jahre) signifikant.

DISKUSSION: Auch wenn die Folgen der Hitzewellen nicht so ausgeprägt waren wie in Frankreich und Südwesteuropa, war in Wien im Sommer 2003 die tägliche Sterblichkeit erhöht. Zumindest 130 Todesfälle hätten in diesem Jahr durch prompte medizinische Hilfe und rechtzeitige Aufklärung der Risikogruppen zum Verhalten bei extremer Hitze verhindert werden können. Die Häufigkeit extremer Hitze-Episoden wird voraussichtlich als Folge der globalen Erwärmung zunehmen. Speziell auf die ältere Bevölkerung ausgerichtete Vorsorgeprogramme sind daher erforderlich.

Hans-Peter Hutter, Hanns Moshammer, Peter Wallner, Barbara Leitner, Michael Kundi, Wiener klinische Wochenschrift

Volltext dieses Beitrags / entire article auf SpringerLink

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben