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Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko können laut des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) MSM (men who have sex with men) auch von der HPV-Impfung profitieren.
 
Impfen 30. September 2016

Auch Risikogruppen profitieren

Die Impfung gegen humane Papillomviren ist ausschließlich prophylaktisch wirksam und soll daher vorrangig vor Eintritt in das sexuell aktive Alter erfolgen. Dennoch können auch sexuell aktive Frauen und Männer von dieser Vakzine profitieren, insbesondere, wenn sie ein erhöhtes Infektionsrisiko aufweisen.

Die Erkenntnis, dass die persistente Infektion mit bestimmten Typen von humanen Papillomviren (HPV) einen notwendigen Risikofaktor für die Entstehung des Zervixkarzinoms darstellt, hat zur Entwicklung prophylaktischer Impfstoffe gegen HPV- Infektionen geführt. Mit Gardasil® 9 steht seit Kurzem der erste 9-valente Impfstoff zur Prävention von zirka 89 Prozent der HPV-assoziierten anogenitalen Krebserkrankungen sowie 90 Prozent der Genitalwarzen in Österreich zur Verfügung.

Es existieren mehr als 150 HPV-Typen, von denen etwa 40 die anogenitale Schleimhaut und jene des Oropharynx infizieren und vorwiegend sexuell übertragen werden. Zwölf HPV-Typen (HPV16, 18, 31, 33, 35, 39, 45, 51, 52, 56, 58 und 59) wurden von der International Agency for Research on Cancer als onkogen eingestuft. Bei einem Großteil der Infektionen ist das Immunsystem in der Lage, das Virus innerhalb von ein bis zwei Jahren zu eliminieren. Wenn eine Infektion mit onkogenen Viren jedoch persistiert, besteht die Gefahr der Entwicklung von intraepithelialen Neoplasien und invasiven Karzinomen.

Fast 100 Prozent der Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses sowie ein Großteil der Karzinome des Anus, der Vulva, der Vagina, des Penis und des Oropharynx sind auf HPV zurückzuführen, wodurch diese annähernd 5 Prozent der globalen Krebsbelastung verursachen. In Europa werden jährlich 33.500 neue Fälle von Zervixkarzinomen mit etwa 15.000 Todesfällen registriert, in Österreich zirka 400 neue Fälle von Zervixkarzinomen bzw. 130 bis 180 Todesfälle.

Hohe Effizienz der Vakzine

Im Jahr 2006 wurde in Österreich die erste HPV-Impfung zugelassen. Dabei handelte es sich um den tetravalenten Impfstoff Gardasil® gegen die zwei häufigsten Low-Risk- (6 und 11) und die zwei gefährlichsten High-Risk- (16 und 18) HPV-Typen. Dieser Impfstoff wurde 2014 in den österreichischen Impfplan und im selben Jahr in das österreichische Schulimpfprogramm aufgenommen, wodurch alle Mädchen und Buben im Alter zwischen 9 und 12 Jahren eine kostenlose HPV-Impfung erhalten konnten.

Seit Kurzem steht eine Weiterentwicklung des tetravalenten Impfstoffs zur Verfügung: die 9-valente HPV-Vakzine Gardasil® 9. Sie schützt gegen die vom Vierfachimpfstoff bekannten onkogenen HPV-Typen 6, 11, 16 und 18 und zusätzlich gegen die fünf HPV-Typen 31, 33, 45, 52 und 58. Der Impfstoff deckt 90 Prozent der HPV-Typen ab, die Gebärmutterhalskrebs verursachen. Denn HPV Typ 16 und 18 verursachen mehr als 70 Prozent aller Zervixkarzinome und die zusätzlichen fünf HPV-Typen, die in dem Impfstoff enthalten sind, sind die Ursache für weitere 20 Prozent der Zervixkarzinome. Darüber hinaus schützt der Impfstoff gegen einen Teil der Karzinome der Vulva, des Penis und des Oropharynx. Dei 9-valente HPV-Vakzine wurde im Juni 2015 in der EU zugelassen. Seit Mai 2016 ist der Neunfach-Impfstoff in Österreich verfügbar.

Umstellung vom 4-valenten auf 9-valenten Impfstoff

Was das Schulimpfprogramm betrifft, ist die Umstellung vom Vierfachimpfstoff auf den 9-valenten Impfstoff im September 2016 erfolgt. Der Impfstoff kann ab nun bei den Apotheken für die kostenlose Impfung für Kinder vom vollendeten 9. bis zum vollendeten 12. Lebensjahr bezogen werden. Für Kinder bis zum vollendeten 15. Lebensjahr werden Catch-up-Impfungen zum vergünstigten Selbstkostenpreis angeboten. Die kostenlose Impfung wird im niedergelassenen Bereich bei Ärztinnen und Ärzten, die sich am Kinderimpfkonzept beteiligen, und in den Impfstellen der MA 15 angeboten. Der Neunfach-Impfstoff wird wie der Vierfach-Impfstoff in einem 1+1-Schema, und zwar vom vollendeten 9. Lebensjahr bis zum vollendeten 15. Lebensjahr empfohlen. Nach dem vollendeten 15. Lebensjahr muss die HPV-Impfung zur Erreichung eines gleichwertigen Schutzes dreimal nach dem Schema 0/1 bzw. 2 und 6 Monate gegeben werden.

Für Jugendliche und Erwachsene

Da die Impfung gegen HPV prophylaktisch wirksam ist, soll sie vorrangig vor Eintritt in das sexuell aktive Alter erfolgen (ab dem vollendeten 9. Lebensjahr). Die Impfung sollte heute Jugendlichen beiderlei Geschlechts empfohlen werden, zum einen aufgrund der Prävention von Genitalwarzen, Analkarzinomen und Kopf-Hals-Tumoren, zum anderen weil dadurch eine bessere Herdenimmunität erreicht werden kann.

Die Impfung kann auch für sexuell aktive Frauen und Männer empfohlen werden. Denn hat bereits eine Infektion stattgefunden oder wurde eine Erkrankung durchgemacht, so kann mit der HPV-Vakzine vor Infektionen mit weiteren, durch den Impfstoff abgedeckten HPVTypen geschützt werden. Das Vorliegen von Kondylomen oder Dysplasien im Genitalbereich ist kein Ausschlussgrund für die Impfung – jedoch bedarf es der Aufklärung, dass die Impfung keinen therapeutischen Effekt hat. Empfohlen wird die Impfung laut des European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) MSM (men who have sex with men) aufgrund eines erhöhten Infektionsrisikos. In England wurde für diese Risikogruppe eine Impfempfehlung bis zum 45. Lebensjahr ausgesprochen. Bei sehr risikoreichem Sexualverhalten könnte die Impfung auch in noch höherem Alter sinnvoll sein. Menschen mit HIV-Infektion wird die Impfung nahegelegt, da diese ein besonders hohes Risiko für die Entstehung von HPV-assoziierten Dysplasien bzw. Karzinomen haben.

Mit dem 9-valenten Impfstoff wurden keine Studien bei Frauen durchgeführt, die älter als 26 Jahre waren. Bei Frauen im Alter von 27 bis 45 Jahren wird die Wirksamkeit von der Vakzine für die vier ursprünglichen HPV-Typen (6, 11, 16, 18) jedoch erwartet, da zum einen Daten vorliegen, die zeigen, dass der Vierfach-HPV-Impfstoff bei Frauen im Alter von 16 bis 45 Jahren hochwirksam ist und zum anderen die Immunogenität von Gardasil® 9 mit der des Vierfach-Impfstoffs bei Mädchen und Frauen im Alter von 9 bis 26 Jahren vergleichbar ist.

Vorsorgeuntersuchungen bleiben

Die Verfügbarkeit der Impfung ändert nichts an der generellen Empfehlung, die gynäkologischen Vorsorgeuntersuchungen mit Krebsabstrich (inklusive PAP- oder HPV-Test) und eventuell notwendige Behandlungen in den empfohlenen Abständen weiterhin durchzuführen, da die derzeitigen HPV-Impfstoffe vor den gefährlichsten, aber nicht gegen alle onkogenen HPV-Typen schützen. Die Routineuntersuchungen zur Zervixkarzinom-Früherkennung bleiben somit von entscheidender Wichtigkeit.

Die Frage, ob und wann Boosterimpfungen nötig sind, kann derzeit noch nicht beantwortet werden. Dazu laufen Langzeit-Follow-up-Studien, in denen die Dauer der Schutzwirkung von Gardasil® 9 ermittelt wird.

Literatur:

1. European Medicines Agency 2016: Gardasil 9: 9-valenter Impfstoff gegen Humane Papillomviren (recombinant, adsorbiert)

2. Fachinformation Gardasil 9, Stand 04/2016

Impfplan Österreich 2016, vorläufiger Auszug, Version 2, Kapitel HPV

3. Joura EA et al: A 9-Valent HPV Vaccine against Infection and Intraepithelial Neoplasia in Women. N Engl J Med 2015; 372(8): 711-723

4. Pitisuttithum P et al: 9-Valent HPV vaccine for cancers, pre-cancers and genital warts related to HPV. Expert Rev. Vaccines 2015. DOI: 10.1586/14760584.2015.1089174

Daphne Mark

, Ärzte Woche 40/2016

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