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Gynäkologie und Geburtshilfe 23. November 2015

„Korrekturen des weiblichen Genitals aus rein ästhetischen Gründen sind medizinisch nicht indiziert“

3 Fragen, 3 Antworten

Die Ästhetische Medizin wird mitunter mit der Frage konfrontiert, ob es vertretbar sei, ihr Geschäftsfeld auf den Intimbereich auszudehnen. Prof. Dr. Edvin R. Turkof, ein bekannter Vertreter der Plastischen Chirurgie, entgegnet, dass deshalb ein tiefgehendes Gespräch mit den Patientinnen unabdingbar sei.

Welche Wünsche dominieren bei Operationen im weiblichen Intimbereich?

Turkof: Der häufigste Korrekturwunsch im weiblichen Intimbereich betrifft übergroße innere Labien, die so weit verkleinert werden sollen, dass sie bei aufrechter Position nicht sichtbar sind. Oft sind daran aber auch zu kleine bzw. flache große Labien „schuld“, wenn diese nicht groß/voll genug sind, um die kleinen Labien vollständig zu bedecken. In diesen Fällen muss die Verkleinerung der kleinen Labien mit einer Vergrößerung der großen Labien kombiniert werden, was am besten mit einer durch plättchenreiches Plasma angereicherten Eigenfetttransplantation durchgeführt wird.

Was wäre aus Ihrer Sicht keine medizinische Indikation für die Intimchirurgie?

Turkof: Eine medizinische Indikation für die Intimchirurgie besteht dann, wenn im Genitalbereich eine den Alltag, bzw. das Sexualleben beeinträchtigende Situation vorliegt. Etwa 60 Prozent der Eingriffe werden aus ästhetischen Gründen gewünscht, wenn also den Patientinnen lediglich das Aussehen ihres Genitales missfällt. Daher sind Korrekturen des weiblichen Genitals aus rein ästhetischen Gründen nicht medizinisch indiziert.

Wie stellen Sie sicher, dass der Wunsch nach Verschönerung von der Patientin selbst kommt und diese nicht vom Partner zum Eingriff gedrängt wurde?

Turkof: Die präzise und umfangreiche Anamnese und Befragung der Patientinnen ist eine gesetzliche Pflicht. Dazu gehört natürlich das Hinterfragen der Gründe für die Operation. Mit einiger Erfahrung kann man fast immer den Eigenwunsch vom Fremdwunsch erfassen, aber es ist natürlich nicht auszuschließen, dass einem Arzt diese unerwünschte Situation verborgen bleibt.

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