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Männer wollen auch im höheren Alter nicht nur kuscheln.
 
Leben 15. Juli 2015

Sexmuffel sterben früher

Körperliche Liebe ist auch im Alter ein großes Thema und kann medikamentös unterstützt werden.

Das Interesse an Sex lässt auch im Alter kaum nach. Doch sowohl Erkrankungen als auch bestimmte Medikamente können sich negativ auswirken.

Die Mehrzahl der Menschen will auch im Alter Sex haben. Und dass sie den tatsächlich haben, belegt etwa die Kölner Männer-Studie mit fast 4.500 Teilnehmern. 84 Prozent der 60- bis 69-Jährigen gaben an, sexuell aktiv zu sein, bei den 70- bis 79-Jährigen waren es 71 Prozent ( Int J Impot Res 2000;12:305 ), berichtete Prof. Dr. Hartmut Porst, Urologe aus Hamburg. Und Sex ist gut für die Gesundheit.

Guter Sex ist lebensverlängernd

So habe eine Studie ergeben, dass Männer mit hoher orgasmischer Frequenz im Beobachtungszeitraum von zehn Jahren ein 50 Prozent geringeres Mortalitätsrisiko hatten als Männer mit nur geringer Frequenz ( BMJ 1997;315:1641 ), berichtete DDr. Stefan Buntrock, Chefarzt der Klinik am Kurpark in Bad Wildungen. Hier gibt es allerdings Unterschiede zwischen den Geschlechtern, hat eine Studie aus North Carolina, USA, ergeben. „Männer leben danach länger, wenn sie mehr Sex haben. Frauen leben länger, wenn sie befriedigenden Sex haben“, sagte Buntrock.

„Die Lebenserwartung steigt kontinuierlich“, sagte Buntrock. Waren 2008 noch 20 Prozent der Menschen in Deutschland über 65 Jahre alt, werden es 2030 schon 29 Prozent sein. Mit zunehmendem Alter nehmen allerdings auch die gesundheitlichen Probleme zu. So sinke bei Männern der Testosteronspiegel ab dem 40. Lebensjahr um ein Prozent pro Jahr. Auch die Beta-Rezeptoren nehmen ab, es komme zu einer erhöhten alpha-adrenergen Aktivität. Die Folgen seien verminderte Relaxation der glatten Muskulatur im Corpus cavernosum, abnehmende Rigidität der Erektion, längere Zeit bis zur vollen Erektion und längere Zeit bis zum Orgasmus, so Buntrock. Bei Frauen wiederum komme es durch den absinkenden Östrogenspiegel in der Menopause zu Scheidentrockenheit, urogenitalen Problemen, reduziertem Beckenbodentonus und vermindertem Urethraldruck.

ED auch für Partnerin schwierig

Bei älteren Männern ist die häufigste Sexualstörung die erektile Dysfunktion (ED), sagte Porst. „Die ED-Prävalenz nimmt mit dem Alter exponentiell zu.“ Und in einer Studie gaben 90 Prozent der Männer mit ED an, unter der Störung zu leiden. Auch die Sexualität der Partnerin wird von der ED beeinflusst: Sie empfinden weniger sexuelles Verlangen, sind weniger erregt, kommen seltener zum Orgasmus und sind weniger zufrieden als in der Zeit vor der ED-Manifestation beim Partner, sagte Porst.

Zudem haben zwei Drittel der Männer mit LUTS (Lower Urinary Tract Symptoms) oder BPH (benigne Prostatahyperplasie) gleichzeitig eine ED, so Porst ( European Urology 2005;47:511-517 ). Auch andere Erkrankungen erhöhten das ED-Risiko. So sei bei Männern mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen das ED-Risiko mehr als verdoppelt, bei Diabetikern 3,6-fach erhöht. Medikamente können sich ebenfalls negativ auf die erektile Funktion auswirken. Porst nannte hier Thiazid-Diuretika und Beta-Blocker, Ausnahme sei Nebivolol. ACE-Hemmer und Kalzium-Antagonisten zeigten keinen Effekt, während Sartane sogar positiv auf die Erektion wirkten.

Therapeutisch stehen bei ED die PDE5-Hemmer vorn. Alle verfügbaren Substanzen seien geeignet. Porst riet, durchaus verschiedene PDE5-Hemmer anzubieten, um zu sehen was am besten ist. Da europaweit rund die Hälfte der Männer Sex nicht planen wolle, sei ein PDE5-Hemmer mit schnellem Wirkeintritt vorteilhaft. Von den verfügbaren Substanzen habe Avanafil, so Porst, den schnellsten Wirkeintritt und erlaube ein weitgehend planungsfreies und spontanes Sexualleben. Mit einer Nebenwirkungsrate von unter fünf Prozent zeige die Substanz auch eine sehr gute Verträglichkeit. Porst riet, das Präparat vor dem Essen einzunehmen.

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