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Vegan unbedenklich ist eigentlich nur die Verhütung mit Temperaturmessung, auch „vatikanisches Roulette“ genannt.
 

Tierfrei im Bett

Vegane Verhütung auf dem Prüfstand.

Im Alltag sind Veganer streng darauf bedacht, dass Nahrung, Kleidung und Gebrauchsgegenstände frei von Tierprodukten und Tierversuchen sind. Doch wie sieht es unter der Bettdecke aus? Das Gynmed Ambulatorium hat eine Übersicht über tierproduktfreie Verhütungsmittel für Veganer zusammengestellt.

Vegan unbedenklich ist eigentlich nur die Selbstbeobachtung, bei der jeden Tag die Temperatur gemessen wird, am besten in Kombination mit dem Schleim-Überprüfen sowie dem Tasten des Muttermundes. Der Nachteil ist die geringe Sicherheit, da der Körper natürlichen Schwankungen unterworfen ist und die Symptome nicht immer eindeutig zu interpretieren sind. Für die Temperatur-Methode gibt es spezielle Thermometer, die sehr genau messen. Dafür gibt es auch Computerprogramme, die bei der Interpretation der Temperaturschwankungen unterstützen. Diese Methode ist ebenfalls wenig wirksam, da die Temperatur nicht nur durch den Zyklus, sondern auch durch viele andere Einflüsse verändert wird.

Der Computer Persona misst das Hormon LH im Urin – funktioniert also ein wenig anders als die Temperatur-Methode. Persona identifiziert die Tage, an denen ein erhöhtes Risiko besteht, schwanger zu werden: Er genügt jedoch veganen Ansprüchen nicht, da seine Teststreifen geringe Mengen an Rinderprotein aufweisen.

Tierische Spuren auf Kondomen und Diaphragmen

Kondome sind zwar ein Naturprodukt, bei der Herstellung wird jedoch Casein verwendet, das ist ein Milchbestandteil. Ausnahme: Die Kondome der Firma „Glyde Health“, sie kommen mit pflanzlichen Ersatzstoffen aus und tragen das Logo der englischen Vegan Society. Ebenfalls caseinfrei ist das kostspieligere Kondom „Avanti“, das nicht aus Latex sondern aus hauchdünnem Polyurethan besteht.

Mit Tierprodukten behaftet sind auch Gleitmittel bzw. Beschichtungen. Hier ist oft tierisches Glyzerin enthalten. Das gleiche gilt für herkömmliche Diaphragmen. Ausgenommen sind lediglich Diaphragmen aus Silikon. Das Problem sämtlicher Diaphragmen ist jedoch das gleichzeitig zu benutzende Gel. Hier wurden in den letzten Jahren natürliche Gels auf Milchsäurebasis anstelle der sonst üblichen Gels mit spermiziden Nonoxynol auf den Markt gebracht. Aus veganer Sicht wären aber nur die früher üblichen Gels zu empfehlen. Alle Gels wurden vor der Zulassung in Tierversuchen getestet.

Spiralen enthalten Hormone oder Kupfer

Zwar gilt die Spirale mit Hormonen bzw. mit Kupfer als eine der wirksamsten Methoden, aber aus veganer Sicht sind beide problematisch: Die Hormonspirale wegen der (sehr geringen) Hormonabgabe, die zwar zu weniger Menstruation und weniger Schmerzen führt, aber von Frauen als Manipulation des natürlichen Biozyklus empfunden werden kann. Und die Kupferspirale, weil manche Frauen Metalle im Körper ablehnen. Ferner wurden beide Methoden mit Tierversuchen entwickelt bevor sie am Menschen zugelassen wurden.

Laktose in der Pille

Abgelehnt wird von Veganern auch die Pille, die einerseits Laktose enthält, andererseits in Tierversuchen entwickelt wurde. Einzige Ausnahmen sind die laktosefreien Pillen Maxim und Enriqua (Jenapharm). Aufgrund der Hormone werden aus veganer Sicht auch die Drei-Monats-Spritze sowie das Hormonpflaster abgelehnt. Genauso der Verhütungsring, der drei Wochen in der Scheide verbleibt.

„Streng vegan, ökologisch und dabei wirksam verhüten ist nicht möglich, hier muss man sich entscheiden“, so das Fazit des Gynäkologen DDr. Christian Fiala, Leiter des Gynmed-Ambulatoriums für Schwangerschaftsabbruch und Familienplanung. „Am ehesten entspricht noch die Kupferspirale veganen und ökologischen Anforderungen. Allerdings führt diese bei einigen Frauen zu stärkeren Blutungen und Schmerzen. Ethisch-ökologische Ansprüche und hohe Verhütungssicherheit widersprechen sich leider. Wir beobachten, dass immer mehr vegan verhütende Frauen unser Ambulatorium für einen Abbruch aufsuchen.“

www.gynmed.at

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