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Libidoverlust nach Brustkrebs

Ursache sind vor allem postmenopausale Symptome als Folge von antihormoneller und Chemotherapie.

Brustkrebstherapien bereiten Frauen oft Probleme mit der Sexualität. Diese sollten nicht stillschweigend als Komplikation akzeptiert werden. Beim Senologiekongress in München gab Prof. Dr. Annette Hasenburg von der Universitätsklinik Freiburg Tipps, wie man betroffene Frauen unterstützen kann.

Mit der Diagnose „Brustkrebs“ konfrontiert, steht für viele Frauen das schiere Überleben im Vordergrund. Viele (Über-)Lebensumstände erscheinen dann erst einmal weniger wichtig, auch die Sexualität. Erst wenn der Krebs behandelt wird und die Patientin in den Alltag zurückfindet, gewinnen sexuelle Wünsche und entsprechende krankheitsbedingte Beeinträchtigungen wieder an Bedeutung. „Die Behandlung von Krebspatientinnen ist mit Operation, Chemo und Bestrahlung nicht abgeschlossen. Zur patientengerechten onkologischen Nachsorge gehört auch die Integration von Lebensqualität und die sexualmedizinische Beratung“, betont Hasenburg. Der Gynäkologin zufolge zieht Brustkrebs besonders häufig sexuelle Probleme nach sich. Die Patientinnen sind sogar im Vergleich zu Frauen mit gynäkologischen Tumoren weniger sexuell aktiv, weniger sexuell befriedigt und mehr von Schmerzen beim Sex geplagt. Das hat eine Umfrage der Universität Freiburg unter mehr als 300 Frauen ergeben. Als Gründe nannten viele Brustkrebspatientinnen Müdigkeit und mangelndes sexuelles Interesse.

Gleitgel, SSRI und Sport

Ursache des Libidoverlusts sind laut Hasenburg vor allem postmenopausale Symptome, die als Folge von antihormoneller und Chemotherapie auftreten. Was lässt sich dagegen tun? Gegen die vaginale Trockenheit hilft zwar eine lokale Östrogenapplikation – laut Leitlinie ist diese aber bei Brustkrebspatientinnen untersagt. Aufgrund der geringen systemischen Freisetzung sieht Hasenburg, bei entsprechender Aufklärung und Dokumentation, die Östrogensalbe dennoch als Option für einzelne Frauen. Als Alternative bleibt sonst der Einsatz eines Gleitgels.

Bei manchen Frauen hält Hasenburg aufgrund der postmenopausalen Beschwerden auch ein SSRI für indiziert. Wegen potenzieller Interaktionen mit Tamoxifen sollten bevorzugt Duloxetin und Citalopram eingesetzt werden. Mit alternativen Behandlungsverfahren hat Hasenburg bei ihren Patientinnen ebenfalls gute Erfahrungen gemacht, etwa mit Akupunktur, Atemtraining und Entspannungstechniken. „Und wir bemühen uns, alle Frauen zum Sport zu motivieren.

Hasenburg bietet ihren Patientinnen auch den Kontakt zu Selbsthilfegruppen an. Hier sind die Reaktionen aber sehr unterschiedlich. Manche Frauen lehnen es ab, sich mit „noch mehr Kranken“ zu umgeben – das müsse man respektieren, so Hasenburg. Bei sehr gravierenden Problemen schlägt sie auch eine Psychotherapie vor.

Teufelskreis durchbrechen

Bei ihren Patientinnen hat die Gynäkologin häufig einen Circulus vitiosus beobachtet: Die Frau fühlt sich nicht attraktiv und zieht sich zurück. Der Partner will sie nicht mit seinen Wünschen „belästigen“ – und verstärkt damit ihre Wahrnehmung, nicht mehr interessant zu sein.

Für den Umgang mit dem Libidoverlust hat Hasenburg einen weiteren Rat: Wenn sich die Lust nicht mehr einfach so einstelle, müsse man Situationen schaffen, in denen sie entstehen könne – etwa einen gemeinsamen Abend mit dem Partner besonders vorbereiten. „Eines unserer größten Sexualorgane ist eben der Kopf“, so Hasenburg.

Quelle: Symposium „Diagnose Brustkrebs: Wie geht es weiter?“, 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie, München, 27.–29. Juni 2013

springermedizin.de, Ärzte Woche 42/2013

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