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Dr. Florian Wimpissinger, Urologische Abteilung, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien.

 
Urologie 12. August 2013

Nie wieder zu früh

Typen und Therapieoptionen bei Ejaculatio praecox.

Vor drei Jahren wurde erstmals ein Medikament zu Behandlung des vorzeitigen Samenergusses zugelassen: Der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer Dapoxetin führt zu einer durchschnittlichen Verlängerung der intravaginalen Ejakulationslatenzzeit (IELT) um das Dreifache – für betroffene Männer ein deutlicher Gewinn. „Dennoch sollte das Medikament nicht sofort und wahllos verschrieben werden“, sagt Dr. Florian Wimpissinger, Urologische Abteilung, Krankenanstalt Rudolfstiftung, Wien.

„Zuerst sollte in einem Gespräch abgeklärt werden, um welche Form der Ejaculatio praecox es sich handelt bzw. ob überhaupt eine vorliegt.“Oft bestehen nämlich einfach nur falsche Vorstellungen von dem, was „zu früh“ ist: „So mancher Mann glaubt tatsächlich, er müsse 30 Minuten durchhalten“, berichtet Wimpissinger. In Wahrheit bringt es der durchschnittliche Mann auf sechs bis acht Minuten intravaginalen Aufenthalts vor der Ejakulation. „Entscheidend ist aber nicht die Zeit in Minuten, sondern das subjektive Empfinden des Betroffenen und seiner Partnerin“, betont Wimpissinger. Ein Leidensdruck besteht meist dann, wenn die Ejakulation ohne vorhergehende Plateauphase erfolgt, wenn der Betroffene also das Gefühl hat, seinen Orgasmus überhaupt nicht kontrollieren zu können.

Klinische Typen

Wenn also ein Mann wegen Ejaculatio praecox (Premature Ejaculation, PE) ärztliche Hilfe sucht, sollte zuerst in einem Gespräch abgeklärt werden, ob hier tatsächlich eine medikamentöse Behandlung notwendig ist. Dafür ist zu fragen:

  • Seit wann besteht dieses Problem?
  • In welcher Art von Partnerschaft leben Sie?
  • Haben Sie sonst Beschwerden oder Krankheiten, nehmen Sie Medikamente?
  • Was haben Sie denn schon alles probiert?

Nach diesen Fragen stellt sich in den meisten Fällen heraus, dass es sich um eine „PE-like ejaculatory dysfunction“ (falsche Vorstellungen von der Dauer des Sexualakts) handelt oder um ein vorübergehendes Symptom, das zum Beispiel bei einer neuen Partnerin oder nach längerer Enthaltsamkeit auftritt. In diesen Fällen besteht die Therapie hauptsächlich aus Aufklärungsarbeit und eventuell Psychotherapie.

Nur bei einem Bruchteil der betroffenen Männer ist die PE als Erkrankung einzustufen, die entweder neurobiologisch/genetisch oder organisch bedingt ist. Etwa zwei bis fünf Prozent der Betroffenen geben an, schon lebenslang eine Ejaculatio praecox zu haben. „Oft kommen diese Männer aber erst in höherem Lebensalter zum Arzt, wenn bei ihnen auch eine erektile Dysfunktion dazukommt“, berichtet Wimpissinger. Im Falle einer später erworbenen PE muss vor allem an eine Prostatitis oder Schilddrüsenerkrankung gedacht werden.

Therapieoptionen

Bevor eine Therapie begonnen wird, rät Wimpissinger dazu, von Anfang an alle Möglichkeiten in Aussicht zu stellen, um zu vermeiden „dass der Patient nach einem eventuell erfolglosen ersten Therapieversuch nicht mehr wieder kommt.“

Dapoxetin ist derzeit die Therapie der ersten Wahl. Sollte sie keinen Erfolg zeigen, kann ein Wechsel auf einen anderen Serotonin-Wiederaufnahmehemmer überlegt werden. Auch mit dem Schmerzmittel Tramadol kann die Ejakulation hinausgezögert werden, wobei der exakte Wirkmechanismus noch unklar ist.

„Den meisten Patienten hilft eine Kombination aus medikamentöser und topischer Therapie“, so Wimpissinger. Für letztere stehen Salben und Kondome mit anästhesierender Wirkung zur Verfügung.

Die Gabe von PDE-5-Hemmern ist laut Wimpissinger nur dann sinnvoll, wenn auch eine erektile Dysfunktion vorliegt. Keinen Effekt auf Ejaculatio praecox hat übrigens die Zirkumzision.

Quelle: State of the Art Sexualmedizin, Wien, 6. Juli 2013

C. Lindengrün, Ärzte Woche 28/33/2013

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