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Menorrhagie

Bei starker Periode hilft die Spirale besser als die Pille.

In der Behandlung von Menorrhagien ist die Progesteron-Spirale einer oralen Therapie mit Hormonen, Tranexam- oder Mefenaminsäure überlegen. Das zeigt eine britische Studie, die als Bewertungsmaßstab die Lebensqualität der Patientinnen heranzog.

Fast jede dritte Frau im reproduktiven Alter leidet unter starken Periodenblutungen. Der Leidensdruck ist oft erheblich, auch wenn der Blutverlust in vielen Fällen unter 80 ml pro Menstruationszyklus liegt, die Voraussetzung für die Diagnose Menorrhagie also streng genommen nicht erfüllt ist.

Gegen starke Monatsblutungen verschreiben Ärzte oft ein orales Kontrazeptivum. Auch nicht hormonbasierte Therapien wie Tranexam- oder Mefenaminsäure kommen zum Einsatz. Der Spirale stehen viele Frauen dagegen eher ablehnend gegenüber. Wie jetzt gezeigt wurde, wäre aber gerade diese – besser noch als die Pille – geeignet, die Beschwerden zu lindern.

Beschwerden besserten sich in beiden Gruppen

571 Frauen, die wegen ihrer starken Periode den Hausarzt aufgesucht hatten, wurden in zwei Gruppen geteilt: Die einen erhielten eine medikamentöse Therapie per os (entweder Tranexamsäure, Mefenaminsäure, ein kombiniertes Östrogen-Progesteron-Präparat oder Progesteron allein), die zweite Gruppe bekam ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem (IUS). In beiden Gruppen besserten sich die Beschwerden nach insgesamt zwei Jahren signifikant, nämlich um 21,4 (orale Therapie) bzw. 32,7 Punkte (IUS) im Menorrhagia-Multi-Attribute-Score (MMAS). Dieser Score berücksichtigt verschiedene Bereiche des Alltags, darunter praktische Probleme, soziales Leben, Arbeit, Familie und Partnerschaft. Im Optimalfall werden 100 Punkte erreicht.

Spirale im Vergleich klar voran

Im direkten Vergleich lagen die Frauen mit Spirale in allen Bereichen klar vorn. Der Unterschied zur Kontrollgruppe betrug nach zwei Jahren im Mittel 13,4 Punkte auf der MMAS-Skala. Nach Studienautor Janesh Gupta bedeutet das einen klinisch bedeutsamen Vorteil in zwei oder drei der untersuchten Bereiche.

Patientinnen, die etwas mehr Pfunde auf die Waage brachten, schienen deutlich mehr von dem Intrauterinsystem zu profitieren als schlanke Frauen. Ab einem BMI von 25 lag der Vorteil gegenüber der oralen Therapie bei 16,7 Punkten im MMAS. Wer mit seinem BMI unter 25 lag, verbesserte sich relativ gesehen nur wenig (5,4 Punkte). Keinen Unterschied fanden die Forscher in puncto Sexualleben: Hier hatten sich beide Gruppen signifikant verbessert, sowohl was die Lust am Sex als auch die Frequenz des Beischlafs betraf.

Die Teilnehmerinnen hatten sich aber auch gleich häufig zu einem chirurgischen Eingriff entschlossen, um die anhaltenden Beschwerden loszuwerden: Jeweils sechs Prozent ließen die Gebärmutter entfernen. Einer Curettage unterzogen sich vier Prozent in der IUS-Gruppe und sechs Prozent in der Gruppe mit oraler Therapie.

Pille wird häufig abgesetzt

Ein Wundermittel gegen Menorrhagien ist die Spirale trotz aller Vorteile nicht: Etwa jede dritte Patientin ließ sich das System innerhalb der zwei Jahre wieder entfernen. Die Gründe: mangelnde Wirksamkeit oder verlängerte Blutungen. Die Abbruchrate in der konservativen Gruppe lag noch höher; man muss jedoch bedenken, dass das Absetzen der Pille keinen Arztbesuch erfordert. Letztlich war die Wahrscheinlichkeit, die verschriebene Therapie fortzusetzen, in der IUS-Gruppe nahezu doppelt so hoch wie bei den Frauen unter oraler Therapie (64% versus 38%). Die Hälfte aller Frauen, die die Pille oder ein anderes orales Präparat abgesetzt hatte, entschied sich anschließend für die Progesteronspirale.

Quelle: Gupta J et al.: N Engl J Med 2013

springermedizin.de, Ärzte Woche 7/2013

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