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Virusinfektion.
 
Hepatologie 6. November 2012

Österreich belegt Rang 15 auf Euro Hepatitis Care Index

Defizite bei systematischer Bewusstseinsbildung, Prävention, Erkennung und Behandlung.

Österreich hat bei einem Vergleich unter 27 EU-Mitgliedstaaten der Schweiz, Norwegen und Kroatien in Sachen Hepatitis -erkennung, -prävention und -behandlung den 15. Platz belegt. Nationaler Hepatitis-Plan nötig, um Maßnahmen besser zu koordinieren.

Hepatitis bezeichnet eine Entzündung der Leber, häufig ausgelöst durch eine Virusinfektion. In Österreich leiden etwa 200.000 Menschen an einer chronischen Virushepatitis vom Typ B oder C und anderen, mit zahlreichen Neuinfektionen pro Jahr. Die Zahl der Infizierten in Europa beträgt laut WHO etwa 23 Millionen, die Zahl der Todesfälle, durch Hepatitis und dadurch verursachte Krankheiten, beläuft sich auf bis zu 125.000 - Tendenz steigend.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt die Zahl derer, die mit dem Hepatitis B Virus Kontakt hatten weltweit auf etwa zwei Milliarden Menschen, bei etwa 350 Millionen verläuft die Krankheit chronisch. Etwa 170 Millionen Menschen sind chronisch an einer Hepatitis C erkrankt.
Übertragung:

  • Hepatitis B über Körperflüssigkeiten - am höchsten konzentriert in Sperma und Scheidenflüssigkeit - und Blut-zu-Blut-Kontakt (=100 x infektiöser wie HIV), 
  • Hepatitis C NUR über Blut-zu-Blut-Kontakt (=100 x weniger infektiös wie HIV).

Unbehandelt können beide Virusinfektionen zu Zirrhose und Leberkrebs führen und sind damit Auslöser für weitere ernste Erkrankungen.
Die meisten Patienten wissen nichts von ihrer Infektion.


Österreich hat bei einem Vergleich unter 27 EU-Mitgliedstaaten der Schweiz, Norwegen und Kroatien in Sachen Hepatitiserkennung, -prävention und -behandlung den 15. Platz belegt.
Der „Euro Hepatitis Care Index“, der am 6. November 2012 in Brüssel vorgestellt wird, zeigt Schwächen vor allem bei der routinemäßigen Untersuchung der Bevölkerung und in Risikogruppen, so dass eine große Zahl von Infektionen erst spät erkannt wird, Folgeschäden auftreten und eine unbewusste Weitergabe des Virus kaum verhindert werden kann.

Der Euro Hepatitis Care Index wurde vom schwedischen Thinktank Health Consumer Powerhouse (HCP) angefertigt, im Auftrag und finanziert von der Europäischen Leberpatienten-Vereinigung ELPA, der auch die Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ) angehört.
Dem Index zufolge gibt es in Österreich Defizite in den Bereichen

  • Bewusstseinsbildung,
  • Prävention,
  • Früherkennung,
  • Behandlung von Hepatitis im Frühstadium.

Den ersten und damit besten Rang im Euro Hepatitis Care Index belegt Frankreich, gefolgt von Slowenien und Deutschland. Diesen Spitzenrang verdankt Frankreich zum Teil seiner strategischen nationalen Koordinierung bei der Hepatitisabwehr, so Angelika Widhalm, Vorsitzende der Patientenorganisation Hepatitis Hilfe Österreich (HHÖ): „Frankreich hat als einziges Land in Europa - neben einer regionalen Initiative in Schottland - einen nationalen Hepatitis-Plan, der alle Aspekte der Vorsorge, Behandlung und Kontrolle, umfasst. Diese zentrale Koordinierung hilft dabei, das volle Potential von sonst isolierten Maßnahmen durch Ärzte, Patientenorganisationen und anderen Beteiligten in Frankreich zu heben.

„Der 15. Platz auf dem Euro Hepatitis Care Index für Österreich zeigt, dass die Grundlagen für die Hepatitis-Vorsorge vorhanden sind, aber noch viel Arbeit nötig ist“, kommentiert Angelika Widhalm, (HHÖ). „Was wir brauchen ist strategische Koordinierung und mehr politische Unterstützung. Wir haben eine gute Versorgung, was die Hepatitis Ambulanzen angeht. Wer diagnostiziert wird bekommt eine Behandlung wenn er sie will. Der Arzt schlägt den richtigen Zeitpunkt der Behandlung vor. Aber die meisten Hepatitis-Patienten kommen dort erst viel zu spät an, weil es keine effektive Früherkennung gibt. Diskriminierung welche in der Arbeitswelt und Gesellschaft entsteht (Kündigungen, Ausgrenzungen, uvm.) wird nicht entgegengewirkt.“

Maßnahmen in der Prophylaxe in Österreich:

Kinder werden routinemäßig gegen Hepatitis B geimpft, dennoch bleibt die Impfquote in dieser Gruppe unter 90 Prozent und nur ein zu geringer Teil der bekannten Risikogruppen, wie Gesundheitspersonal, Drogenbenutzer und Menschen, die mit Hepatitispatienten zusammenleben werden ebenfalls von routinemäßigen Impfungen erfasst.
Impfstoffe sind bis zum 15. Lebensjahr kostenfrei, später nicht kostenfrei erhältlich (außer bei im selben Haushalt mit Hepatitis B Patienten lebenden Personen).
Jedem Neugeborenen wird eine Hepatitis-B-Impfung kostenlos empfohlen, sie ist Bestandteil des österreichischen Impfplans.
Gegen Hepatitis C gibt es keine Impfung.
Kosten für Behandlungen von Hepatitis B und C werden vom Gesundheitssystem getragen. Die Wartezeit für einen Termin bei einem Facharzt beträgt im Schnitt nicht mehr als vier Wochen.

Mängel bei Früherkennung 

Bei der Früherkennung schneidet Österreich trotz öffentlicher Finanzierung schwach ab: Anonyme Tests und Beratung sind nicht ohne weiteres verfügbar und es gibt kaum systematische routinemäßige Screeningprogramme, auch nicht für Angehörige von Risikogruppen.
Einer der führenden Hepatitis-Mediziner in Österreich, Prof. Dr. Petra Munda Univsitätsklinik für Innere Medizin III Wien, Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, kommentiert: “Da die Hepatitisdiagnostik in Österreich kein Bestandteil der Routinediagnostik, bzw. der Gesundenuntersuchung ist, haben wir das Problem einer geringen Detektionsrate. Zu häufig werden erhöhte Leberwerte auf Alkohol oder Überernährung zurückgeführt und keine weitere Diagnostik gemacht.

Wenige wissen von ihrer Virusinfektion 


Nur eine Minderheit der mit einem Hepatitis-Virus infizierten Patienten weiß so von ihrer Infektion und kann Beratung und Behandlung suchen.
Unerkannt kann Hepatitis B und C zu schweren Schäden an der Leber bis hin zu Leberzirrhose und Krebs führen und an Mitmenschen weitergegeben werden. Das macht Hepatitis bei einem Teil der Patienten zu einer potentiell lebensgefährlichen Krankheit.“

Wir müssen die öffentliche Aufmerksamkeit für Hepatitis erhöhen und den Zugang zu Tests und Behandlung verbessern, vor allem für die Risikogruppen. Das gilt es aber auch für die Allgemeinbevölkerung zu erreichen. Bessere Statistiken helfen Risikogruppen besser einzuschätzen und gezielt Screeningstrategien einzusetzen.“

Forderung der Hepatitis Hilfe Österreich:
Die Politik ist aufgefordert, Maßnahmen umzusetzen, um für die Bevölkerung aus der Erkrankung entstehender Diskriminierungen abzustellen.
Damit die Angst vor der Diagnose zu nehmen die aufgrund von Unwissenheit und Mythen, Unwahrheiten und Halbwahrheiten entstehen.
Gesellschaftspolitische, Gesundheitspolitische, sozialrechtliche und arbeitsrechtliche Absicherung ist dafür eine Grundvoraussetzung.

Aufruf von Angelika Widhalm (HHÖ):


"Lass Dich testen - auch Du kannst betroffen sein!
Rechtzeitige Behandlung verlängert Dein Leben!"



Information
European Liver Patients Organisation ELPA
Das Ziel der European Liver Patients Organisation (ELPA) ist die Verteidigung der Interessen von Menschen, die an einer Leberkrankheit leiden. Im Einzelnen geht es darum,

  • das Ausmaß des Problems zu verdeutlichen,
  • Aufklärung und Verhütung voranzutreiben,
  • dafür zu sorgen, dass Hepatitis die gleiche Aufmerksamkeit erhält wie zum Beispiel Herzkrankheiten,
  • gute Erfahrungen erfolgreicher Initiativen auszutauschen,
  • mit professionellen Körperschaften wie der European Association for the Study of the Liver (EASL) und der EU zusammenzuarbeiten und sicherzustellen, das Behandlung und Pflege auf einen europaweit einheitlichen hohen Stand zu bringen.

ELPA als Dachorganisation ist aus dem Bedürfnis der vielen europäischen Patientenverbände heraus entstanden, Erfahrungen auszutauschen, über die oftmals sehr unterschiedlichen Ansätze in den verschiedenen Ländern. Im Juni 2004 hatten sich 13 Patientenorganisationen aus zehn Ländern entschlossen, ELPA auf den Weg zu bringen. Formell gegründet wurde der Verband am 14. April 2005 in Paris im Rahmen der EASL Jahrestagung. Heute hat ELPA 21 Mitglieder in 17 Ländern.

PA gesundeleber.at , springermedizin.at

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