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Allgemeinmedizin 15. Februar 2011

Mit gegenseitiger Hilfe trocken

Eine Studie bestätigt das Therapiekonzept der Anonymen Alkoholiker.

Wer mit einem Alkohol- oder Drogenproblem kämpft und anderen Menschen in der gleichen Situation hilft, schafft den Ausstieg leichter. Dieses einfache Therapiekonzept der Anonymen Alkoholiker (AA) wurde nun auch wissenschaftlich bestätigt.

 

„Wer anderen hilft, ist weniger egozentriert und selbstsüchtig, was oft die Wurzel der Krankheit ist. Davon profitieren die Trinkgewohnheiten, jedoch auch Körper und Psyche“, berichtet die Psychiaterin Maria E. Pagano von der Case Western Reserve in der Zeitschrift Alcoholism Treatment Quarterly.

Pagano verglich mit ihrem Team mehrere große US-Studien zu Alkoholismus. Immerhin 40 Prozent der Alkoholiker gelingt es demnach, im Anschluss an eine dreimonatige medizinische Therapie mindestens ein Jahr lang auf jeglichen Alkohol zu verzichten. Voraussetzung ist allerdings, dass sie dabei anderen in einer ähnlichen Situation helfen, wie es etwa in den Meetings der Anonymen Alkoholiker (AA) geschieht. Von denen, die dies nicht taten, gelang nur 22 Prozent Alkoholabstinenz. Bessere Ergebnisse erzielten die Helfer auch bei der Compliance, bei der Anfälligkeit für Depressionen sowie im eigenen Selbstbild.

Erfahrungen weitergeben

„Die wichtigste Hilfe, die Alkoholkranke anderen weitergeben können, sind die eigenen Erfahrungen“, erklärt Hermann Pelstring, zweiter Vorsitzender der Anonymen Alkoholiker Interessengemeinschaft e.V. (www.anonyme-alkoholiker.de). Die Lebensgeschichten und Gefühlssituationen von Alkoholikern ähneln sich und sind daher vergleichbar. „Voraussetzung für ein positives Ergebnis ist jedoch die Bereitschaft der Gesprächspartner, mit dem Trinken aufzuhören“, so der Experte.

Rückmeldung über Stärken

An das Prinzip der gegenseitigen Hilfe halten sich die Anonymen Alkoholiker seit ihrer Gründung vor 75 Jahren. Der Austausch erfolgt in regelmäßigen Meetings sowie außerhalb im informellen Kontakt der Mitglieder. „Man redet dabei über sich selbst, hört von anderen, wie sie im Alltag Probleme meistern, erhält jedoch auch Rückmeldung über eigene Stärken“, so Pelstring.

Die Methode kommt ganz ohne den erhobenen Zeigefinger aus und belässt jedem die Freiheit im Handeln. „In kritischen Situationen gibt das Kraft und den Mut, die Flasche stehen zu lassen, was bei einer Rückfallkrankheit wie Alkoholismus wichtig ist.“

Pagano, M. E. et al.: Alcoholics Anonymous-Related Helping and the Helper Therapy Principle. In: Alcoholism Treatment Quarterly 2011; 29(1): 23–34; doi: 10.1080/ 07347324.2011.538320

 

www.anonyme-alkoholiker.at

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