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Mit Qi Gong oder Gedächtnistraining werden die Mitglieder unterstützt.
Kurt Dornheim Präsident der Gesellschaft Nierentransplantierter und Dialysepatienten – Wien, Niederösterreich und Burgenland
 
Urologie 17. August 2010

Alt, aber höchst aktiv

Rat und Hilfe für Betroffene bietet die Gesellschaft Nierentransplantierter und Dialysepatienten.

Eine der ältesten Selbsthilfegruppen in Österreich ist die „Gesellschaft Nierentransplantierter und Dialysepatienten – Wien, Niederösterreich und Burgenland“, kurz GND-WNB. Im Juli 1972 wurde sie von Betroffenen gegründet, die auch um jene Lösung kämpften, mit der sich Österreich von vielen anderen Ländern unterscheidet: die „Widerspruchsregelung“: Die Organspende ist demnach grundsätzlich erlaubt, es sei denn, es liegt ein Einspruch von Seiten des Spenders vor.

 

Die Einführung der Widerspruchsregelung erhöhte naturgemäß die Zahl der zur Verfügung stehenden Organe enorm gegenüber jenen gesetzlichen Regelungen, nach denen der Organspender ausdrücklich sein Einverständnis zu der Organentnahme gegeben haben muss.

Kein Kaffeekränzchen

Heute hat die Gruppe mit Kurt Dornheim wiederum einen streitbaren und durchsetzungsfähigen Präsidenten, der sich auch in der Öffentlichkeit kein Blatt vor den Mund nimmt, und der von einigen höchst aktiven Vorstandsmitgliedern unterstützt wird. Gekämpft wird dabei unter anderem um die offizielle Anerkennung der Selbsthilfe in Österreich generell. „Die BRD ist uns diesbezüglich um etwa 30 Jahre voraus“, erklärt Dornheim. „Hierzulande werden Selbsthilfegruppen oft immer noch als Kaffeekränzchen betrachtet, aber wir sind ernst zu nehmende Partner im Gesundheitswesen.“ So werden in Deutschland jedes Jahr von jedem Versicherten 57 Cent zur Förderung der Selbsthilfegruppen eingehoben. Nicht viel, und die Verteilung dieser Gelder wird naturgemäß immer wieder kritisiert, aber „es geht um die Anerkennung“, so Dornheim.

Befinden statt Befunde

Auch von den Ärzten wünschen sich die Mitglieder der Selbsthilfegruppe, dass diese ihre Arbeit ernst nehmen. „Die Ärzte profitieren ja auch in ihrer eigenen Arbeit davon, wenn die Patienten zu uns kommen“, erklärt Elisabeth Kahnert, Schriftführerin des Vereins. „Nicht nur sind die Patienten informierter, sie werden auch oft aus der Depression gerissen.“

Die medizinische Betreuung in den nephrologischen Zentren wird als sehr gut beurteilt. Die psychosoziale Seite wird aber von den Ärzten aus zeitlichen Gründen gern vernachlässigt „Wir interessieren uns mehr für das Befinden als für die Befunde“, erklärt Dornheim den Unterschied.

Ein großes Problem ist nämlich, dass sich Dialysepatienten daheim vergraben und ihre sozialen Kontakte vernachlässigen. Ärzte sollten daher die Patienten auf die Selbsthilfegruppen aufmerksam machen, damit diese im Gespräch mit anderen Menschen mit ähnlichen Problemen sehen, was trotz der Einschränkungen einer schweren Nierenerkrankung alles möglich ist, um aus ihrer Isolation herauszukommen.

Schulung „neuer“ Patienten

Auch lasse die Schulung der „neuen“ Nierenpatienten durch die Medizin manchmal zu wünschen übrig. Das ist wiederum ein Feld, in dem die Selbsthilfegruppen den Ärzten viel Arbeit abnehmen können. So zeigen der Koch Peter Kern und die Diätologin Heidrun Tauschitz in Kursen der GND-WNB, wie man trotz aller durch die Ernährungswissenschaft diktierten Einschränkungen schmackhaft kochen kann. Qi Gong und Gedächtnistraining werden ebenso angeboten wie praktische Beratung zu Förderungen und Unterstützungen, etwa durch die Krankenkassen, aber auch Vorträge über Medikamentenkunde, Transplantationsmanagement und andere medizinische Themen. Auch wird etwa ein Urlaub für Peritonealdialysepatienten organisiert.

Spenden absetzbar

Und wie wird dieses große Angebot finanziert? Wie bei fast allen SHGs durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Förderungen der öffentlichen Hand. Die Pharmaindustrie ist dabei, spielt zwar eine bedeutende, aber keine allzu große Rolle. „Kein Wunder“, meint Elisabeth Kahnert, „werden doch alle Selbsthilfegruppen bei diesen Unternehmen vorstellig.“

„Bei uns kommen viele Spenden aus der IT-Branche“, erklärt Dornheim, „ganz einfach, weil ich dort sehr gute Kontakte habe.“ Bis kurz vor der Übernahme des Präsidentenamtes der GND-WNB war Dornheim nämlich Generalsekretär des Verbands der österreichischen Softwareindustrie. Hilfreich ist dabei, dass die GND-WNB zu den Organisationen gehört, die nach dem neuen Gesetz zum „Begünstigten Empfängerkreis“ zählen. Spenden an sie sind daher steuerlich absetzbar. „Das war ein bürokratischer Hürdenlauf, bis wir den Bescheid bekamen, aber wir haben es geschafft“, erzählt Dornheim.

Information und Kontakt
Gesellschaft Nierentransplantierter und Dialysepatienten – Wien, Niederösterreich und Burgenland (GND-WNB)

Mitgliederzahl: rund 200
Besteht seit: Juli 1972
Veranstaltungen: Das nächste Gruppentreffen findet am 26. August 2010 um 18 Uhr im Restaurant „Zum Hagenthaler“ (Wallgasse 32, 1060 Wien) statt.
Termine anderer Aktivitäten wie etwa der Koch-, Qi Gong- oder Gedächtnistrainingskurse erfahren Sie auf der Website oder unter der angegebenen Telefonnummer.

Kontakt:
Hackhofergasse 8, 1190 Wien (Bürozeiten: jeden 1. Montag im Monat, 14-17 Uhr)
Telefon: 0676/778 46 10
E-Mail:

www.gnd-wnb.at
Zur Serie
In loser Serie stellt die Ärzte Woche Selbsthilfegruppen in Österreich vor. Informationen über die Selbsthilfegruppen in den einzelnen Bundesländern sind bei den jeweiligen Dachverbänden erhältlich. Eine Liste dieser Dachverbände findet sich auf der Seite der Selbsthilfe Österreich www.selbsthilfe-österreich.at unter „Die ARGE“: „Unsere Mitglieder“.

1 http://www.selbsthilfe-oesterreich.at/files/Artikel-Wuerzburg.pdf

Von Livia Rohrmoser, Ärzte Woche 29 /2010

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