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© Jarosinski & Vaugoin
Feinstes Tafelsilber für den festlich gedeckten Tisch
© Jarosinski & Vaugoin

Musterbuch mit Modellskizzen für Silbergerät.

© Jarosinski & Vaugoin

Tafelaufsatz von Jarosinski & Vaugoin in Silber in Form des Providentiabrunnens, auch: Donnerbrunnen, am Neuen Markt in Wien.

© Seitner

Ein Wechselspiel von Form und Struktur: Armschmuck von Manfred Seitner, naturfarbener Achat und Edelstahl

© Rozet & Fischmeister

Zeitgemäß exklusiver Schmuck aus dem Hause Rozet & Fischmeister: Rodulithohrringe in 18Kt Weißgold mit Diamanten, Entwurf Franz Fischmeister

 
Leben 12. April 2016

Ein reiches Erbe

Das Goldschmiede-Handwerk hat lange Tradition. Nun gilt es das 650-jährige Jubiläum dieses traditionsreichen Kunsthandwerks gebührend zu begehen.

Seit 650 Jahren gehören die Gold- und Silberschmiede – zunächst in Wien – einer Zunft mit verbrieften Rechten und Pflichten an. Das Jubiläum wird das ganze Jahr hindurch bis 2017 mit einer Vielzahl an Veranstaltungen gefeiert.

Begehrt ist das Edelmetall seit jeher: Hochwertigen, repräsentativen Schmuck aus Gold zu fertigen, zählt darum zu den ältesten kunsthandwerklichen Fertigkeiten. Sich damit zu schmücken, blieb jenen vorbehalten, die ihren gesellschaftlichen Status dadurch zur Schau stellten. Aber nicht nur als Material zur Schmuckherstellung wurden Gold und Silber verwendet. Weltliches Tafelsilber und liturgisches Gerät wurde ebenso aus diesen Edelmetallen erzeugt. Die Arbeitstechniken wurden vom Goldschmiedemeister weitergegeben und so konnten über Jahrhunderte Lehrlinge und Gesellen in der Gold- und Silberschmiedekunst unterwiesen werden. Im historischen Lexikon Wiens von Felix Czeike ist bereits im 12. und 13. Jahrhundert ein Meister namentlich erwähnt, auch andere Goldschmiede sind dem Namen nach bekannt. Sie waren wohl, wie auch manche ihrer Nachfahren, in der Goldschmiedgasse im 1. Wiener Bezirk ansässig.

Die Goldschmiede gründen eine Innung

Das Jubiläum bezieht sich auf den ersten schriftlichen Beleg vom 13. Oktober 1366. Damals verliehen Albrecht III. und Leopold III. den Goldschmieden die Handwerksordnung. Diese ging zwar während des 30jährigen Kriegs verloren, ihr Text blieb als Eintragung ins „Eisenbuch“, dem Wiener Stadtrechtsbuch als „brieff der goldsmid“, welcher 1775 letztmals erneuert wurde, erhalten. Warum die Goldschmiede zudem über das Jahr 2016 hinweg ihr Jubiläum bis 2017 feiern, ergibt sich durch ein weiteres Datum: Aus dem Jahr 1367 stammen die Zechordnung der Goldschmiede und auch das Handwerkssiegel, welches das Bildnis des Schutzpatrons, des Hl. Eligius, trägt.

Gearbeitet wurde oftmals in 20Kt Gold, erst 1666 wurde durch eine Änderung der Handwerksordnung zunächst die Verwendung von Gold mit 18Kt und später auch 14Kt gestattet. Aus dem 14. Jahrhundert stammt auch die erste Probepunze, die zusammen mit der Meisterpunze auf den Hersteller sowie den Herstellungsort und den präzisen Feingehalt verweist. Beschauzeichen, wie etwa die Meisterpunze, wurden allerdings erst ab dem frühen 16. Jahrhundert üblich.

Welche Meisterschaft bei der Herstellung von prunkvollem Gerät herrschte, lässt sich anhand des Bestandes der kaiserlichen Schatzkammer und der exquisiten Objekte im Bestand der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums in Wien ermessen. Nicht alle Gold- und Silberschmiede waren oder blieben in Wien ansässig, Meister aus Deutschland oder Italien trugen erheblich dazu bei, auch heimische Erzeugnisse zu beeinflussen.

Die Blüte der Goldschmiedekunst

Im 18. Jahrhundert war Johann Känischbauer kaiserlicher Hofschmied, gefolgt von Joseph Moser, 1770 wurde auch bereits das heute noch bestehende Gold- und Silberschmiedeunternehmen Rozet & Fischmeister, später auch Kammerjuwelier, gegründet. Im frühen 19. Jahrhundert gelangte die Handwerkskunst der Gold- und Silberschmiede in der Residenzstadt Wien zu höchster Blüte: Die von Jakob Heinrich Köchert begründete Goldschmiededynastie, vormals Pioté und Köchert, firmierte alsbald als Kaiserlich Königlicher Hofjuwelier. Das seit 1814 bestehende Haus Köchert gilt zudem als Erfinder der Sisi-Sterne, welche von der Kaiserin als Haarschmuck getragen wurden.

Andere, wie das von Carl Klinkosch gegründete und von seinem Sohn Josef Carl fortgeführte Unternehmen Mayrhofer & Klinkosch, zählten mit Silbergerät ebenso wie das heute noch bestehende Unternehmen Jarosinski & Vaugouin zu den Meistern ihres Fachs. Zu nennen ist auch Ernst Paltscho (1858-1929), dessen Entwürfe von den Mitgliedern der österreichischen Aristokratie sehr geschätzt wurden. Nach 1918 führte sein Sohn Erwin Paltscho die Geschäfte erfolgreich fort und schuf einige beeindruckende Schmuckstücke. Andere namhafte Unternehmen wie Siess & Söhne oder auch Hügler – beide bestehen heute nicht mehr – schufen erlesene Kreationen, wie heute nur noch anhand ihrer erhalten gebliebenen Musterbücher ersichtlich ist.

Die Gewerbeproduktenausstellung 1835 bedeutete für die Goldschmiede einen ersten Aufschwung, der zweite folgte im Zuge der Weltausstellung 1873. Feuervergoldete Silberarbeiten (Vermeil) und halbindustriell gefertigte Produkte machten dabei einen bereits größeren Anteil aus. Nicht nur Schmuck wurde erzeugt: Silberne Zigarettenetuis und kunstvoll gestaltete Schirm- oder Stockgriffe gehörten ebenso in das Portfolio eines Goldschmiedes. Die Secession und die Wiener Werkstätte führten zu einer neuen Formensprache im Schmuck. Hier war vor allem Dagobert Peche mit seinen Entwürfen führend.

Platin und Weißgold wurden ab den 1920er Jahren mehr und mehr zu sehr geschätzten Edelmetallen für die Schmuckherstellung. Neben den Traditionsunternehmen, die zudem zeitgemäße Entwürfe präsentieren, wie Heldwein und Wagner in Wien, zählen auch die Gold-und Silberschmiede Anton und Paul Koppenwallner in Salzburg zu jenen, die, zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet, selbst schwierige Zeiten unbeschadet überdauert haben.

Heutzutage gibt es eine ganze Reihe von namhaften renommierten Goldschmieden, die das Schild ihrer Zunft hochhalten: Da wären etwa speziell Gerhard Lährm in Salzburg, Hans und Herbert Schullin in Graz und Wien, Alfred und Manfred Seitner, Alexander Skrein oder auch Christian Tesarik zu nennen, die mit ihren Entwürfen und Ausführungen das Goldschmiedehandwerk nachhaltig und auf höchstem Niveau geprägt haben. Die Bundes- und Landesinnung der Kunsthandwerke, zu der die Gold- und Silberschmiede heute zählen, ist sehr rege: Immerhin gibt es in Österreich derzeit 590 tätige Goldschmiede und Goldschmiedinnen, die zusammen mit dem Forum Goldschmiede als ausbildendes Kompetenzzentrum in Wien dazu beitragen, dass dieses kunstvolle Handwerk für die Zukunft erhalten bleibt.

www.facebook.com/650JahreGoldundSilberschmiede/

Thomas Kahler, Ärzte Woche 15/2016

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