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© Wien Museum/K. Kriwanek
Prachtvolle Inszenierung: Erinnerung an Venedig in Wien, 1890
© (2) Wien Museum

„Versammlung der schönen Welt bey den Kaffee-Häusern in der grossen Parter Allee“, 1795

Der Wurstelprater als Ort vielfältiger Vergnügungen: Schlangenbeschwörer vor einer Praterbude, 1894

 
Leben 15. März 2016

Ab in den Prater!

Er ist Naherholungsgebiet und ein Ort sportlicher Betätigung. Aber erst vor 250 Jahren wurde das einstige kaiserliche Jagdgebiet auf Weisung Kaiser Josef II. für die Allgemeinheit geöffnet.

Ursprünglich war der Wiener Prater Jagdgebiet von Kaiser Maximilian II. und der Aufenthalt dort nur Adeligen vorbehalten. Seit 1766 ist der großflächige Grünraum für die Öffentlichkeit zugänglich und feiert heuer sein 250-jähriges Jubiläum mit einer Ausstellung im Wien Museum und mehreren Veranstaltungen.

Der Wiener Prater hat viele Facetten. Eine Überlieferung leitet den Namen vom lateinischen Ausdruck „pratum“ für Wiese her, der Prater selbst war ursprünglich Auwald und kaiserliches Jagdgebiet, das den höfischen Jagdgesellschaften vorbehalten blieb. Nach der Öffnung für die Allgemeinheit im 18. Jahrhundert gab es bereits einen Wettbewerb mit sportlichem Charakter: Um in die Zunft der Laufer aufgenommen zu werden, musste die Strecke von der Mariahilferlinie bis in den Prater in weniger als einer Stunde und zwölf Minuten absolviert werden.

Am 20. April 1795, so berichtet Bartel S. Sinnhuber in seinem lesenswerten Buch „Unterm Riesenrad – Geschichten aus dem alten Prater“, nahm das „Laufer“-Rennen einen tragischen Ausgang: Der Laufer der Gräfin Pálffy brach, obschon er gesiegt hatte, im Ziel tot zusammen. Bis 1848 wurde dieses Rennen abgehalten, das Laufen hat somit im Prater Tradition.

Getrabt und galoppiert wurde im Prater ebenso. In der Krieau und der Freudenau kamen und kommen die Freunde des Pferderennens auf ihre Kosten. Und auch Polo wurde im Prater gespielt: Der 1910 gegründete Polo-Klub Wien bildete noch 1930 das Polo-Zentrum Mitteleuropas. Dort wurde auch das internationale Polo-Turnier auf dem Platz der Freudenau abgehalten. Die Weltwirtschaftskrise setzte dem ein Ende, nach 1938 wurde der Polo-Sport wegen seines angeblich dekadenten englischen Einflusses verboten.

Der Prater hat viele Facetten

Der Wiener Prater war in den vergangenen 250 Jahren Bühne für vielerlei und ist dies noch heute: Das Gelände besteht aus Auen- und englischer Parklandschaft, bietet Platz für Gastronomie und Jahrmarktattraktionen und ist die „grüne Lunge“ der Stadt; ein Ort, um sich sportlich zu betätigen, zum Spazieren oder Verweilen. Seit dem Biedermeier gehört der Praterausflug für alle Gesellschaftsschichten – ob mit dem Zeiserlwagen oder im eleganten Phaeton – zum festen Programm. Wer fährt und flaniert, der will auch verköstigt werden: Darum entstanden im Prater nächst der Hauptallee alsbald Wirts- und Kaffeehäuser.

Bis 1914 wurde der Beginn des Frühlings mit einem prachtvollen Blumencorso gebührend gefeiert: Kutschen mit üppigem festlichem Blumenschmuck fuhren auf der Prater Hauptallee, die bereits seit dem 16. Jahrhundert durch den Prater führt, zum Lusthaus. Dieses ehemalige Jagdhaus war mehrmals Mittelpunkt großer Feierlichkeiten und wurde nach seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, durch Bombentreffer infolge von Notabwürfen, im ursprünglichen Stil wieder aufgebaut. Mancher Gastronomiebetrieb wurde zur Legende: „Zum Walfisch“, der auf eine Gastwirtschaft aus dem Jahr 1782 zurückgeht, oder ins „Schweizerhaus“, dessen Namensgebung sich wohl auf die „Schweizer Meierei“ von 1868 bezieht, geht man heute noch gerne. Ein Blumenkorso wird auch einen der Höhepunkte im Rahmen der 250-Jahr-Feiern am 9. April bilden.

Der Prater und seine Attraktionen

Im 18. und 19. Jahrhundert wurde der Grundstein für den späteren Wurstelprater mit seinen unterschiedlichen Attraktionen gelegt. In den Gasthäusern musizierte und tanzte man, Schausteller präsentierten Kurioses aus aller Welt. Felix Salten hat den Wurstelprater in seinem gleichnamigen Buch als Bühne der Ausrufer, der Schausteller, Volkssänger und Strizzis festgehalten. Für Kinder war das Ringelspiel die größte Freude, für manch erwachsenen Besucher kam die Ernüchterung, wenn er von einem der zahlreichen „Taschlzieher“ bestohlen wurde.

Nicht alle konnten sich den Besuch der Attraktionen leisten: „Hier steht vor Lattenzäunen eine begierige, anspruchslose Zuschauermenge. Schuljungen, Lehrbuben, Schulmädeln, allerlei Halbwuchs, unbemerkt und müßiggängerisch. Freilich: zahlen kann dieses Publikum nicht.(...) Aber Verehrung bringt es mit, Respekt und Eifer“, so Felix Salten. Der Prater war immer ein Ort, um die Schaulust zu befriedigen und dort ein wenig Abwechslung und Zeitvertreib zu finden.

Im frühen 19. Jahrhundert begeisterte die Feuerwerkerdynastie Stuwer die Wiener und Wienerinnen mit atemberaubenden Feuerwerken auf der „Feuerwerkswiese“. Später nahm die Wiener Weltausstellung einen großen Bereich des stadtnahen Areals in Anspruch. Von der Weltausstellung 1873, die ein Millionenpublikum nach Wien brachte, blieb die Rotunde als zentrales Ausstellungsgebäude zunächst erhalten, fiel aber 1937 einem Großbrand zum Opfer.

Eine weitere, heute fast vergessene Attraktion, nämlich „Venedig in Wien“, befand sich ebenso auf dem Areal. Sie kam auf Initiative des Praterunternehmers Gabor Steiner zustande und brachte 1895 den Wienern und Wienerinnen den Reiz der Lagunenstadt auf einer Fläche von 50.000 Quadratmetern nahe.

Auch das weithin sichtbare Riesenrad aus dem Jahr 1897, inzwischen längst Wiener Wahrzeichen, steht in direktem Zusammenhang mit Steiner. Errichtet wurde es durch die Firma des englischen Ingenieurs Walter Basset Basset zur Feier des 50. Thronjubiläums Kaiser Franz Josephs.

Das später im Besitz von Gabor Steiner befindliche Riesenrad wurde im Dritten Reich arisiert. Seit dem Zweiten Weltkrieg, in dem auch der Wurstelprater schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde, besitzt es nur mehr die Hälfte seiner Gondeln.

Im Wurstelprater gibt es mittlerweile Fahrgeschäfte, die sich schneller drehen und mit denen man weitaus höher über die Stadt hinaus kommt. Das kann eine Fahrt mit dem Riesenrad jedoch nicht ersetzen: Nur damit ist es überhaupt möglich, den Blick über die Weite des Praters schweifen zu lassen, um ihn als das zu erleben, was er ist: ein Wiener Wunder.

Ausstellung: „In den Prater!“ Wiener Vergnügungen seit 1766

Wien Museum Karlsplatz, 1040 Wien, Karlsplatz 8

Ausstellung bis 21. August 2016

www.wienmuseum.at; www.prater.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 11/2016

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