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Früh erzeugte Bildlampe, die von der späteren Firmalampe mit Herkunftsbezeichnung abgelöst wurde.
© Wien Museum/Birgit und Peter Kainz

Variantenreiche Lichtspender: Mit Talg oder Olivenöl betriebene Öllampen, die im Zuge von Ausgrabungen gefunden wurden.

© Wien Museum/Hertha Hurnaus

Viel Wissenswertes über das Alltagsleben im Legionslager Vindobona: Ausstellungsansicht des Römermuseums.

© (2) Wien Museum/Christine Ranseder

Weit gereist: Fragment einer zweidochtigen afrikanischen Öllampe.

 
Leben 23. Dezember 2015

Im Zwielicht der Öl-Lampe

Das römische Vindobona bildete die Keimzelle Wiens. Im Römermuseum am Hohen Markt erfährt man allerlei über römische Alltagskultur. Eine Sonderausstellung rückt die Lampen ins Licht.

Bis 2008 waren die 1948 bei Ausgrabungen entdeckten Reste der Tribunenhäuser des Legionslagers nur erschwert zugänglich. Diese bilden nun den Kern des neu gestalteten Museums; das Alltagsleben im römischen Legionslager ist dort seither umfassend informativ aufbereitet. Derzeit ist auch eine kleine Sonderschau zum Thema „Licht in Vindobona“ zu sehen.

Einst war Carnuntum, unweit des heutigen Hainburg gelegen, das weit bedeutendere städtische Zentrum, in dem sich vom Ende des 1. Jh bis Anfang des 5. Jh. das römische Leben weitab von Rom abspielte. Das Legionslager Vindobona wurde im 1. Jh. n. Chr. gegründet und befand sich an der Stelle des heutigen ersten Bezirks. Zur Donau hin wurde der schematisch rechteckige Grundriss in etwa vom heutigen Schwedenplatz und dem Graben begrenzt. Das Lager diente einer Legion mit einer Truppenstärke von ca. 6.000 Mann als Stützpunkt. Neben dem militärischen Zweck erfüllte es aber auch Verwaltungsaufgaben im grenznahen Gebiet und prägte so das Leben in der römischen Randprovinz. Auf Komfort musste nicht verzichtet werden, obwohl das Leben der Legionäre durchaus karg war. Entlang der Nordseite der via principalis dextra, einer der vier Hauptverbindungsstraßen, standen sechs Tribunenhäuser. Architektonisch aufwendig gestaltet und entsprechend komfortabel ausgestattet, dienten sie mit ihren großen Innenhöfen den Offizieren der Legion während ihrer Dienstzeit als Aufenthaltsort.

Leben in der römischen Provinz

Bei der Anlage des Legionslagers spielten strategische Überlegungen eine erhebliche Rolle: Der Ort war so gewählt, dass einerseits der Ottakringer Bach als natürliche Barriere genutzt werden konnte und andererseits die zur Donau liegende Flanke durch den Fluss geschützt wurde. Beides war grundsätzlich zwar vorteilhaft, schloss aber die Gefahr von Überschwemmungen nicht aus.

Das Legionslager war weit mehr als nur ein Stützpunkt für die dort befindlichen Legionäre. Es war zugleich Handelszentrum, das eine wichtige Lebensgrundlage für die Handwerker, Bauern und Händler bot, die ringsum in der Lagervorstadt und in der im dritten Bezirk liegenden Zivilstadt angesiedelt waren. Schließlich wollte man etwa auf Olivenöl und die unentbehrliche Speisewürze Garum aus vergorenem Fisch auch in Vindobona nicht verzichten.

Die Familien der Militärangehörigen lebten ebenso in jenem Außenbezirk, der das Lager umschloss. Das Legionslager war durch seine Architektur städtisch geprägt, es verfügte über etwa neun Meter breite gepflasterte Straßenzüge sowie überdachte Gänge vor den teils zweistöckigen gemauerten Gebäuden, in denen sich Handwerksbetriebe, Geschäfte Schenken und Bordelle befanden. Eine effiziente Wasserversorgung, ein ebensolches Abwassersystem gehörten, wie auch eine Thermenanlage, zur wesentlichen Infrastruktur.

Der Zutritt zum Lager erfolgte durch die vier turmbewehrten Lagertore von denen aus die vier Hauptstraßen ins Umland führten. Kasernenbauten prägten mit den Unterkünften der Legionäre, Stallungen, Waffenkammern und Werkstätten sowie einem Hospital den Charakter von Vindobona. In Friedenszeiten wurden die Legionäre statt für militärische für handwerkliche und administrative Aufgaben herangezogen. Viele Rückschlüsse über das alltägliche Leben in Vindobona gehen aus den archäologischen Funden hervor. Durch die Ausgrabungen in Carnuntum, Pompej und Herculaneum ergibt sich zudem ein für viele Lebensbereiche sehr anschauliches Bild römischen Lebens und seiner Alltagskultur.

Licht für Vindobona

Zu dem sich entwickelnden provinzial römisch geprägten Leben in Vindobona gehörte eine ausgeprägte Infrastruktur. Handel war dabei ein wesentlicher Faktor an dem sich – wie Funde belegen – ermessen lässt, wie weit die Versorgung über Fernhandelsrouten in römischer Zeit reichte. Olivenöl etwa war zur Zubereitung von Speisen unerlässlich, weit wichtiger aber war es als Brennmaterial. Die zahlreichen Öllämpchen, die als „Bildlampen“ Motive auf der Oberseite trugen, wurden von den „Firma-lampen“ mit Herstellerstempel auf der Unterseite abgelöst.

Die Mehrzahl dieser Lampen kam wohl aus dem oberitalienischen Raum nach Vindobona. Einige der Fundstücke sind sogar afrikanischen Ursprungs. Oft wurden solche Lampen im öffentlichen und im privaten Bereich kostengünstig auch mit Talg gespeist. Das von weit her in tönernen Amphoren nach dem nördlichen Vindobona gebrachte Olivenöl war vergleichsweise teuer. Wachs zur Kerzenherstellung gab es jedoch bestenfalls in geringen Mengen, niedere Talg- aber auch Pechkerzen waren etwa ab 200 n. Chr. verbreitet. Es gab wohl auch in Vindobona den „Laternenträger“ (lat. „Lanternaius“) der nachts zur Begleitung mitgeschickt wurde und für die sorgsame Pflege der Lichtquellen im Haus zuständig war. Die Lichtausbeute der zur Verfügung stehenden Öllampen war jedoch gering, darum musste während der lichtarmen Monate des Jahres die Arbeit im Haus und den Werkstätten überwiegend bei Tageslicht verrichtet werden. Eine Situation, wie sie auch heute noch in den armen Regionen weltweit zu finden ist.

In den Küchen dienten oftmals Kienspäne in speziellen Haltern als Lichtquellen; von diesen offenen Flammen ging jedoch immer eine große Brandgefahr aus. Im öffentlichen Raum spendeten Laternen oder mit Harz sowie Erdpech getränkte Fackeln Licht. Fackeln erfüllten jedoch nicht nur diesen Zweck, sie waren auch für kultische Handlungen unerlässlich. Nach Anbruch der Nacht war es innerhalb des Legionärslagers trotz der dort relativen Sicherheit nicht unbedingt angenehm, unterwegs zu sein. Es ist daher verständlich, dass man in den dunklen Herbst- und Wintermonaten die Zeit herbei sehnte, in der die Sonne wieder mehr Kraft hatte und die Tage länger und lichtreicher wurden.

Licht für Vindobona, Römermuseum, Hoher Markt 3, 1010 Wien

Ausstellung läuft bis 3. April 2016; 1. Sonntag im Monat Eintritt frei

www.wienmuseum.at

Thomas Kahler, Ärzte Woche 48/2015

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