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© Pro Litteris Zürich/Cartier
Friedensbotschaft an die Welt: Skizze von Jean-Charles de Castelbajac

Ganz in Brillant-Pavé ausgefasst ist die Tank Anglaise eine beeindruckende Erscheinung

© N. Welsh, Collection Cartier/Cartier

Das Ur-Modell der Tank aus dem Hause Cartier: Tank Louis Cartier, 1925

© (3) Cartier

Auf den richtigen Dreh kommt es an: Tank Basculante, 1936.

Tank Française in Stahl und Medium-Größe: 11 Brillanten mit insgesamt 0,04ct markieren die Indexe.

 
Leben 5. Oktober 2015

Uhren-Ikone

Sie gilt mittlerweile als die Damenuhr schlechthin: Die „Tank“ aus dem Hause Cartier ist mehr als nur ein Klassiker. Kaum eine andere Uhr kann auf eine solch lange und illustre Geschichte zurückblicken.

Zufälle bestimmen mitunter das Leben: Solch einem Umstand hat das Erfolgsmodell „Tank“ aus dem Hause Cartier seine Entstehung zu verdanken. Mittlerweile gibt es davon die unterschiedlichsten Modell-Varianten.

Die Begeisterung von Louis Cartier für technische Errungenschaften steht am Anfang der „Tank“-Geschichte. Das Modell Santos, das er 1904 für seinen Fliegerfreund Alberto Santos Dumont entworfen hatte, war bereits eine Armbanduhr, die den Vorstellungen des Flugpioniers voll und ganz entsprach. Denn eine Taschenuhr war in der frühen Phase der Luftfahrt zu unhandlich, nur schwer ablesbar und somit unpraktisch. Dennoch war die Santos für den alltäglichen Gebrauch am Handgelenk nur bedingt brauchbar, das Gehäuse einer vergleichbaren Armbanduhr musste kleiner werden, um sie eleganter und auch komfortabler gestalten zu können.

Die Entstehung der Tank

Der Blick von oben auf einen der ersten Renault Panzer, die während des Ersten Weltkrieges im Jahr 1917 eingesetzt wurden, sorgte bei Louis Cartier schließlich für die zündende Inspiration, der die Tank ihren Ursprung verdankt. Ihr zeitgemäß schlichtes Äußeres wirkte modern und setzte so Maßstäbe. Von Anfang an bestimmten römische Ziffern das Zifferblatt und wurden seither überwiegend beibehalten. Zunächst galt die Tank für den modernen Mann mit exquisitem Geschmack als ideale Begleiterin. Denn ursprünglich hatte man bei Cartier nicht daran gedacht sie als Damenuhr zu kreieren. Dies aus triftigem Grund: Es gab schlichtweg dafür keinen Markt. Frauen, die Uhren trugen, waren in den 1920er- und 1930er-Jahren noch in der Minderheit. Taschenuhren galten als rein männliches Statussymbol. Die Damen bevorzugten zunächst kleinformatige Schmuckuhren. So begann die Tank ihre Karriere als Herrenuhr. Erst nach und nach – und das relativ spät – avancierte sie zu einer wahren Ikone in der Welt der Damenuhren.

Als Herrenuhren ließen sich die kleinformatigen, rechteckigen Modelle wie etwa die Tank Louis Cartier (1922) sowie die Tank basculante (1932) mit der Herren-Mode der Zeit bestens kombinieren. Bei der Tank basculante lässt sich mittels eines patentierten Verfahrens ihr Gehäuse – wie der Name schon verrät – wenden. Die wendbare Reverso aus dem Hause Jaeger-LeCoultre in ebenfalls rechteckigem Format war eine ernst zu nehmende Rivalin. Das Format beider Uhren blieb über Jahrzehnte übrigens nahezu unverändert: Herrenuhren hatten generell einen Durchmesser von etwa 37 mm. Leicht, elegant, chic und diskret – diese Eigenschaften prägten die Tank. Andere Uhrenhersteller zogen bald nach: Jaeger-LeCoultre brachte die bereits erwähnte und nicht minder revolutionäre Reverso Anfang der 1930er-Jahre auf den Markt, Rolex konterte mit der rechteckigen Prince.

Dezente Form

Der Ruf von Cartier als eines der führenden Schmuck- und Uhrenunternehmen weltweit förderte den Bekanntheitsgrad der Tank. Sie verkörperte dezenten Luxus und einen eleganten Lebensstil, folglich fand sie schon bald ihren Platz an prominenten Handgelenken. Zu frühen Filmehren kam sie mit Rudolpho Valentino im Film „The Son oft the Sheik“ aus dem Jahre 1926. Auch Tanzgenie Fred Astaire und Hollywood-Star Gary Cooper schätzten die eleganten Modelle.Bereits in den 1920er-Jahren war Cartier mit Jaeger-LeCoultre eine Partnerschaft eingegangen, welche die Lieferung hochwertiger Werke sicherte. Mit der Tank à Guichets mit springender Stunde (1928) demonstrierte man nun in dezenter Aufmachung auch uhrmacherische Expertise. Die Tank Asymétrique aus dem Jahr 1936 steht stellvertretend für die stilistische und avantgardistische Extravaganz dieser Jahre. Nach und nach avancierte die Tank zum Klassiker des Hauses Cartier. Während des Zweiten Weltkrieges wurden schließlich großformatige Uhren für den militärischen Einsatz gebaut und später auch vermehrt in der Zivilluftfahrt eingesetzt. Die Tank indes blieb das, was sie war: eine elegante Herrenuhr im Stil des Art-Deco, aber durch ihre Schlichtheit dennoch zeitlos.

Auf dem Weg zur Ikone

Dass sich die Tank nach und nach als ideale Begleiterin und damit als Damenuhr schlechthin entpuppte, hat sie Jacqueline Kennedy mit zu verdanken, denn diese sorgte in den 1960er-Jahren für ihr Revival in der Welt des Jet-Set. Auch Steve McQueen trug sie als smarter Gentleman-Gangster im Film „The Thomas Crown Affair“. Warum die Tank nicht den Weg an das Handgelenk von Sean Connery in der Rolle als James Bond gefunden hat, darüber lässt sich nur spekulieren.

Mitte der 1970er-Jahre litt Cartier – damals schon nicht mehr in Familienbesitz – genauso wie alle anderen hochwertigen, mechanischen Uhrenmarken unter der Quarzkrise. Doch ihre Fans hielten der Tank die Treue. 1980 wurde die Tank Américaine vorgestellt, und speziell ein Star, dessen Stern in den 1980er-Jahren alle anderen überstrahlte, sorgte dafür, dass die Tank nach etwa 60 Jahren ein fulminantes Revival erlebte. Madonna, bekennende Tank-Liebhaberin, verhalf diesem absoluten Klassiker zu anhaltender Popularität. Weitere Modell-Varianten folgten seither: Die 1996 vorgestellte Tank Française bildet zusammen mit der Tank Américaine und der Tank Anglaise ein nahezu unschlagbares Trio. Die Tank ist in ihrer klaren Gestaltung eine sehr elegante Erscheinung, ein Hauch Luxus, wie etwa Brillantbesatz auf der Lünette, steht ihr auch sehr gut. 1994 formulierte Jean-Charles de Castelbajac in einer IIlustration mit einer gezeichneten Tank samt Friedenssymbol auf dem Zifferblatt folgenden Satz: „Wenn alle Tanks von Cartier gefertigt worden wären, hätten wir Zeit in Frieden zu leben.“

www.cartier.com

Thomas Kahler, Ärzte Woche 41/2015

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