zur Navigation zum Inhalt
© (4) Hans-Peter Porsche TraumWerk
Mit 1 PS durch das Kinderzimmer: Lehmann Galopp.

Vom Blechspielzeug bis zum Teddy-Bären: Sammler und Museumsgründer Hans-Peter Porsche.

Die Welt im Kleinen: Faszinierendes Detail der 400 m² großen Modellbahnanlage.

Jugendträume: Batteriebetriebener Distler-Porsche samt Originalkarton.

 
Leben 23. August 2015

Spielzeug-Träume

Mit dem TraumWerk hat sich Hans-Peter Porsche einen lang gehegten Wunsch erfüllt. Seit dem 20. Juni kann man in Anger den im Laufe eines Sammlerlebens erworbenen Spielzeugraritäten ganz nahe kommen.

Ein Traum wird wahr: Die in jahrelanger Sammeltätigkeit erworbenen Raritäten aus Plüsch und Blech haben nun ein adäquates Zuhause im Berchtesgadener Land, nahe der Grenze zu Österreich, gefunden. Doch damit nicht genug, denn auch eine detailliert ausgeführte, großflächige Modellbahnanlage begeistert nun Besucher aller Altersgruppen.

Es ist wohl der Wunsch eines jeden passionierten Sammlers seine Leidenschaft mit anderen zu teilen. Nichts liegt folglich näher, als einen Ort dafür zu schaffen, um die besonderen Stücke einer größeren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Allerdings ist solch ein Unterfangen nicht leicht zu verwirklichen, schließlich kostet dies Energie und erfordert beträchtliche finanzielle Mittel. „Ich habe mir mit dem TraumWerk nicht nur den lang gehegten Wunsch erfüllt, meine Sammlung endlich unter einem Dach zusammen zu fassen. Nach jahrelanger Vorbereitung darf ich meine Passion mit allen Menschen teilen, die sich die Begeisterung für etwas ganz Besonderes erhalten haben und sich die Freiheit zugestehen, die Welt mit den Augen von Kindern zu betrachten“, so Hans-Peter Porsche, der Enkel des Autopioniers Ferdinand Porsche und frühere Produktionsvorstand von Porsche, über seine Beweggründe, dieses Projekt zu verwirklichen. „Unsere Besucher erleben bei uns nicht nur die verschiedensten Facetten von Spiel und Technik, sondern auch von Mobilität und Geschwindigkeit. Vom Tempo der Rennwagen aus der Porsche-Manufaktur über die Eisenbahn, die sich mit gleichmäßiger Geschwindigkeit ihren Weg durch eine der schönsten Kulturlandschaften Europas bahnt, bis hin zum konzen- trierten Spielen, bei dem Erwachsene und Kinder gleichermaßen die Zeit vergessen.“ Natürlich kann solch ein Projekt nur mit Unterstützung der damit befassten Gemeinden verwirklicht werden. In Anger hat man jedoch schon frühzeitig erkannt, welch hohe Attraktivität dieses Projekt besitzt und dass es Gäste aus dem Rupertiwinkel sowie aus Stadt und Land Salzburg anziehen wird.

Spielzeug-Legenden

Kein Wunder also, dass alles was Rang und Namen in der Welt des Spielzeugs hat, in dieser Sammlung vertreten ist. Neben den detailliert ausgeführten Blechschiffen aus dem Hause Märklin, das auch im Bereich der Eisenbahnmodelle in unterschiedlichen Spurgrößen über Jahrzehnte Maßstäbe gesetzt hat, gab es weitere legendäre Spielzeugfirmen, von denen einige in und um Nürnberg beheimatet waren. Deren Erzeugnisse waren tatsächlich weltweit erfolgreich: Bing, Bub, Carette, Tipp & Co gehören zu den frühen führenden Herstellern. Kellermann, Lehmann und Schuco schufen Modelle, die bis heute nicht nur das Herz von Sammlern beträchtlich höher schlagen lassen.

Feinmechanisch sind die oft maßstabsgetreuen Miniaturen exzellent ausgeführt, schließlich wusste man in den Nürnberger Spielzeugmanufakturen, was man der meist jungen Kundschaft schuldig ist. Diese Kinderträume finden sich nun als Exponate in der Ausstellung und das in unbespieltem also quasi neuwertigem Zustand. Sie erinnern aber auch an eine Zeitenwende, denn Mitte der 1960er Jahre war die große Zeit des feinen Blechspielzeugs made in Germany nahezu vorüber. Selbst solch ein großartiges Exemplar wie der schön ausgeführte Distler-Porsche, der auch für die meisten der jüngsten Porsche-Liebhaber unerreichbar blieb, konnte nicht darüber hinweg täuschen, dass eine Ära zu Ende ging. Das aufwendig lithographierte Spielzeug wurde vermehrt von Kunststoff-Spielzeug abgelöst.

Damit ist diese Sammlung auch ein Rückblick in längst vergangene Zeiten. Carrera, Gama, Schuco und Wiking konnten dieser Entwicklung trotzen, indem sie ihr Sortiment den veränderten Bedingungen anpassten. Vor einigen Jahren hat eine Renaissance im Bereich des Blechspielzeugs wie auch bei den legendären Steiff-Teddybären stattgefunden: Nun gibt es einige der über Jahrzehnte hinweg beliebten Modelle als limitierte Sonderauflagen.

Die Welt im Kleinen

Das Herzstück der Sammlung, die mit zahlreichen interessanten Exponaten aufwarten kann, ist jedoch die Modelleisenbahnanlage: Bis zu 40 Züge sind auf den Gleisen, die insgesamt eine Strecke von etwa drei Kilometern ergeben, gleichzeitig unterwegs. Insgesamt nimmt die Anlage eine Fläche von 400 Quadratmetern ein. Manche Züge haben dabei einen Höhenunterschied von bis zu vier Metern zu bewältigen. Der Wechsel von Tag und Nacht sowie unterschiedlicher Wetterverhältnisse wird mittels moderner Beamertechnik nahezu naturgetreu dargestellt.

Typische Regionen des Voralpenlandes wurden in über zwei Jahren von versierten Modellbauern, die an dieser Modelleisenbahn mit großer Liebe zum Detail gearbeitet haben, verwirklicht. Sie gilt nun als eine der größten und modernsten ihrer Art weltweit. Getreu nachgebildet wurde die Bodensee-Region mit dem Hafenbahnhof Friedrichshafen und der Promenade von Meersburg, der Bahnhof von Freilassing oder auch das Porsche-Werk in Stuttgart aus den 1960er Jahren.

Im österreichischen Teil begegnet man der legendären, von Carl Ritter v. Ghega verwirklichten Semmeringbahn, die mit ihren Viadukten und der landschaftlich eindrucksvollen Trassenführung zu einer wahren Meisterleistung auf dem Gebiet des frühen Eisenbahnbaus zählt. Die Arlbergbahn und die Tauernbahn wurden ebenso als weitere Strecken hier im Kleinen nachgebildet, wie das Konstruktionsbüro von Porsche in Gmünd detailgetreu wiedergegeben ist. Auf dem Schweizer Teil der Anlage hingegen wird es hochalpin: Da schlängeln sich die Eisenbahnzüge auf der Gotthardbahn und durch die beiden Biaschina-Kehrtunnel. Diese Ausstellung – soviel ist klar – bietet allen Altersgruppen etwas und ist speziell für Familien eine besondere Attraktion. Und da es tatsächlich dort immer wieder Neues zu entdecken gibt, ist es mit nur einem Besuch sicher nicht getan.

www.hanspeterporsche.com

Thomas Kahler, Ärzte Woche 29/34/2015

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben