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© Pelikan
Persönliche Note: Durch eine schwungvoll geführte Füllfeder erhält die Handschrift eine unverwechselbare Note.
© Faber-Castell

Graf von Faber-Castell Collection: Guilloche Ciselé mit Fischgrätmuster und in dunklen Anthrazittönen.

© Pelikan

Das Herzstück jeder Füllfeder: vor dem Einbau geprüfte Schreibfedern.

© Montblanc

Montblanc Masters for Meisterstück L’Aubrac Limited Edition

© Montblanc

Montblanc Masters for Meisterstück L’Aubrac Limited Edition

 
Praxis 21. November 2012

Mit Feder und Tinte

Wer zur Füllfeder greift, tut dies aus einem bestimmten Grund: ein Plädoyer für eine zeitgemäße Eleganz des Schreibens.

Die eigene Handschrift erhält durch eine schwungvoll geführte Füllfeder eine unverwechselbare Note. Manch bedeutender Hersteller hat seinen Beitrag dazu geleistet, dass Füllfederhalter ein Symbol gelebter und individueller Kultiviertheit wurden.

Im 19. Jahrhundert hatte man sich bei kaum einem anderen Gegenstand des täglichen Gebrauchs so sehr um technische Verbesserungen bemüht wie bei Federhaltern. Die bis dahin verwendeten Federkiele zerschlissen bei eifrigem Schreiben rasch, ihre Spitze war der mechanischen Beanspruchung auf Dauer nicht gewachsen. Die frühen Füllfederhalter sollten in erster Linie klaglos funktionieren, die Art der Ausführung war oft zweitrangig. Aber der gleichmäßige Fluss der Tinte, um zügiges und absatzfreies Schreiben ohne die gefürchteten Tintenkleckse zu ermöglichen, ließ sich lange Zeit technisch nicht verwirklichen. Auch Glasfedern waren nicht der Weisheit letzter Schluss.

Elastische Metallfedern

Eine erste deutliche Verbesserung erfolgte durch elastische Metallfedern. Zur Erhöhung der Haltbarkeit und um die Abnutzung so gering wie möglich zu halten, wurde an der Spitze der Federn ein Schreibkorn befestigt. Zunächst bestand dies aus Rubin, in der Folge wurde es von einem Iridium-Korn abgelöst. Ein gleichmäßiger Tintenfluss war damit jedoch noch nicht garantiert: So blieb ein Schreibgerät mit stetig selbstständig nachfließender Tinte lange Zeit ein unerfüllbarer Wunschtraum. Mit Druckknopf-Systemen, die Druck auf eine mit Tinte gefüllte Schweinsblase im Inneren des Federhalters ausübten, gelang es zunächst, den Tintenfluss halbwegs zu regulieren. Natürlich ließ auch dieses System zu wünschen übrig. Der Amerikaner Lewis E. Waterman fand schließlich durch die Nutzung der Schwerkraft und des Kapillareffekts, festgelegt in seinem Patent aus dem Jahr 1884 für „Waterman`s Ideal Fountain Pen“, eine wirksame und praktikable Lösung.

Eleganz in der Hand des Schreibers

Ein wichtiger weiterer Schritt in technischer Hinsicht erfolgte durch die seit den 1930er Jahren auf dem Markt befindlichen Sicherheitsfüllhalter. Sie zeichneten sich dadurch aus, dass das beidseitig hermetisch abgedichtete Tintenreservoir nun nicht mehr auslaufen konnte.

Frühe Füllfederhalter wurden aus schwarzem Hartgummi hergestellt. Traditionsbewusst werden von manchen Füllfederherstellern auch heute noch Zelluloid und Ebonit für die Herstellung der Schäfte und Kappen verwendet. Ornamentale Verzierungen kamen für Prestige-Modelle schon früh in Mode. Jede freie Fläche wurde dem entsprechend aufwendig verziert. Alsbald sorgten Modelle mit Guillochierung, einem speziellen Gravurverfahren, Überzügen aus Silber- oder Goldblech sowie Einlegearbeiten aus Perlmutt dafür, dass aus simplen Schreibgeräten rasch begehrenswerte Statussymbole wurden. Man schrieb nicht mehr mit irgendetwas, sondern mit der eigens in Handarbeit gefertigten, individuell dekorierten Füllfeder. Modelle in massivem Gold oder rhodiniertem Silber gehören auch heute noch zu den begehrten Prestige-Schreibgeräten.

Füllfedern, die Geschichte schrieben

Ob Ernest Hemingway als Kriegsfreiwilliger an der Isonzofront tatsächlich mit einem „Montegrappa“ seine Eindrücke niederschrieb, ist nicht verbürgt. Dass jedoch David Lloyd George nach dem Ersten Weltkrieg den Versailler Vertrag mit einer Waterman-Füllfeder unterzeichnete, ist belegt. Wer etwas auf sich hielt, bezog in Frankreich bereits ab 1908 edle Füllfedern von Montblanc, Waterman oder Cartier.

In Deutschland und auch in Österreich gilt seit 1910 Montblanc als Hersteller von Rang und Namen. Ein Umstand, der durch das „Meisterstück“ und exquisite, limitierte Sonderserien untermauert wurde. Aber auch das Modell 400 aus dem Jahr 1950 von Pelikan sowie Füllfedern von Faber-Castell zählen längst zu den exquisiten Schreibgeräten. Gefragt war auch das Modell „Duofold“ von Parker, das entweder als normaler Füllfederhalter oder als Bestandteil eines auf dem Schreibtisch befindlichen Schreibsets Verwendung fand. So hat Außenminister Leopold Figl den österreichischen Staatsvertrag mit einem weiteren Modell aus dem Hause Parker, nämlich dem „Parker 51“ unterfertigt.

Vintage oder moderne Klassiker

Etliche namhafte Füllfederhersteller warten mit limitierten Editionen auf, die für den Sammler besonders reizvoll sind und sich sehr gut zum Aufbau einer kleinen, feinen Kollektion eignen. Auch die limitierten Auflagen bestimmter Vintage-Modellen aus der großen Zeit der Füllfeder zwischen 1900 und den 1930er Jahren erfreuen sich besonderer Wertschätzung. Will man ein oft lang gesuchtes und vermeintlich sogar günstiges Stück erwerben, ist die eingehende Prüfung des Zustands wichtig. Ob solch ein Sammlerstück tatsächlich auch schreibtauglich ist, hängt von der Dichtheit des Kolbens und dem Zustand der Feder ab.

Wer seine Füllfeder gewohnheitsmäßig zur Hand nehmen möchte, ist sicher mit einem neuen Modell besser beraten. Zudem befindet sich manch eines der legendären Modelle wie etwa das „Meisterstück“ von Montblanc oder das Modell 400 von Pelikan mit grün liniert gemasertem Schaft und Kappe nach wie vor in Produktion. Einem Liebhaber edler Schreibgeräte steht folglich kaum etwas im Wege, mit solch einem „Klassiker“ in der Hand schwungvoll die Feder über das Papier gleiten zu lassen.

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