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Schmerz 13. Juni 2008

Schmerzfrei durchs World Wide Web

„Was ist Schmerz?“ – Wir haben im Internet nach populären und fachspezifischen Antworten auf diese Frage gesucht. Zugleich soll der folgende Beitrag in Grundzügen den Umgang mit allgemeinen Suchmaschinen und Online-Literaturdatenbanken illustrieren und einige Linktipps zum Thema „Schmerzmedizin“ auflisten.

„Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- oder Gefühlserlebnis, das mit tatsächlicher oder drohender Gewebeschädigung einhergeht oder von betroffenen Personen so beschrieben wird, als wäre eine solche Gewebeschädigung die Ursache“. – So lautet die deutsche Übersetzung der Kurzdefinition zum Thema „Schmerz“ der International Association for the Study of Pain (IASP). Auf der Website der weltweiten Vereinigung mit 6.900 Mitgliedern in 106 Ländern findet sich unter www.iasp-pain.org eine Vorankündigung für den zwölften „World Congress on Pain“, der von 17. bis 22. August in Glasgow, Schottland, stattfinden wird. Anlässlich des aktuellen „Global Year Against Pain in Women“ sind hier auch 18 spezielle Faktensammlungen abrufbar, zum Beispiel zu „Women and Migraine“ oder zu „Differences in Pain Between Women and Men“.

Google-Antworten auf die Frage: Was ist Schmerz?

Mit der Kurzdefinition der IASP ist zwar schon vieles, aber längst nicht alles zum Begriffsfeld „Dolor“ gesagt. Was also ist Schmerz und welche Antworten hat das World Wide Web auf diese Frage zu bieten? – Wer diese Recherche als Phrasensuche, also in der Form „was ist schmerz“ mit Anführungszeichen versehen, bei www.google.at eingibt, erhält eine Trefferliste mit Links zu Seiten, die durchaus kompetente Antworten enthalten. Schließlich ist Google nicht grundlos der mit Abstand populärste Suchdienst für das World Wide Web, sondern durch die Qualität seiner Ergebnisse bei den Usern so beliebt geworden. Weit oben auf der Google-Trefferseite findet sich denn auch eine elektronische Verknüpfung zu einem Interview aus der renommierten deutschen Wochenzeitung Die Zeit. In diesem Beitrag steht Prof. Dr. Walter Zieglgänsberger Rede und Antwort, laut der genannten Zeitschrift „der bekannteste Schmerzforscher in Deutschland“. Unter www.zeit.de/2007/47/WAS_IST_SCHMERZ ist der Artikel direkt abrufbar. Weiters kann eine via Google recherchierte, von Heidelberger Studenten gestaltete Page mit Inhalten eines Seminarreferates zum Thema „Was ist Schmerz?“ an dieser Stelle empfohlen werden. Unter www.studentenlabor.de/ss04block/wasistschmerz.htm finden sich grundlegende Fakten zu Themen wie „Zentralnervöse Weiterleitung und Verarbeitung“, „Schmerzcharakterisierung“, „Qualitäten des Schmerzes“ und „Dauer des Schmerzes“. Eine weitere Google-Trouvaille soll hier nicht unerwähnt bleiben. Unter oe1.orf.at/76511.html informiert die Redaktion der Gesundheitssendung Radiodoktor des ORF-Senders Ö1 über Schmerz.

Fachartikel zum Thema „Chronic Pain“

Um medizinische Fachinformationen zu finden, ist Google in aller Regel nicht die erste Wahl. Dafür kommt viel eher Medline in Frage, eine sehr umfassende Literaturdatenbank für den Bereich Life Sciences. Mit Stand vom April 2008 waren hier Literaturangaben zu rund 16 Millionen Artikeln aus Fachzeitschriften erfasst. Quellen sind rund 4.800 internationale Journale. Medline wird von der National Library of Medicine (NLM) der USA betrieben, der weltgrößten Medizinbibliothek. PubMed, www.pubmed.gov, ist ein empfehlenswerter Zugang zu Medline, der von der NLM selbst zur Verfügung gestellt wird.
Bei PubMed kann zum Beispiel „chronic pain“ in das Suchfenster eingegeben werden. Dann sollte unbedingt der Rechercheumfang konkreter abgegrenzt werden. Das kann beispielsweise geschehen, indem über die Rubrik „Limits“ Literaturangaben mit „Links to free full text“ ausgewählt werden. Weiters kann unter „Type of Article“ ein „Review“ bestimmt werden, der schließlich die „Tag Terms“ im „Title“ enthalten soll. So werden rund 125 nach Erscheinungsdatum geordnete und kostenlos lesbare Überblicksarbeiten gefunden, die „Chronic Pain“ als Titelthema haben. In manchen Fällen gewiss ein interessanter erster Einstieg in diesen Arbeitsbereich. – Wer sich im Detail für die zahlreichen Suchmöglichkeiten bei PubMed interessiert, sollte auch die „Tutorials“ nutzen, die im Menü links auf der Homepage zu finden sind.

Nach ICD-Codes und Leitlinien suchen

www.icd-code.de ist eine userfreundliche Suchoberfläche für die International Classification of Diseases and Related Health Problems (ICD), die von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegebene internationale Klassifikation von Krankheiten und Beschwerden. Hier kann sowohl nach Codes gesucht werden, wie etwa nach G57, als auch nach Namen, wie etwa „schmerz“ – wobei es bei diesem Suchangebot keinen Unterschied macht, ob die Einzahlform „schmerz“ oder die Mehrzahlform „schmerzen“ eingegeben wird. Gefunden werden 31 ICD-Codes, von „R 52 – Schmerz, anderenorts nicht klassifiziert“ bis zu „S29 – Sonstige und nicht näher bezeichnete Verletzungen des Thorax“.
Die zwar spartanisch gestaltete, aber inhaltsreiche Website www.leitlinien.net gibt Zugang zur Leitliniendatenbank der deutschen Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). In der AWMF sind derzeit 153 wissenschaftliche Fachgesellschaften aus allen Bereichen der Medizin zusammengeschlossen. Mit einer Stichwortsuche nach „schmerz“ finden sich hier zahlreiche deutsche Leitlinien, unter anderem die aktuelle „Leitlinie Schmerztherapie: perioperative und posttraumatische Schmerzen“ oder die „S3-Leitlinie Allgemeinmedizin: Kreuzschmerzen“.
Nicht zuletzt sei www.oesg.at erwähnt, die Website der Österreichischen Schmerz Gesellschaft. Hier ist nach einer Registrierung ein eigener Bereich für Mediziner, Apotheker, Studenten dieser Fachrichtungen oder Pharmamitarbeiter und Vertreter anderer medizinischer Berufe zugänglich. In diesem Fachbereich sind unter anderem die Rubriken „Schmerztherapie, Schmerztherapeutika“ sowie „Substanzen/Handelsnamenliste“ abrufbar.


Alternativen zu Google

Google ist mit großem Abstand führend am Weltmarkt für Webrecherchen. 2006 hatte die Suchmaschine laut dem Experten für Online-Recherchen Danny Sullivan, Chefredakteur von www.searchengineland.com, in den USA einen Marktanteil von 49 Prozent an allen Suchanfragen. In Deutschland hatte der große Service für Internetsuche laut dem im Murmann-Verlag erschienenen Buch Google-Story im selben Jahr sogar einen Marktanteil von rund 65 Prozent. Der deutsche Internetstatistikdienst WebHits geht sogar davon aus, dass 85 Prozent aller WWW-Recherchen mit Google durchgeführt werden. Wie groß auch immer der Marktanteil von Google tatsächlich sein mag – es gibt nach wie vor Alternativen zum Recherchegiganten. Deshalb haben wir mit der Suchphrase „was ist schmerz“ auch die Qualität der Antworten bei den wichtigsten Konkurrenten des weltgrößten Suchdienstes überprüft. Über at.search.yahoo.com, der Yahoo!-Suche Österreich, werden nach der genannten Eingabe noch mehr Treffer geliefert als bei Google. Dafür finden sich unter diesen aber auch mehr Sponsoren-Seiten, wie etwa solche von Medizintechnik-Firmen, und es ist nicht ganz einfach, zwischen reinen Informationsseiten und solchen mit kommerziellem Hintergrund zu unterscheiden. Auch www.live.com von Microsoft ist mit mehr als 6.000 Suchergebnissen zum Thema „Was ist Schmerz“ durchaus konkurrenzfähig.
Wer Abwechslung bei Internetrecherchen sucht, fragt unter www.msdewey.com, einem weiteren Angebot von Microsoft, die attraktive Miss Dewey „what is pain“. User werden hier von einer attraktiven schwarz gekleideten Dame begrüßt und dann zum Thema „Pain and Nociception“ bei der Online-Enzyklopädie Wikipedia geleitet, unter en.wikipedia.org/wiki/Pain. Unter www.abpm.org/what/index.html bietet Miss Dewey die Definition „What is Pain Medicine“ des American Board of Pain Medicine (ABPM) als Antwort auf die Rechercheanfrage.
Webbies, die sich für diese Alternative zu Google entscheiden, sollten sich aber darauf einstellen, dass die hübsche Lady schon mal ungeduldig werden kann, wenn ihr eine Anfrage zu lange dauert. Dann pocht sie mit spitzem Finger gegen den Computerbildschirm und greift fallweise auch zu harschen Worten. – Einen Mister Dewey speziell für Internet-Userinnen hat Microsoft übrigens bislang leider noch nicht gestaltet.

Mag. Dietmar Schobel, Ärzte Woche

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