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Schmerz 17. Jänner 2008

Sanfte Schmerztherapie mit flexiblen Tapes

Aku-Taping ist eine relativ neue, bei uns bisher kaum bekannte Behandlungsmethode, die unter anderem in der Schmerztherapie oder bei Hyperemesis gravidarum zur Anwendung kommt.

Aku-Taping wurde erstmals von Dr. Hans-Ulrich Hecker, einem Allgemeinmediziner, der mehrere Bücher über Chinesische Medizin verfasst hat, und dem Orthopäden Dr. Kay Liebchen beschrieben. Die Methode stellt eine auf den Prinzipien der Chinesischen Medizin, der Akupunktur und der Meridianlehre beruhende Weiterentwicklung des Kinesiotapings dar.
„Das Kinesiotaping wurde Anfang der 70er-Jahre von dem japanischen Arzt Kenzo Kase entwickelt“, erläutert Dr. Angelika Steveling, Abteilung für Traditionelle Medizin und Schmerztherapie des Grönemeyer-Instituts für MikroTherapie. Im Unterschied zum „normalen“ Tapen, wie man es aus der Sportmedizin kennt, arbeitet Kinesio- und Aku-Taping mit dehnbaren Tapeverbänden. Die Tapes sind dabei vor allem in der Längsrichtung dehnbar, in der Querrichtung nur wenig. Sie bestehen aus 100 Prozent Baumwolle und sind an der Innenseite mit Acryl beschichtet.

Wirkung basiert auf Bewegung

„Die Tapes werden über vorgedehnte Muskeln oder Gelenke geklebt“, so Steveling. Werden der Muskel oder das Gelenk dann bewegt, bleibt die Haut am Tapeverband haften. Dadurch kommt es zu einem andauernden Verschieben der Haut gegen die Unterhaut und damit zu einer Reizung der darunter liegenden Strukturen. „Je mehr Falten entstehen, desto besser“, weiß die Wiener Hebamme und Aku-Taping-Expertin Gabriele Sprung. Wichtig sei auch, beim Zuschneiden der Tapes die Enden abzurunden, damit sie sich nicht ablösen können.
Steveling: „Zug-, Sog- und Scherwirkung bewirken eine Massage der Haut sowie eine Reizung der Propriozeptoren und der Rezeptoren der Oberflächensensibilität (A-delta-Fasern). Die Propriozeptoren-Aktivierung führt zur Op-timierung von Muskeltonus, -koordination, -kraft und Gelenksstellung, während die Reizung von Rezeptoren der Oberflächensensibilität eine Aktivierung (schmerz-) hemmender absteigender Bahnen bewirkt. Darüber hinaus ist auch von einer Wirkung auf das Gefäß- und Lymphsystem des Aku-Taping auszugehen.“ Denkbar sei auch, so Steveling, dass die sogenannte Mechanotransduktion (Auslösung intrazellulärer Prozesse durch Zug an Kollagenfasern) eine wichtige Rolle im Wirkmechanismus spielt.
Aku-Taping wird unter anderem bei Verspannungen im Be-reich von Nacken, Schulter und Rücken eingesetzt, weitere Anwendungsmöglichkeiten sind in der Behandlung des Tennisellbogens, bei Ischialgie, Knieproblemen oder Schmerzen im Sprunggelenk. Weiters werde durch Aku-Taping auch eine Immunmodulation und psychovegetative Regulation bewirkt, so Steveling. „Darü-ber hinaus kann man die Aku-Tapes etwa nach einem Kaiserschnitt einsetzen, um unter anderem das irritierte Zwerchfell zu ‚beruhigen’“, sagt Sprung. Zu beachten sei dabei immer, dass es am Beginn der Anwendung zu einer Verschlechterung kommen kann.

Gute Erfahrungen bei Übelkeit in der Schwangerschaft

An der Gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung des Wiener Wilheminenspitals wird Aku-Taping bereits erfolgreich angewendet, etwa bei Hyperemesis gravidarum. Sprung: „Dabei wird zunächst der Akupunkturpunkt Pe6 genadelt, anschließend ein Magnetkügelchen (800 Gauss) auf den Punkt geklebt, und schließlich die Aku-Tapes aufgeklebt.“
OA Dr. Gabriele Dinhof von der Gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung: „Man hat den Eindruck, dass durch diese additive Methode die Frauen schneller eine Verbesserung ihrer Beschwerden erzielen. Die Compliance hinsichtlich des häufigen Pressierens des Akupunkturpunktes mit Hilfe des Magnetkügelchens ist hoch. Insgesamt ist Aku-Taping nach der Erfahrung, die wir bisher an unserer Abteilung machen konnten, der Behandlung mittels Akupressur-Armbändern (sea-bands), die häufig verrutschen und deren Funk-tion von den Frauen oft schlecht verstanden wird, überlegen.“
Wenn die Tapes zu heiß und schwitzig werden beziehungswei-se wenn Triggerpunkte, Akupunkturpunkte oder Narben behandelt werden sollen, kommen im Rahmen des „Medical Taping“ auch Cross-Tapes zur Anwendung. Cross-Tapes sind ungefähr 2,5 cm mal 2 cm bzw. 5 x 4 cm groß und besitzen eine Gitterform. Das Gitter besteht zumeist aus vier Streifen mit drei quer darüber liegenden Streifen. Wie Sprung erklärt, werden Cross-Tapes etwa bei Nackenbeschwerden zur Stimulierung des Lymphabflusses, bei Blasenentzündungen sowie bei Dysmenorrhoe eingesetzt. „Insgesamt stellen diese modernen Taping-Methoden nach meiner Erfahrung eine wertvolle Bereicherung des Therapiespektrums dar“, fasst die Expertin zusammen.

Dr. Peter Wallner, Ärzte Woche 3/2008

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