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Schmerz 10. Mai 2007

Schmerz, lass nach!

Eine weltweite Umfrage, die Global Neuropathic Pain Survey, zeigt, dass eine gute Kommunikation zwischen Arzt und Patienten die entscheidende Voraussetzung für die rechtzeitige und korrekte Diagnose von neuropathischen Schmerzen ist.

„Nach neuesten Schätzungen leiden bis zu fünf Prozent aller Menschen weltweit an neuropathischen Schmerzen. Die Alltagsaktivitäten und die Lebensqualität der Betroffenen ist erheblich eingeschränkt, und dagegen müssen wir etwas tun“, appellierte Prof. Dr. Jordi Serra, Department of Neurology and Neurophysiology, MC Mutual in Barcelona, anlässlich der Präsentation der Global Neuropathic Pain Survey, einer weltweiten Umfrage zum Thema neuropathischer Schmerz. Der Arzt-Patienten-Kommunikation kommt dabei eine besondere Bedeutung zu – dauert es doch der aktuellen Studie zufolge bis zu 19,5 Monate nach dem ersten Auftreten der Beschwerden, bis Patienten überhaupt einen Arzt aufsuchen. Danach braucht es in manchen Fällen noch einmal so lange, bis sie eine adäquate Behandlung eingeleitet wird. Die Global Neuropathic Pain Survey wurde zwischen Juli 2006 und Jänner 2007 von Mitarbeitern des Neuropathic Pain Network – einer internationale Koalition von Organisationen, die sich Patienten mit neuropathischen Schmerzen annimmt – mit Unterstützung der Firma Pfizer in sieben Ländern (Finnland Deutschland, Korea, Italien, Mexiko, Spanien und Großbritannien) durchgeführt und beinhaltete die Aussagen von rund 700 Neuropathiepatienten und deren Ärzten. Die Ergebnisse wurden von Dr. Troels Jensen, Uniklinik Aarhus (Den), Dr. Michael Bennett, Uni Leeds (UK) und Prof. Ralf Baron Uniklinik Kiel in London präsentiert und diskutiert. Die an der Umfrage teilnehmenden Ärzte, hauptsächlich Allgemeinmediziner, wurden per Zufallsprinzip auf geographisch-repräsentativer Basis ausgewählt. Jeder von ihnen sollte ein bis drei Patienten rekrutieren, die wegen neuropathischer Schmerzen in Behandlung waren. Die Patienten, die zustimmten, wurden telefonisch befragt. Folgende Ergebnisse waren bezeichnend für die Problematik:

• Patienten warten 5,7 bis 19,5 Monate, bis sie wegen ihrer Beschwerden einen Arzt aufsuchten, meist aufgrund der illusorischen Ansicht, die Schmerzen würden von selbst vergehen.
• Im Schnitt dauert es noch einmal 0,9 bis 19,2 Monate, bis die Patienten nach ihrem ersten Arztbesuch eine korrekte Diagnose erhalten.
• Patienten besuchen im Schnitt 2,5 Ärzte, bevor ihr Leiden als neuropatische Schmerzen erkannt wird.
• Bis zu 2,7 Besuche bei einem Arzt sind für die Diagnose erforderlich.
Interessant auch der Umstand, dass viele der befragten Ärzte es schwierig fanden, neuropathische Schmerzen von anderen Schmerzzuständen zu unterscheiden. Aus dieser Unsicherheit resultieren eine verzögerte Diagnosestellung und oftmals eine falsche Behandlung. Patienten erhalten häufig Medikamente, die bei anderen Schmerzarten zwar wirksam sind, bei neuropathischen Schmerzen allerdings keine Linderung verschaffen.
Diesem Manko wird laut Erich Kramer, Senior Vice President des Neuropathic Pain Network, in Zukunft verstärkt Aufmerksamkeit gewidmet: „Die Aufklärung von Patienten und Ärzten ist uns ein wesentliches Anliegen.“

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Quelle: Presseveranstaltung „Global Neuropathic Pain Survey“ am 1. März 2007 im Cavendish Hotel in London.

Mag. Ingo Schlager, Ärzte Woche

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