zur Navigation zum Inhalt
 
Schmerz 5. Dezember 2007

Mit Schmerzen nicht allein gelassen

An chronischen Schmerzen leidet fast ein Drittel der Österreicher, vor allem sind Menschen über 50 betroffen. Trotzdem mangelt es auf diesem Gebiet weiterhin an fachlicher Ausbildung der Ärzte und an entsprechenden Betreuungseinrichtungen.

„Der Schmerz ist ein biopsychisches, soziales Krankheitsbild, das den Menschen in seiner Gesamtheit betrifft“, betonte der Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft, Prof. Dr. Michael Bach, anlässlich einer Leistungsschau des „Hilfswerks“ zum 5. Pflegekongress im November in Wien. Bach leitet die Abteilung für Psychiatrie am LKH Steyr und das Department für Psychosomatik in Enns. Es kann als ein Zugeständnis für die interdisziplinäre Zusammenarbeit gewertet werden, dass er als neuer Präsident der Österreichischen Schmerzgesellschaft bestellt wurde. Schließlich wird der Schmerzpatient neben den körperlichen Qualen auch mit einer Reihe psychischer Probleme belastet, Hilflosigkeit, Einsamkeit, Stigmatisierung oder gar Unglaubwürdigkeit. Das kann unter Umständen sogar zu einer Suizidgefährdung führen.
Umso wichtiger ist daher eine persönliche, individuelle Pflege und Beratung, wie sie das Hilfswerk Österreich mit dem Fachschwerpunkt Schmerz und suffiziente Schmerztherapie bietet.

Schmerz ist subjektiv

Wie die Pflegedirektorin der Organisation, Monika Gugerell, berichtete, wurden mehr als 20.000 alte und pflegebedürftige Menschen auf mobiler Basis betreut. Darüber hinaus gab es mehr als 50 Publikumsveranstaltungen und Infotouren durch ganz Österreich. Schwerpunkte sind das aufmerksame Zuhören, die individuelle Beratung bei der Schmerzbehandlung sowie die Schmerzbeobachtung mithilfe von Fragebogen, Schmerztagebuch und Schmerzlineal. „Schmerz ist immer subjektiv, aber auf diese Weise wird er sichtbar und kann kontrolliert werden“, betont Gugerell.
Besonders wichtig für den Patienten sei die Zusammenarbeit von Arzt und Pflegedienst in der Therapie, die sich 93 Prozent der Betroffenen wünschen. Auch die Compliance wird durch diesen Kontakt wesentlich verbessert. Bach: „Wir wollen eine möglichst schmerzarme Betreuung auch außerhalb der Krankenhäuser ermöglichen.“
Die Ergebnisse aus der evaluierenden Begleitung des Projektes 2007 zeigen eine signifikante Reduzierung der Schmerzen um bis zu einem Drittel schon nach drei Wochen. Untersucht wurden 270 Hilfswerk-Patienten mit ausgeprägten Schmerzen. Zwischen der Erst- und der Folgeuntersuchung lagen 21 Tage. Die durchschnittliche Verringerung pro Patient lag bei zwei Punkten auf der zehnteiligen Schmerzskala.
Im nächsten Jahr ist gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium eine Expertenrunde geplant, die bessere Strukturen sowie Maßnahmen zur Qualitätssicherung und zur Unterstützung von Selbsthilfegruppen erarbeiten soll.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben