zur Navigation zum Inhalt
 
Anästhesie 10. Mai 2007

Konstant dem Schmerz entgegenarbeiten

Eine retardierte Tramadol-Formulierung, die nur noch einmal täglich eingenommen werden muss, erleichtert die Schmerzkontrolle. Eine aktuelle Anwendungsbeobachtung zeigt die gute Wirksamkeit und Steigerung der Lebensqualität der behandelten Patienten.

„Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf der kurvigen Bundesstraße von Wien nach Klagenfurt. Im Auto sind auch ihre beiden Kinder. Es geht auf und ab – was glauben Sie, was passieren wird?“ Mit diesem Bild leitete Prof. Dr. Andreas Sandner-Kiesling von der Univ. Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Medizinischen Universität Graz seinen Vortrag über die praktische Anwendung flexibler Schmerztherapie ein. Und so ging die Geschichte weiter: „Spätestens am Griffener Pass sind die ‚Speibsackerl’ voll.“ Was das mit Schmerztherapie zu tun hat, erläuterte der Schmerzmediziner gleich anschließend: „In genau der gleichen Situation befindet sich ein Patient, der ein unretardiertes Opiat erhält. Die Plasmaspiegel schwanken stark und können zu Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen führen.“

Gleichmäßige Plasmaspiegel

Eine Weiterentwicklung von Tramadol, das seit vielen Jahren in der Schmerzbehandlung als Stufe 2-Medikament in Anwendung ist, sorgt nun für ganztägig gleichmäßige Plasmaspiegel und eine konstante Analgesie. Tramadol OD (once a day; Adamon®) wird oral verabreicht. Die Filmtabletten sind von einer speziellen lipophilen Matrix umhüllt, die eine konstante Wirkstoffabgabe über 24 Stunden ermöglicht und somit nur einmal täglich verabreicht wird.

Exakte Dosierung

Eine Anwendungsbeobachtung (AWB), die von Sandner-Kiesling im Rahmen der Südbahnschmerzgespräche, Anfang März, in Reichenau/Rax vorgestellt wurde, belegte die Wirksamkeit und Sicherheit der neuen Tramadol-Formulierung. Die AWB wurde in zehn österreichischen Zentren mit bisher 87 Schmerzpatienten durchgeführt. Die Einschlusskriterien waren mittelstarke bis starke Schmerzen, die Ausschlusskriterien richteten sich nach der Fachinformation. Die Patienten waren im Durchschnitt 62 Jahre alt. Die Schmerzdauer zum Beginn der AWB betrug im Mittel 18 Monate. 64 Patienten litten bei Bewegung unter Schmerzen, 21 wiesen einen Ruheschmerz auf, 15 hatten in der Nacht Schmerzen und fünf machten keine Angaben.

Nacht-Tag-Rhythmus

„Hier zeigt sich schon ein Vorteil von Tramadol OD“, erläuterte Sandner-Kiesling: „Das Medikament wirkt tagsüber sehr gut, nachts ist die Wirkung eher geringer. Das bedeutet: Das Medikament kann exakt auf den jeweiligen Schmerzzustand hindosiert werden.“ Kontrollvisiten erfolgten am Tag Null, zwischen dem siebten und zehnten Tag und abschließend etwa 30 Tage nach Behandlungsbeginn mit Tramadol OD. Die Studienteilnehmer gaben zu Beginn der Behandlung im Mittel eine Schmerzintensität von 64 auf der elfteiligen Visuellen Analog Skala (VAS, 0-100) an. Die überwiegende Anzahl der Patienten (65) erhielt einmal täglich 150 mg Tramadol OD, 22 nahmen einmal täglich 300 mg ein. Schon bei der ersten Kontrollvisite zeigte sich eine Verringerung des VAS-Wertes im Durchschnitt auf 43,38; bei der zweiten Kontrolle lag der Mittelwert bereits bei 40,35.

Gute Beurteilung

Auch die ungestörte Nachruhe der Patienten nahm unter Tramadol OD zu: Zur Baseline waren im Mittel 3,84 Nächte durch Schmerzen gestört, zur ersten Kontrollvisite lag dieser Wert bei 1,97, bei der Schlussvisite bei 1,76 Nächten. „Die Wirksamkeit von Adamon® wurde von der Mehrzahl der Patienten mit ,sehr gut‘ oder ,gut‘ beurteilt“, erläuterte Sandner-Kiesling: Elf Probanden gaben eine sehr gute, 38 eine gute und 16 eine befriedigende Wirksamkeit an. Auch die Verträglichkeit wurde von 27 Patienten als „ausgezeichnet“ bewertet, 42 gaben eine gute und sechs eine befriedigende Verträglichkeit an.

Konstante Linderung

Die einmal tägliche Gabe von Tramadol OD wurde von den Studienteilnehmern sehr positiv bewertet: 58 der Patienten zeigten sich davon überzeugt, dass das Medikament ihre Lebensqualität verbessert hatte. 18 gaben an, keinen Einfluss bemerkt zu haben. Zwölf der insgesamt 87 Probanden berichteten über Nebenwirkungen. Diese reichten substanztypisch von Übelkeit und Emesis über Obstipation und Schwindel bis hin zu Pruritus. 47 Studienteilnehmer nehmen Tramadol OD auch nach Ende der AWB weiter ein. „Das Medikament ermöglicht durch die kontinuierliche, langsame Substanzabgabe eine längere Analgesie“, resümierte Sandner-Kiesling, „der stabile Plasmaspiegel sorgt für eine konstante Schmerzlinderung, die niedrigen Plasmaspitzen verringern die Nebenwirkungen. Die Gabe vor den tagestypischen Schmerzhöhepunkten berücksichtigt die Tagesrhythmik des Peins.“ Nicht zuletzt, so der Schmerzmediziner, werde durch die einmal tägliche Gabe auch die Therapietreue der Patienten erhöht.

Sabine Fisch, Ärzte Woche

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben