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Schmerz 10. Mai 2007

Die Zeit bestimmt den Schmerz

Eine optimale Analgetika-Therapie berücksichtigt auch den Tagesrhythmus und die Intensität des Schmerzgeschehens.

Im Rahmen der Südbahnschmerzgespräche, die Anfang März in Reichenau/Rax stattfanden, berichtete der amtierende Präsident der Österreichischen Schmerz-Gesellschaft, Doz. Dr. Rudolf Likar (Interview S. 30), über die Möglichkeiten der flexiblen Schmerztherapie: „Tumorpatienten erleben die intensivsten Schmerzphasen nachts, bei Arthrose zeigt sich der Schmerz am stärksten tagsüber unter Belastung und bei rheumatoider Arthritis leiden die Betroffenen besonders morgens nach dem Aufstehen. Auch bei Patienten mit neuropathischem Schmerz ist eine zirkadiane Rhythmik festzustellen.“ Für eine suffiziente Behandlung empfiehlt es sich, den Patienten ein Schmerztagebuch führen zu lassen, um die tageszeitlichen Schwankungen genau festhalten zu können. Wird die Behandlung den tageszeitlichen Schwankungen nicht angepasst, kommt es auch laufend zu Über- oder Unterdosierungen. Likar: „Je nach Dauer der Schmerzphasen können kurz oder lang wirksame Präparate eingesetzt werden. Eine asymmetrische Dosierung der Medikation, die auf den Schmerzrhythmus abgestimmt ist, führt zu einer effektiven Linderung und erhöht die Verträglichkeit“, hielt Likar die Vorteile einer zeitangepassten Schmerztherapie fest. Die Studienergebnisse von Bodalia zeigen, dass eine angepasste Behandlung mit Tramadol long retard im Vergleich zu einer Dosierung mit 50 mg acht Mal täglich den tageszeitlichen Schmerzschwankungen deutlich besser gerecht wird als eine fixe Gabe von 150 mg oder 200 mg einmal pro Tag. Die höchste Plasmakonzentration mit einer mehrfach täglichen Gabe wurde zum Zeitpunkt der höchsten Schmerzintensität erreicht (Bodalia et al: J of Pain & Symptom Management, Vol. 25; 2003).

Spitzen brechen

Eine besondere Herausforderung stellt – gerade bei Tumorpatienten – die Behandlung von Durchbruchschmerzen dar, die als besonders belastend erlebt werden. Eine lang wirksame Behandlung, etwa mit Schmerzpflastern, führt hier oft nicht zu einer zufrieden stellenden Linderung. So zeigte eine Untersuchung an 245 Patienten, dass nur 25 Prozent der Betroffenen mit Durchbruchschmerzen mit ihrer Therapie zufrieden waren (Zeppetella et al: J Pain Symp Manage 2000 20[2]87-92). Für eine optimale Therapie von Durchbruchschmerzen spielt die Anamnese eine herausragende Rolle. Wann kommt es zu diesen Schmerzzuständen? Wie lange dauern diese und was sind verstärkende Faktoren? „Ein Durchbruchschmerz ist erst dann richtig therapiert, wenn jede Schmerzspitze abgedeckt ist und der Patient eine optimale Linderung erfährt“, spezifizierte Likar. „Allerdings sind Durchbruchschmerzen in der Regel von kurzer Dauer, was die Therapie erschwert.“ Bis zum Zeitpunkt des Arzneiwirkungseintritts können die Schmerzen schon wieder vorbei sein. „Eine sinnvolle Anwendung ist die Therapie mit Morphinen, oral, sublingual oder submukosal appliziert“, so Likar. „Auch die Anwendung von Fentanyl in oraler oder submukosaler Gabe stellt eine gute Möglichkeit dar.“ Für alle Patienten mit tageszeitlichen Schwankungen gelte die Forderung nach einer engen Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient, einer konsequenten Schmerzmitteleinnahme, einer zeitlich angepassten Dosierung und einer engmaschigen Kontrolle.

Sabine Fisch, Ärzte Woche

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