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Anästhesie 10. Mai 2007

Epiduroskopie – ein Blick ins Rückenmark

Die Epiduroskopie kann für eine Reihe von Erkrankungen herangezogen werden. Die Hauptindikation stellt jedoch die Dorsalgie/Lumbalgie dar. Zuvor müssen eine detaillierte Anamnese und Aufklärungsgespräche erfolgen, da nur ein geringer Teil der Patienten für diesen Eingriff infrage kommt.

„Zur Behandlung rückenmarksnaher Schmerzzustände stellt die Epiduroskopie ein effizientes und dabei nebenwirkungsarmes Verfahren dar“, berichtete Dr. Renate Barker von der Universitätsklinik für Anästhesie und Allgemeine Intensivmedizin, AKH Wien, und Präsidentin der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft zur Schmerzbekämpfung und Schmerzforschung, bei der Veranstaltung „Schmerz interdisziplinär“ im März. Als Indikationen für die perkutane Endoskopie des Epiduralraumes, die so genannte Epiduroskopie, führte Barker an: Periphere arterielle Verschlusskrankheit, neuropathischer Schmerz, Zosterneuralgie, Chronic pelvic pain, Beckenbodenschmerzen oder chronische Rücken- und Beinschmerzen nach einem chirurgischen WS-Eingriff (Failed-Back-Surgery-Syndrom). Die Haupt­indikation aber stellt die Dorsalgie/Lumbalgie dar, die für über 90 Prozent der 250 Eingriffe, die im Institut für interventionelle Schmerzdiagnostik und -therapie zwischen Juni 2005 und Februar 2007 vorgenommen wurden, verantwortlich war. Bei 96 Prozent der Betroffenen lag eine Diskusprotrusion, bei drei Prozent ein Diskusprolaps und bei einem Prozent eine Spinalkanalstenose vor. Die Schmerzdauer lag zwischen wenigen Wochen und mehreren Jahren, der Altersschnitt der Patienten bei 55 Jahren und die mittlere Schmerzstärke – trotz Vortherapie – bei sechs bis sieben auf der zehnstufigen VAS-Skala. Wichtige Voraussetzungen für den Erfolg der Operation ist die detaillierte Anamnese und Vorbesprechung mit dem Patienten, sowie genaue Voruntersuchungen, da nur ein sehr kleiner Teil der Patienten, die diesen Eingriff wünschen, auch tatsächlich dafür infrage kommt.

Einsicht bis zur Halswirbelsäule

Der Eingriff dauert etwa 30 bis 45 Minuten und wird in Allgemeinanästhesie durchgeführt. Der Patient befindet sich in Bauchlage. Der operative Zugang erfolgt über den Hiatus sacralis, am oberen Rand der Analfalte. Mit dem 40 bis 90 cm langen Epiduroskop (Außendurchmesser 2,3 mm, Arbeitskanal 1,2 mm), das ein flexibles steuerbares Ende besitzt, wird in den Epiduralraum eingegangen. Beim Erwachsenen wird meist das 90 cm lange Gerät verwendet, weil man damit bis in die Halswirbelsäule gelangt. Verwachsungen können gelöst und Medikamente, speziell Glukokortikoide, appliziert werden. Oft wird ein Epiduralkatheter für mehrere Tage belassen. Postoperativ werden häufig – falls erforderlich – Analgetika der WHO-Stufe ein für sechs Monate oder Opioide (v.a. Oxycontin retard) für drei bis sechs Monate verordnet.
„Bei 82 Prozent der Patienten konnte“, so Barker, „mit der Epiduroskopie eine VAS-Verbesserung um vier Punkte, bei elf Prozent zumindest um zwei Punkte erreicht werden.“ Lediglich bei zwei der 250 operierten Patienten kam es zu Komplikationen: Bei einem zu einer entzündeten Hautläsion an der Einstichstelle, beim zweiten (aus ungeklärten Gründen) kurz nach der Extubation zu Dyspnoe, Verwirrtheit und Lungenödem, wodurch eine Reintubation erforderlich war. Letztlich wurde aber auch dieser Patient nach 14 Tagen ohne Spätfolgen, aber deutlich weniger Schmerzen entlassen, die auch Monate später auf einem VAS-Wert von nur mehr zwei (statt präoperativ sieben) blieben.

Dr. Klaus Huber, Ärzte Woche

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