zur Navigation zum Inhalt
 
Orthopädie 12. Dezember 2006

Pflanzliche Mittel bei Arthrose und Rückenschmerz

Pflanzliche Entzündungshemmer sind bei Arthrose, Osteoporose, Rückenschmerzen oder Fibromyalgie indiziert.“ Das sagte Prof. Dr. Sigrun Chrubasik, Leiterin des Schwerpunktes Pflanzliche Drogen am Institut für Rechtsmedizin an der Universität Freiburg, Anfang November auf dem Symposium „Phytotherapie“ im Pharmaziezentrum der Uni Wien. Chrubasik, aufgrund der Scheuermann-Krankheit selbst seit Kindertagen Schmerzpatientin, ist seit 1994 auf das Gebiet pflanzlicher Schmerzmittel spezialisiert und lehrt auch an der Faculty of Pharmacy der Universität Sydney das gesamte Spektrum der Phytotherapie.
Eigene Studien hat Chrubasik etwa zur Teufelskralle durchgeführt. Zu therapeutischen Zwecken verwendet werden die sekundären Speicherwurzeln dieser südafrikanischen Wüstenpflanze. Laut Chrubasiks placebokontrollierter Studie mit Patienten mit Rückenschmerzen, Hüft- und Kniearthrose trat nach drei bis vier Monaten – so lange dauert es, bis sich die Wirkung des wässrigen Extrakts in einer Tagesdosis von 10 mg zeigt – eine signifikante Besserung der Schmerzen ein, die Bewegungseinschränkung hatte sich allerdings nicht verändert. Vorsicht sei bei Patienten mit empfindlichem Magen geboten, außer ganz seltenen Allergien haben sich allerdings keinerlei schwer wiegende Nebenwirkungen gezeigt.
Bereits im Mittelalter wurden Ödeme, Magen-Darm-Beschwerden, Erkältungskrankheiten oder eben Rheuma mit Hagebutten behandelt, berichtete Chrubasik in ihrem Vortrag. Zu dem Wirkstoff Galaktolipid, der aus den Kernen der wilden Hagebutte gewonnen wird, gibt es bis dato eine dänische und eine norwegische Studie, die auf die Wirksamkeit bei Arthrose hinweisen.

Signifikant weniger Schmerz

Die Patienten der norwegischen Studie waren aufgrund ihrer Kniearthrose für eine Operation vorgesehen, doch nach vier Monaten Einnahme von fünf Gramm Hagebuttenpulver pro Tag hatten sie signifikant weniger Schmerzen, die Entzündungsmarker im Blut waren gesunken, die Lebensqualität hatte sich verbessert. In der Studie, die Chrubasik selbst mit dem Hagebuttenpulver durchführte, konnte sie feststellen, dass „es dauert, bis die Wirkung eintritt, aber dann kann sie aufrechterhalten werden“. Wichtig sei, so Chrubasik, den Patienten zu sagen, dass sie bei der Einnahme von Hagebuttenpulver viel trinken sollen, weil es andernfalls zu Obstipation kommen kann.
„Keine gute Nachricht habe ich zu Weihrauch“, berichtete die Freiburger Ärztin. Zwar wisse man, dass Boswelliasäure die Lipoxygenase hemmt, und es gebe auch überzeugende Tierversuche im Arthritismodell, „aber die Studien, die mit Menschen durchgeführt wurden, haben keine Wirksamkeit gezeigt“.
Die Weide hingegen sei das älteste pflanzliche Schmerzmittel, Hippokrates empfahl das Kauen der Blätter zur Schmerzlinderung bei der Geburt, und die fiebersenkende Wirkung wurde 1763 in England das erste Mal festgestellt, da hat man Weidenrindenabkochungen als Ersatz für Chinin bei Malaria verwendet. Die Pflanzenexpertin weiß aus eigener Erfahrung, dass bei hoher Dosierung Bandscheibenschmerz zwar spürbar bleibe, aber „man ist arbeitsfähig“. Zudem interagiere Weidenrindenextrakt nicht mit der Blutgerinnung. Spezifische Nebenwirkungen sind, so Chrubasik, keine bekannt.

Kein Ersatz für Basistherapie

Was den Krallendorn betrifft, so plädierte Chrubasik dringend für Studien zu Arthrose und Rückenschmerzen, da dazu bisher noch keine Daten vorliegen.
Abschließend warnte Chrubasik davor, bei entzündlichem Rheuma oder bei Polymyalgia rheumatica pflanzliche Mittel als Ersatz für die spezifische Rheumatherapie zu empfehlen, da die Krankheit dann fortschreite. Bei diesen Krankheitsbildern seien Phytowirkstoffe allenfalls zum Einsparen von synthetischen Schmerzmitteln geeignet.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben