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Physikalische Medizin/Rehab 19. September 2006

Akupunktur abseits von Medianen

Die Triggerpunkttherapie verspricht mit geringem Aufwand eine rasche Besserung von schmerzhaften Verspannungen der skelettalen Muskulatur und deren Begleiterscheinungen.

Rund 80 Prozent aller Einwohner der Industrieländer leiden zumindest einmal im Leben unter starken Rücken- oder Kopfschmerzen; hinzu kommen mannigfaltige Beschwerden des Bewegungsapparates. In den vergangenen Jahren haben sich einige Behandlungsoptionen, wie die Manualtherapie, Osteopathie und Akupunktur, etabliert. Mit der myofaszialen Triggerpunkttherapie schiebt sich nun eine neue Therapie in den Blickpunkt. Im Gegensatz zu den meisten manualtherapeutischen Methoden ist bei der so genannten Triggerpunkttherapie (TPT) die Muskulatur der Angriffspunkt der Behandlung. Ursprünglich vor 40 Jahren in den USA von Dr. Janet G. Travell und Dr. David G. Simons entwickelt, ist die TPT vor allem in der Schweiz eine seit Jahren von Physiotherapeuten und Ärzten erfolgreich praktizierte Behandlungsmethode. Leider ist sie hierzulande unter Ärzten als eigenständige Therapieform weitgehend noch unbekannt, während sie von Physiotherapeuten zunehmend angewendet wird.

Suche nach den Triggerpunkten

Triggerpunkte sind schmerzhafte Stellen in der Muskulatur, die aufgrund eines Traumas oder einer chronischen Überlastung als eigenständiges Krankheitsbild entstehen. Bei strukturellen Veränderungen des Halte- und Bewegungsapparates können sie als Begleiterscheinung auftreten. Sie sind als Muskelverhärtungen innerhalb eines Muskels tastbar und verursachen charakteristischerweise in den meisten Fällen einen in entfernte Körperregionen projizierten Schmerz und/oder eine Bewegungseinschränkung. Behandelt werden Triggerpunkte primär mit den Händen oder mit Akupunkturnadeln, als so genanntes „Dry needling“. Hierbei werden jedoch keine Akupunkturpunkte im herkömmlichen Sinne behandelt, sondern der jeweilige Schmerzpunkt. Unterstützend ist fast immer eine Dehnungsbehandlung notwendig. Ursächlich werden lokale Verspannungen im betroffenen Muskel mit konsekutiver Störung des lokalen Stoffwechsels und eine Schmerzbahnung angenommen. Die Therapie ermöglicht es, vielfältige Schmerzsymptome, die oft durch eine fehlende, nachweisbare strukturelle Schädigung und durch ihre Therapieresistenz gekennzeichnet sind, effizient und ohne apparativen Aufwand zu behandeln. Hierzu zählen etwa viele Kopfschmerzformen und migräneähnliche Beschwerdebilder, Kniebeschwerden bei Läufern, Tennis- und Golferellbogen, Achillodynie, posttraumatische und -operative Bewegungseinschränkungen der Schulter, „Giving way“ Attacken bei vorhandener Ruptur des vorderen Kreuzbandes sowie das gesamte Beschwerdespektrum des Bewegungsapparates. Neben der unkomplizierten Behandlung stellt vor allem der oft unmittelbare Therapieerfolg eine Besonderheit dar. Letztlich wird dadurch auch die Patientencompliance äußerst positiv beeinflusst. Während der Behandlung erhält der Therapeut unmittelbar ein Feedback, ob durch manuellen Druck am entsprechenden Triggerpunkt der charakteristische, dem Patienten bekannte, Schmerz provoziert werden kann. Dieser wird oft in einer entfernten Körperregion („refered pain“) empfunden. Oftmals spürt der Patient unmittelbar nach der Behandlung eine deutliche Beschwerdelinderung oder Verbesserung der eingeschränkten Beweglichkeit. Manche Patienten sind schon nach der ersten Behandlung beschwerdefrei.

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OA Dr. Roman Kleissner
Abt. f. Unfallchirurgie;
Weinviertelklinikum Mistelbach

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