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Alaba-Graffiti in Wien-Donaustadt.
© Ordination Dr. Weninger

Die Stoßwellenbehandlung hilft bei Sehnenbeschwerden.

 
Sportmedizin 20. Juni 2016

Kampf um jede Sehne

Expertenbericht: Stoßwellen-Behandlung für Fußball-Stars ... und solche, die es werden wollen.

Die Europameisterschaft 2016 in Frankreich ist in vollem Gange und die Begeisterung kennt keine Grenzen. La Ola, die Welle, ist eine Begeisterungsäußerung, die in keinem Fußballstadion fehlen darf. Ebenso wie La Ola ist auch eine andere Welle seit neuester Zeit mit dem Fußballsport assoziiert. Dabei handelt es sich um eine besondere Wellenart: die Stoßwelle.

Was sind Stoßwellen? Stoßwellen sind hochenergetische Schallwellen, die durch Druck außerhalb des Körpers generiert werden. Treffen sie auf den Körper, so entsteht in den verschiedenen Geweben Erstaunliches. Durch Stoßwellen werden nämlich Regenerationsvorgänge gestartet, die besonders bei Verletzungen oder Überlastungen hilfreich sind. Auch bei Fußballern, Amateuren und Profis gleichermaßen, ist die Behandlung mit Stoßwellen gefragt.

Ein Zentrum, das seit Jahren auf die Wirkung von Stoßwellen bei Sportlern baut, ist die arthroclinic.wien, ein Spezialisten-Netzwerk für den Bewegungsapparat und für die Gelenke ( www.arthroclinic.org ). Knie-Spezialist PD Dr. Patrick Weninger, weiß die Wirkung der Stoßwellen bei Verletzungen im Fußballsport zu schätzen: „Unsere Patienten rekrutieren sich aus einer Vielzahl von Sportarten. Zur Zeit sind es vor allem Fußballer, die uns aufsuchen und behandelt werden wollen. Die Behandlungs-Indikationen sind vielfältig. Wir haben gute Erfahrungen mit der Stoßwelle sowohl bei akuten Verletzungen als auch bei chronischen Überlastungsschäden.“

Bereits vor mehreren Jahrzehnten fand die Stoßwelle in die Urologie Einzug. Sie wurde und wird immer noch zur Behandlung von Nierensteinen verwendet. In der Orthopädie und Unfallchirurgie verwendet man Stoßwellen vor allem zur Behandlung von Sehnenschäden (Achillessehne, Patellasehne etc.) oder im Falle von Kalkablagerungen in der Schulter. Zusätzlich werden Stoßwellen in der Orthopädie und Unfallchirurgie auch bei Muskelverletzungen oder zur Behandlung des Tennisarmes eingesetzt.

Eine besondere Form der Stoßwelle wird zur Behandlung von schlecht oder nicht heilenden Knochenbrüchen, sogenannten Pseudarthrosen, verwendet. Die Entwicklung der Stoßwellen-Behandlung bei der Indikation „Pseudarthrose“ ging sogar so weit, dass auf Operationen, wie sie früher notwendig waren, gänzlich verzichtet werden kann.

Was bewirkt die Stoßwelle und was sind ihre Einsatzgebiete?

Das ist ein immenser Fortschritt: Der Patient benötigt keine Operation, demenzsprechend entfallen sämtliche, operationsbedingte Komplikationen. Zusätzlich spart es den Krankenhäusern Ressourcen, was in Anbetracht des zunehmenden Kostendruckes im Gesundheitswesen nicht unbedeutend ist. Zur Indikation „Pseudarthrose“ ist jedoch eine kurze Narkose erforderlich, da die Stoßwellenbehandlung in diesem Fall doch mit Schmerzen verbunden wäre.

Werden Stoßwellen auf das Gewebe abgegeben, werden Heilungsprozesse angeregt. Durch die Stoßwellen kommt es zu einer Verbesserung der Gewebeperfusion, also der Durchblutung. Zusätzlich kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung bestimmter Botenstoffe, die Schmerzreduktion bewirken.

Bemerkenswert ist die nachgewiesene Attraktion (Anziehung) von Stammzellen, die in das behandelte Gewebe einwandern und dort zu den jeweiligen gewebetypischen Zellen ausdifferenzieren. Das bedeutet, dass durch das Einwandern von Stammzellen in Kombination mit Verbesserung der Durchblutung ein Milieu geschaffen wird, das beste Grundlage für echte Heilung ist. Die Gewebeheilung erfolgt somit im besten Fall nicht als Defektheilung sondern als echte Widerherstellung sämtlicher gewebespezifischer Bestandteile (Zellen, Bindegewebe, Blutgefäße). Es gibt Studien, die zeigten, dass Stoßwellen bei beginnender Arthrose, also bei Knorpelabnützung, einen positiven Effekt haben und zu einer Schmerzreduktion führen können. Dieser positive Effekt bei Knorpelschäden ist bisher in mehreren tierexperimentellen Arbeiten gezeigt worden und entsteht dadurch, dass knorpelschädigende Botenstoffe (Zytokine) in der Gelenkflüssigkeit verringert werden.

Stoßwelle ist nicht gleich Stoßwelle!

Es wird zwischen radialen und fokussierten Stoßwellen unterschieden. Die radiale Form ist für eher oberflächliche Indikationen, wie Muskelverhärtungen, geeignet.

Die fokussierte Form wird bei Problemen tieferer Gewebeschichten angewandt und zudem bei Kalkdepots, zum Beispiel im Schultergelenk. In der arthroclinic.wien wird mit einer sogenannten „fokussierten Stoßwelle“ gearbeitet, die eine besonders intensive Geweberegeneration bewirkt. Weninger: „Die fokussierte Stoßwelle macht für uns am meisten Sinn, da wir die gesamte Energie auf ein kleines Areal bündeln können. Die Eindringtiefe ist größer als bei der radialen Stoßwelle. Dadurch haben wir vor allem gute Chancen, auch hartnäckige Sehnenschäden positiv zu beeinflussen.“

Was sind nun die Anwendungsgebiete beim Fußballer?

„Beim Fußballer sind es vor allem die Sehnen der unteren Extremität, die Beschwerden bereiten. Vor allem die Patellasehne und die Achillessehne sind häufige „Baustellen“, sagt Weninger.

Die Überlastungen entstehen durch Mikrotraumen im Sehnengewebe und führen zu hartnäckigen Schmerzen, die auch chronisch und wiederkehrend sein können.

Für den Fußballer, ob Profi oder Amateur, sind diese Sehnenreizungen durchaus problematisch, da sie einen Karriereknick verursachen können. Die Behandlung mit Stoßwellen führt dann zu einer Verbesserung der lokalen Durchblutung und zu einer Stabilisierung der Sehnen-Mikroarchitektur, damit verbunden ist die Schmerzreduktion.

„Wir verwenden die Stoßwelle jedoch auch bei akuten Verletzungen, wie Muskelzerrungen oder Muselfaserrissen. Wir beobachten dabei, dass die Sportler nach der Behandlung schneller wieder in das Training einsteigen können,“ so Doz. Dr. Weninger von der arthroclinic.wien.

Wie jede Therapieform, hat auch die Stoßwellentherapie ihre Grenzen und kann nicht alle Beschwerden lindern. Weninger: „Man darf nicht glauben, dass die Stoßwellentherapie ein Allheilmittel ist. Auch muss darauf hingewiesen werden, dass die Behandlung mit Stoßwellen eine ärztliche Maßnahme ist. Wie bei jeder Heilbehandlung erfordert es Erfahrung bei der Indikationsstellung und bei der Behandlung selbst.“

PD Dr. Patrick Weninger ist FA für Unfallchirurgie und als Oberarzt im Knieteam des Orthopädischen Spitals Speising tätig.

Patrick Weninger, Ärzte Woche 25/2016

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