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Neurologie 15. März 2016

Mit Schmerzmitteln hinterm Volant

Unter Opoid-Einfluss ist Autofahren häufig möglich, die Fahrsicherheit muss allerdings individuell beurteilt werden.

Dürfen Schmerzpatienten ein Auto lenken, wenn sie Opioide gegen ihre schweren chronischen Schmerzen einnehmen? In vielen Fällen ist das denkbar. Wichtig ist es, die Fahrsicherheit von Fall zu Fall zu beurteilen.

Die Frage, ob eine Therapie mit Opioid-Schmerzmitteln ihre Fahrtüchtigkeit beeinträchtigt, beschäftigt viele Schmerzpatienten, die von der Wirksamkeit dieser potenten Medikamente profitieren. Eine generelle Antwort darauf gibt es nicht, sagen medizinische und juristische Experten beim 20. Internationalen Wiener Schmerzsymposium.

„Schmerzpatienten sind in ihrer Fahrsicherheit in der Regel nicht eingeschränkt, wenn sie stabil mit retardierenden Opioiden eingestellt sind. Das legen neuerlich Daten aus dem aktuellen europäischen Verkehrssicherheitsprojekt DRUID (Driving Under the Influence of Drugs, Alcohol, and Medicines) sowie aus der Mehrzahl der bislang zum Thema verfassten Studien nahe“, sagt Tagungspräsident Prof. DDr. Hans-Georg Kress, Vorstand der Klinischen Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie (AKH/MedUni Wien) und Past President der Europäischen Schmerzföderation EFIC.

Retardierende Opioide werden verzögert freigesetzt, um über längere Zeit im Körper einen konstanten Wirkspiegel zu erreichen. Was allerdings unter einer „stabilen Opioideinstellung“ zu verstehen ist, ist bislang nicht hinreichend definiert. In der Praxis gehen Schmerzmediziner davon aus, dass dieser Zustand etwa zwei Wochen nach der Neuverschreibung des Medikamentes erreicht wird. Bis dahin raten die behandelnden Ärzte ihren Patienten auf das Autolenken zu verzichten, da sie in ihren kognitiven Funktionen eingeschränkt sein können. Dasselbe gilt, wenn die Therapie angepasst und die Medikamentendosis verändert wird.

„Eine generelle Bewertung des Opioideffekts auf die Fahrsicherheit ist allerdings nicht möglich“, sagt Prof. Kress. „Die verfügbaren Studien kamen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, welche Opioide untersucht, welche Methoden angewandt und welche Patienten ausgewählt wurden. Wesentliche Einflussfaktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind das Alter der Betroffenen, mögliche Begleiterkrankungen und welche Medikamente noch zusätzlich genommen werden“, erklärt Kress. „Die Zusatzmedikation mit anderen zentralnervös wirksamen Substanzen, wie Benzodiazepinen, Antidepressiva oder Gabapentinoiden, müssen als Einflussfaktoren berücksichtigt und ebenfalls stabil gehalten werden. Auch eine Nieren- oder Herzinsuffizienz kann sich im Schweregrad verändern und dann trotz konstanter Opioiddosis zu beeinträchtigter Fahrtauglichkeit führen.“

Mag. Martin Hoffer, Jurist beim Autofahrerclub ÖAMTC: „Die österreichische Straßenverkehrsordnung fordert von Lenkern: Sie müssen sich in einer körperlichen und geistigen Verfassung befinden, in der sie ein Fahrzeug beherrschen können. Und sie müssen in der Lage sein, alle Rechtsvorschriften zu befolgen, die es beim Fahren einzuhalten gilt.“ Die gesundheitliche Eignung zum Lenken eines Kraftfahrtzeuges ist im Führerscheingesetz, in der Führerschein-Gesundheitsverordnung sowie in einer Reihe von Erlässen und Dienstanweisungen festgelegt. Es sei oft eine Gratwanderung, so der Experte. „Personen, die Schmerzmittel einnehmen, allgemein und dauerhaft die Teilnahme am Straßenverkehr zu verbieten, wäre in vielen Fällen überzogen“, betont der Jurist. „Die Führerscheinbehörden sind daher gefordert, mit Augenmaß vorzugehen. Denn einerseits soll die Mobilität der Betroffenen erhalten bleiben, andererseits muss die Allgemeinheit vor den Risiken geschützt werden, die mit dem Medikamentenbrauch einhergehen können.“

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