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Schmerz 2. November 2015

Gewebestanze verliert ihre Bedrohlichkeit

Gängige Lokalanästhetika verfälschen nicht die Ergebnisse einer Biopsie.

Das Entnehmen von Gewebeproben zu diagnostischen Zwecken könnte künftig weniger schmerzhaft ausfallen: Eine österreichische Studie widerlegt die antibakterielle Wirkung gängiger lokaler Betäubungsmittel.

Gängige Lokalanästhetika können künftig bedenkenlos eingesetzt werden, um Patienten Schmerzen während einer Biopsie zu ersparen. Es wurde befürchtet, dass die Betäubungsmittel eine antibakterielle Wirkung entfalten und damit die mikrobiellen Untersuchungsergebnisse der Gewebeproben verfälschen könnten. Das hat nun eine heimische Studie widerlegt, die auf dem Kongress der EFIC „Pain in Europe IX“ auf großes Interesse gestoßen ist und unter die „Top Best Abstracts“ gereiht wurde.

„Die örtlichen Betäubungsmittel Lidocain, Bupivacain, Mepivacain oder Ropivacain haben erwiesenermaßen keine antibakterielle Wirkung auf Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus und Bacillus subtilis, und zwar auch dann nicht, wenn wir die Anästhetika unverdünnt verwenden“, konkretisierte Studienautor Dr. Stefan Neuwersch vom Klinikum Klagenfurt die Ergebnisse. „Diese Erkenntnisse sind für die tägliche Spitalsarbeit von enormer Bedeutung, denn nun können auch jene diagnostischen Eingriffe schmerzfrei durchgeführt werden, die den Erhalt bestimmter Bakterienkulturen erfordern.“ Aufgrund der bisher widersprüchlichen Forschungsmeinungen rät der Experte aber trotzdem, die örtlichen Betäubungsmittel nur in der geringstmöglichen Konzentration verabreichen, auch um andere Nebenwirkungen zu vermeiden.

Für die Studie wurden die handelsüblichen Lösungen der Lokalanästhetika mit einer sterilen Kochsalzlösung unterschiedlich stark verdünnt und ihre Wirkung auf Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus und Bacillus subtilis mithilfe eines Filterplättchentests untersucht. Die Betäubungsmittel und eine Lösung mit standardisierter Bakterienanzahl wurden auf Plättchen aufgetragen und 24 Stunden bei 35 Grad bebrütet. Die anschließende Analyse zeigte, dass die Bakterien in keiner Weise mit den Betäubungsmitteln reagiert hatten und deshalb kein sogenannter „Hemmhof“ auf den Plättchen entstanden war. Das Experiment wurde noch einmal wiederholt, dieses Mal mit unverdünnten Anästhetika. Auch hier blieb eine antibakterielle Wirkung aus.

Quelle: EFIC Abstracts Neuwersch et al.; Antimicrobial activity of lidocaine, bupivacaine, mepivacaine and ropivacaine on Staphylococcus epidermidis, Staphylococcus aureus and Bacillus subtilis

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