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Allgemeinmedizin 4. November 2013

Schmerzmittel und Sturzrisiko

Vor- und Nachteile der Analgetika sorgfältig gegeneinander abwägen

Schmerz im Alter wird oft vernachlässigt, weil der Betroffene Schmerz als schicksalhaft ansieht, weil er die Schmerzen nicht entsprechend kommunizieren kann oder auch weil Ärzte das persönliche Schmerzempfinden ihrer Patienten nach wie vor unterschätzen. Gleichzeitig ist bei der Einnahme von Schmerzmedikamenten auf die Möglichkeit eines erhöhten Sturzrisikos zu achten. Vor- und Nachteile der verschiedenen Analgetika müssen gegeneinander abgewogen werden.

„Paracetamol, Metamizol, traditionelle nichtsteroidale Antirheumatika (tNSAR) und Coxibe sind gut zur Bedarfsgabe geeignet, besonders NSAR und Coxibe dürfen jedoch nur kurz dauernd und nebenwirkungsadaptiert angewendet werden,“ stellt Dr. Hermann Schwarz, Freudenstadt, fest. Dabei sei Rücksicht zu nehmen auf die progrediente Organinsuffizienz bei alten Menschen, im Blick zu behalten sind daher gastrointestinale, kardiovaskuläre und renale Nebenwirkungen sowie Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Medikamenten. Hochrisiko-Patienten für eine NSAR-Monotherapie sind über 65-jährige Menschen, Patienten mit Ulkus-Anamnese und gastrointestinalen Blutungen, mit Kortikosteroid-Therapie, Antikoagulation sowie schweren systemischen Grunderkrankungen.

Zudem müsse darauf geachtet werden, ob die Patienten gebrechlich seien (Frailty-Syndrom), betont Dr. Klaus Böhme, Anästhesist und Schmerztherapeut aus Kassel: Denn wenig Muskelmasse, neurologische, kognitive und koordinative Defizite sowie Sehprobleme erhöhen deutlich das Sturzrisiko. Ein einfacher Test für die Praxis ist, den Patienten aus dem Stuhl aufstehen, drei Meter gehen und sich wieder hinsetzen zu lassen - dies gibt einen ersten Eindruck von der vorhandenen Fitness.

Bei der Entscheidung für ein Opioid, gilt es, nicht nur die Hauptwirkung zu beobachten, also das Ausmaß der Schmerzlinderung, sondern dezidiert auf unerwünschte Effekte zu achten. Dazu zählen zusätzlich zu den Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Obstipation vor allen Dingen auch die Einschätzung des Sensoriums und der Vigilanz. Gegebenenfalls müsse die Dosis reduziert oder auf ein Opioid mit geringerem Nebenwirkungsrisiko umgestellt werden.

Nichtmedikamentöse Schmerztherapie

Zu den Methoden der nichtmedikamentösen Schmerztherapie zählt die dezidierte Aufklärung über die Schmerztherapie sowie die exakte Medikamentenanamnese, um von vornherein Interaktionen zu vermeiden, unter anderem mit selbst gekauften Medikamenten. Sport und Rehabilitation sowie manuelle Medizin dienen der körperlichen Ertüchtigung. 80 Prozent der Stürze sind auf verminderte Muskelleistung und Koordination zurückzuführen. Empfehlenswert sind vor allem gewichtstragende Sportarten, gezieltes und individuell angepasstes Krafttraining sowie leicht erlernbare Übungen zur Verbesserung der Balance und Koordination. In der Ernährung sollte besonders auf die ausreichende Kalzium- und Vitamin-D-Zufuhr geachtet werden.

springermedizin.de, Apotheker Plus 9/2013

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