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Kinder- und Jugendheilkunde 16. September 2013

Protozoen-Diagnostik lohnt sich

Hinter rezidivierenden Bauchschmerzen bei Kindern können Protozoen stecken: Nach entsprechender Therapie trat bei jedem dritten Kind Besserung ein.

In einer Studie mit 215 Kindern zwischen 4 und 16 Jahren mit rezidivierenden Bauchschmerzen fanden sich in einem Drittel der Fälle intestinale Parasiten. Wiederum ein Drittel dieser Kinder sprach auf eine Antibiotika-Therapie an (Gijsbers et al.: JPGN 2013).

Hintergrund

Angesichts der Häufigkeit von rezidivierenden Bauchschmerzen und der Seltenheit positiver organischer Befunde suchen Eltern und Ärzte intensiv nach Erklärungen. Nicht immer besteht zwischen einem positiven Befund und den Beschwerden eine kausale Beziehung. Als Beispiel sei die Fruktose-Malabsorption genannt. Aber auch der Nachweis von Protozoen beweist nicht zwingend, dass der Schmerz von der Infektion/Besiedlung des Darms herrührt.

Patienten und Methodik

In einer prospektiven Studie wurden Kinder im Alter von 4 bis 16 Jahren, die die Apley-Kriterien rezidivierender Bauchschmerzen erfüllten, auf Giardia lamblia, Dientamoeba fragilis und Blastocystis hominis untersucht. Dazu wurden drei Stühle an drei unterschiedlichen Tagen mit mikroskopischen Methoden untersucht und zusätzlich ein Antigentest auf Giardia lamblia durchgeführt.

Bei Nachweis von Parasiten erfolgte eine Therapie mit Metronidazol über zehn Tage in unterschiedlicher Dosis je nach nachgewiesener Spezies. Es folgte eine Nachuntersuchung des Stuhls und eine Verlaufsbeobachtung. Ein Verschwinden der Schmerzen nach erfolgreicher Eradikation wurde als Indiz für eine kausale Beziehung zwischen Parasit und Schmerz gewertet.

Ergebnisse

Unter den 215 Kindern fand man bei 73 (34%) Parasiten. Bei 38 Kindern wurden Dientamoeba fragilis, bei 17 Blastocystis hominis, bei 6 Giardia lamblia nachgewiesen. 6 hatten eine Koinfektion von Dientamoeben und Blastocysten, ein Kind Dientamoeben und Lamblien, 2 eine Dreifachinfektion mit allen drei Erregern.

Nur in einem Fall misslang die Eradikation. Die Schmerzen besserten sich bei 37% der Kinder in der Dientamoeba-Gruppe, bei 18% der Blastocysten-Infizierten und bei 33% der Kinder mit Lamblien-Infektion. Insgesamt gehen die Autoren davon aus, dass bei mindestens 6% der Kinder die Protozoen schuld an den Schmerzen waren und bei weiteren 5% in Kombination mit anderen Faktoren eine Rolle gespielt haben.

 

springermedizin.de/CL, Ärzte Woche 38/2013

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