zur Navigation zum Inhalt
© arsdigital.de / fotolia.com
 
Neurologie 17. Juni 2013

Chili gegen Schmerz

Chronische Schmerzen als „Wirtschaftskiller“.

Rund 1,7 Millionen Menschen sind laut Österreichischem Gesundheitsbericht von chronischen Schmerzen betroffen, 260.000 sind auf periphere neuropathische Schmerzen zurückzuführen. Betroffene haben bis zur Diagnose bereits eine Leidensgeschichte von durchschnittlich 1,7 Jahre hinter sich. Bis zur adäquaten Therapie dauert es dann weitere 1,9 Jahre.

Die „International Association for the Study of Pain (IASP) definiert neuropathische Schmerzen als „Schmerzen, die von einer Primärläsion, Dysfunktion oder vorübergehenden Störung des peripheren oder zentralen Nervensystems ausgehen.“ Neuerdings wird aber auch eine breiter gefasste Definition propagiert – Schmerzen, die als direkte Folge einer Läsion oder Erkrankung des somatosensorischen Systems entstehen (Jensen T. et al, 2009).

„Neuropathische Schmerzen lassen sich in zwei Kategorien einteilen: Einerseits die peripheren neuropathischen Schmerzen (PNP), die aus einer Schädigung oder Dysfunktion des peripheren Nervensystems resultieren und andererseits die weniger häufigen zentralen neuropathischen Schmerzen (CNP), die durch Schädigungen oder Dysfunktion des zentralen Nervensystems ausgelöst werden“, erklärte Prof. DDr. Hans Georg Kress, Leiter der Klinischen Abteilung für Spezielle Anästhesie und Schmerztherapie der Medizinischen Universität Wien.

Neuropathische Schmerzen sind können als scharf, brennend, elektrisierend, kurz und attackenförmig charakterisiert werden und haben ein breites Spektrum von Erkrankungen als mögliche Auslöser:

  • Die als Gürtelrose bekannte Reaktivierung von Herpes-Zoster-Virus: Die durch das Virus verursachten Nervenschädigungen können postherpetische Neuralgien nach sich ziehen. Diese Schmerzen können nach Abheilen der eigentlichen Erkrankung noch monate- oder sogar jahrelang anhalten.
  • Diabetes mellitus kann eine diabetische Neuropathie auslösen, die mit neuropathischen Schmerzen im Bereich der Hände und Füße einhergeht.
  • HIV-Infizierte können infolge der Erkrankung oder durch medikamentöse Therapieansätze eine Neuropathie entwickeln
  • Auch Erkrankungen wie das Komplexe Regionale Schmerz-Syndrom (CRSP) oder die Fibromyalgie sind häufig mit neuropathischen Schmerzen verbunden.

Viele Patienten leiden aufgrund chronischer Schmerzen unter einer eingeschränkten Mobilität und sind dann oft nicht mehr in der Lage, ihrer Arbeit nachzugehen. Außerdem weisen diese Patienten häufig Depressionen, Angst- oder Schlafstörungen auf.

Chili-Pflaster gegen Schmerzen

Bisher wurden bestimmte Antidepressiva (z.B. trizyklische Antidepressiva und duale Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer), Antikonvulsiva (z.B. Gabapentin und Pregabalin) und topisch angewandtes Lidocain als First-Line-Therapien verschrieben. Second Line kamen Schmerzmittel auf Opioidbasis und Tramadol zur Anwendung. Ein neues Hautpflaster mit dem Chilli-Wirkstoff Capsaicin (8%) setzt bei der Hyperaktivität der Schmerzrezeptoren an: Es soll eine anhaltende, reversible Deaktivierung der TRPV1-(Transient Receptor Potential Vanilloid)-Rezpeptoren, bewirken, welche in der Übertragung bzw. Modulation von Schmerzsignalen eine Rolle spielen. „Eine einmalige lokale Behandlung über 30 oder 60 Minuten reicht aus, um Patienten bis zu drei Monaten eine deutliche Schmerzlinderung zu gewähren. Die Behandlung kann problemlos jeweils nach Beendigung der Wirkung wiederholt werden“, berichtete Kress.

Wirtschaftskiller Schmerzen

Schmerzen kommen aber nicht nur häufig vor, sondern sind auch teuer, denn sie erfordern häufig stationäre Rehabilitationsmaßnahmen und können zu Krankenständen oder Frühpensionierungen führen. Die das resultierenden Kosten für das Gesundheitssystem sind immens: Chronische Schmerzen verursachen in Österreich jährliche Kosten in der Höhe von schätzungsweise 2,5 bis 3,4 Milliarden Euro.

Quelle: Pressegespräch „Wirtschaftskiller Schmerz!“, 28. Mai 2013, Wien

M. Strausz, Ärzte Woche 25/2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben