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© Alexander Raths / photos.com PLUS
 
Praxis 3. April 2013

Versteht mich mein Arzt?

Tipps für die erfolgreiche Arzt-Patienten-Kommunikation.

Mitte März trafen sich Experten, Ärzte und Publikum zum 5. Med Brunch im Festsaal der Klinik Diakonissen Linz. Mehr als 125 Personen nahmen teil. Dabei drehte sich alles um die Frage, wie Kommunikation zwischen Patient und Arzt bestmöglich gelingen kann.

Studien zeigen: „Funktioniert“ die Kommunikation, dann berichten Patienten vermehrt über ihre Symptome und Sorgen, die Diagnosegenauigkeit wird erhöht, der Sinn von Behandlungen besser verstanden, emotionaler Stress nimmt ab und die Therapietreue steigt.

Auch Meta-Analysen liegen zu diesem Thema vor. „Wir ahnen nicht nur, sondern wir wissen, dass die Kommunikation zwischen Arzt und Patient messbare Effekte zeigt“, so Dr. Andrea Marek, MSc Schmerztherapeutin an der Klinik Diakonissen Linz. Die größten Störfaktoren für einfühlsame Kommunikation sind jedoch Stress und Überlastung.

Zwei Minuten zuhören: Gut begonnen ist halb gewonnen

„Fest steht – wer ein guter Arzt sein möchte, muss sich neben medizinischem Know-how auch die Kunst der Gesprächsführung zu eigen machen“, ist auch Prof. Dr. Florian Menz vom Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien sicher. Ein ausführliches erstes Arzt-Patienten-Gespräch verbessert nachweislich die Diagnosequalität und ist zudem für die Patientenzufriedenheit entscheidend. Speziell der Anfang eines Gesprächs spielt dabei eine wesentliche Rolle: „Ärzte unterbrechen häufig, weil sie die Befürchtung haben, dass sie stundenlang zuhören müssten, wenn sie dem Gespräch nicht Einhalt gebieten. Tatsache ist jedoch: 80 Prozent aller Menschen haben in zwei Minuten Redezeit das Gefühl, alles Wichtige gesagt zu haben und sind zufrieden .“ Alle an der Untersuchung beteiligten Ärzte gaben an, während der ununterbrochenen Redezeit des Patienten wertvolle Informationen für die Behandlung erhalten zu haben. Das bedeutet, wenige Minuten Zuhören zu Beginn ist ein Gewinn für alle Beteiligten.

Empathie: Einfühlsame Ärzte unterstützen Genesung

„Ziel ist es, Bedürfnisse von Menschen zu erkennen und angemessen auf sie zu reagieren“, fasste Psychologin und Psychotherapeutin Mag. Eva Münker-Kramer zusammen. Die Einfühlsamkeit der Ärzte ist für den Genesungsprozess wie auch das psychische Befinden von Patienten ein entscheidender Faktor. Patienten werden schneller gesund, haben ein aktiveres Immunsystem und sogar Schmerzmittel sind in Verbindung mit einem Arztkontakt nachweislich wirksamer. Aber wovon hängt es ab, ob eine Ärztin oder ein Arzt von Patienten als einfühlsam beurteilt wird? Dazu gibt eine Befragungsstudie der Uniklinik Köln näher Aufschluss: „Als empathisch beurteilte, d.h. einfühlsame Ärzte geben ihren Patienten signifikant mehr Informationen zu ihrer Diagnose, zu Behandlungsoptionen, aber auch zu Gesundheitsförderung und Krankheitsbewältigung“, so Dr. Marek. „Diese Zeit müssen wir uns einfach nehmen.“

Einfühlsame Kommunikation stärkt Immunsystem

In einer US-amerikanischen randomisierten kontrollierten Studie zeigten Rakel et al. (2011) am Beispiel einer Erkältung eindrucksvoll, dass eine einfühlsame Arztkommunikation objektive Immunparameter positiv beeinflusst. Dazu wurden 779 Patienten in der Anfangsphase einer Erkältung im Rahmen eines sehr aufwendigen Studiendesigns befragt sowie relevante Immunwerte ermittelt. Ergebnisse: Bei Patienten, die ihre Ärzte als besonders empathisch beurteilten, war zum einen die Erkältung weniger schwer (17,4%) und kürzer (um 1,11 Tage). Zum anderen veränderten sich auch signifikant positiv objektive medizinische Messwerte wie das „Interleukin-8“ und „Neutrophile“.

Tipps für das Gespräch

„Aber auch Patienten können aktiv zu einem erfolgreichen Gespräch zwischen Arzt und Patient beitragen“, so Marek:

  • Fragen Sie immer ohne Scheu nach, wenn Ihnen etwas noch unklar ist oder Sie medizinische Ausdrücke nicht kennen.
  • Bitten Sie den Arzt etwas nochmals zu erklären, das Sie nicht ausreichend verstanden haben.
  • Notieren Sie sich schon im Vorfeld Fragen, die Ihnen in den Sinn kommen. Dann haben Sie diese im Gespräch mit dem Arzt parat.
  • Bitten Sie den Arzt aktiv, Sie zwei Minuten ausreden zu lassen, wenn das nicht möglich sein sollte.
  • Äußern Sie gegenüber ihrem Arzt offen Ängste oder Bedenken.
  • Seien Sie ehrlich, was Ihr Befinden betrifft. Ganz besonders, wenn Sie Schmerzen haben oder auch wenn es Ihnen psychisch nicht gut geht. Nur so kann man Ihnen bestmöglich helfen!
  • Bitten Sie ein Familienmitglied bzw. Ihre wichtigste Vertrauensperson beim Arzt-Gespräch dabei zu sein. Vier Ohren hören mehr als zwei.
  • Wenn Sie sich unsicher sind, fassen Sie das Gesagte nochmals in eigenen Worten zusammen und fragen Sie den Arzt, ob Sie das so richtig verstanden haben.

Aber was tun, wenn man sich unwohl fühlt oder wirklich das Gefühl hat, dass sich ein Arzt im Moment nicht ausreichend Zeit nehmen kann? Menz rät: „Sprechen Sie ihren Arzt offen darauf an, dann hat sie oder er die Möglichkeit darauf zu reagieren.“

Quelle: 5. Med Brunch, 16. März 2013, Festsaal der Klinik Diakonissen, Linz

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