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Kinder- und Jugendheilkunde 24. Februar 2013

Kindliche Bauchschmerzen

Reizdarmsyndrom, funktionelle Dyspepsie oder abdominelle Migräne?

Chronische Bauchschmerzen sind ein häufiges Symptom in der pädiatrischen Praxis. Wenn sich organische Ursachen ausschließen lassen, kann häufig die Diagnose chronische funktionelle Bauchschmerzen gesichert werden. Wertvolle Unterstützung bieten dabei die ROME III-Kriterien.

Chronische Bauchschmerzen sind bei 3–10-jährigen Kindern die häufigsten und bei 11–17-jährigen Jugendlichen nach Kopfschmerzen die zweithäufigsten Schmerzen. Initial gilt es, organische und nicht-organische Ursachen zu unterscheiden, so Dr. Philip Bufler, Kindergastroenterologe an der Universität München. Der Ausschluss organischer Ursachen erfolgt im Rahmen einer strukturierten gezielten Anamnese und körperlichen Untersuchung. Dazu kommt eine Basislabordiagnostik. Bei den meisten Patienten finden sich keine organischen Ursachen, die Diagnose lautet häufig chronisch funktionelle Bauchschmerzen.

Hilfestellung leisten dabei die ROME III-Kriterien, die von einer internationalen Arbeitsgruppe pädiatrischer Gastroenterologen entwickelt wurden. Sie unterscheiden bei schmerzassoziierten funktionellen gastrointestinalen Beschwerden vier Typen: funktionelle Dyspepsie, Reizdarmsyndrom, abdominelle Migräne und funktionelle Bauchschmerzen. Diese Beschwerden müssen per definitionem mindestens einmal die Woche innerhalb von mindestens zwei Monaten auftreten.

Reizdarmsyndrom und funktionelle Dyspepsie

Mit einer Prävalenz von 22–45 Prozent ist das Reizdarmsyndrom am häufigsten. Gekennzeichnet durch abdominelle Beschwerden, die mindestens 25 Prozent der Zeit vorliegen, sind klassische Zeichen eine Besserung der Symptomatik nach Stuhlgang und eine Veränderung von Frequenz und Konsistenz des Stuhlgangs. Als Ursache des Syndroms wird eine generalisierte viszerale Hypersensitivität – möglicherweise durch Infektion und Allergie getriggert – diskutiert. Bei Barostatmessungen zeigen betroffene Kinder auch eine schon bei deutlich geringerer Ballonfüllung Schmerzen.

An zweiter Stelle rangiert die funktionelle Dyspepsie mit einer Prävalenz von 12–16 Prozent. Typisch sind persistierende oder rezidivierende Schmerzen und Unwohlsein im oberen Abdomen. In Abgrenzung zum Reizdarm bessert die Defäkation die Beschwerden nicht, Stuhlgangkonsistenz und -frequenz sind nicht verändert. Mögliche Ursache ist eine Motilitätsstörung des Magens.

Abdominelle Migräne und funktionelle Schmerzen

Seltener ist die abdominelle Migräne (bis zu 5 Prozent der Fälle). Dabei kommt es zu paroxysmalen Episoden akuter, starker, periumbilikaler Schmerzen über mindestens eine Stunde. Die Episode ist mit mindestens zwei weiteren Symptomen assoziiert wie Anorexie, Übelkeit und Erbrechen, Kopfschmerz, Photophobie oder Blässe. Zwischenzeitlich kann sich über Wochen bis Monate keine Symptomatik zeigen. Eine gemeinsame Entität mit Migräne wird diskutiert, da sich auch eine Besserung unter Sumatriptan zeigt.

Von funktionellen Bauchschmerzen spricht man bei episodischen oder kontinuierlichen periumbilikalen Beschwerden, die die Kriterien der anderen funktionellen Darmerkrankungen nicht erfüllen. Auch hier zeigen sich keine Veränderungen im Stuhlgang.

Medikamente und Diät nicht indiziert

Für die Therapie chronischer funktioneller Bauchschmerzen ist eine psychologische Unterstützung und Aufklärung der jungen Patienten und ihrer Eltern sehr wichtig, gefolgt von psychotherapeutischer Intervention. Bewährt haben sich kognitiv-verhaltenstherapeutische Verfahren mit Psychoedukation, die die Ursachen und entsprechende Bewältigungsstrategien vermittelt, Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation und autogenes Training, kognitive Verfahren mit Ablenkungstechnik und kognitiver Umstrukturierung sowie verhaltensorientierte Verfahren, die die Alltagsfunktion wiederherstellen.

Eine generelle Empfehlung für pharmakologische oder diätetische Intervention gibt es nicht. Bufler: „Lediglich für Pfefferminzöl zeigte sich eine gewisse Wirksamkeit in akuten Phasen des Reizdarms.“

springermedizin.de, Ärzte Woche 8/2013

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