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15 bis 20 Prozent der Laiensportler nehmen Schmerzmittel.
 
Sportmedizin 30. Oktober 2012

Schmerzmittelmissbrauch im Hobbysport

Um das volle Ausmaß des Problems abschätzen zu können, sind genaue Erhebungen notwendig.

Schmerzmittelmissbrauch im Laiensport ist ein größeres Problem als angenommen. So hatte die Hälfte der Teilnehmer des Bonn-Marathons bereits vor Beginn des Laufes Schmerzmittel eingenommen, obwohl nur ein kleiner Teil tatsächlich an Schmerzen gelitten hatte.

„Schmerzmittel haben eine leistungssteigernde Wirkung, daher ist Missbrauchspotenzial vorhanden“, erklärte Dr. Michael Ausserwinkler, Facharzt für Innere Medizin und Vorstandsmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft. Nicht grundlos finden sich Schmerzmittel auch auf den Dopinglisten wieder.

In der Bonner Befragung zeigte sich, dass vor allem Läufer mit Marathonerfahrung zu Schmerzmitteln griffen. Die Gründe dafür waren Schmerzen beim Training und Probleme beim Lauf. „Schmerzmittel werden vor allem bei Überlastungen von Sehnen und Sehnenansätzen eingesetzt. Dadurch werden aber die Symptome unterdrückt und das Problem verschlimmert sich, weil keine Schonung stattfindet“, so Ausserwinkler. So verhinderte die Einnahme von Schmerzmitteln vor dem Start nicht das Auftreten von Muskelkrämpfen während des Marathonlaufes oder danach. Lediglich Laufabbrüche aufgrund von Muskelschmerzen kamen bei den Sportlern, die Schmerzmittel eingenommen hatten, seltener vor. Häufiger war hingegen der Laufabbruch wegen Darmkrämpfen. Insgesamt traten in der Gruppe, die Schmerzmittel eingenommen hatte, Herz-Kreislauf-Beschwerden fünfmal häufiger, Darmkrämpfe und Blutungen siebenmal häufiger und Nierenprobleme sogar achtmal häufiger auf.

Auch in Österreich Missbrauch

Auch in Österreich gibt es ein Problem mit dem Schmerzmittelmissbrauch im Hobbysport. „Trainer und Sportwissenschaftler berichten, dass mindestens 15 bis 20 Prozent der Laiensportler Schmerzmittelmissbrauch betreiben“, erklärte Ausserwinkler. Da diese Zahlen allerdings nur Schätzwerte sind, fordert er genauere Erhebungen, um das volle Ausmaß des Problems abschätzen zu können.

Der Einsatz von Schmerzmitteln im Sport kann auch sinnvoll sein, so Ausserwinkler, nämlich dann, wenn Sportler aufgrund von Verletzungen an Schmerzen leiden. In diesen Fällen sollten allerdings keinesfalls mehrere Schmerzmittel miteinander kombiniert werden: „Die Wirkung wird nicht stärker, aber die Nebenwirkungen potenzieren sich.“ Die Folgen sind Magengeschwüre, Darmprobleme oder Blutdruckentgleisungen. Daher sollte zwischen der Einnahme verschiedener Rheumaschmerzmittel eine Zeitspanne von mindestens 24 bis 48 Stunden liegen.

Quelle: Deutscher Schmerzkongress 2012, „Der Missbrauch von Schmerzmitteln und NSAR im Sport“, 19. Oktober 2012, Mannheim

  • Herr Univ. Prof. Dr. Eckhard Beubler, 02.11.2012 um 10:45:

    „Schmerzmittel im Hobbysport werden oft nicht gegen Schmerzen genommen sondern mißbräuchlich um die Nierentätigkeit einzuschränken und damit die Harnproduktion zu vermindern. Für ca. 4 Stunden nach Einname wird die Harnproduktion wirksam unterbunden. Diese Eigenschaft haben alle Hemmer der Cyclooxygenase, also alle sogenannten Nicht-Steroidalen Antirheumatika wie Diclofenac, Ibuprofen u.a.. Bei häufigem Mißbrauch kann die Niere nachhaltig geschädigt werden.“

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