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© Jochen Tack / imago
Starke Monatsbeschwerden werden oft klaglos akzeptiert.
 

Zehn Jahre bis zur Diagnose

Endometriose wird viel zu spät erkannt. Erstmals liegen Zahlen für Deutschland und Österreich vor.

Wie viel Zeit vergeht, bis eine Endometriose festgestellt wird, dazu gibt es unterschiedliche länderspezifische Angaben. In Europa reichen die Zeitspannen von vier Jahren in Norwegen bis zu zehn Jahren in Italien. Nun gibt es eine erste Erhebung für Deutschland und Österreich.

Von den ersten Symptomen bis zur Diagnose vergehen bei Endometriosepatientinnen in Deutschland und Österreich im Schnitt 10,4 Jahre. Vom ersten Gynäkologenbesuch an dauert es durchschnittlich noch 7,7 Jahre, bis die Ursache für die Beschwerden geklärt ist. Diese Zahlen basieren auf einer aktuellen Multicenterstudie mit 171 Patientinnen in Spezialkliniken in Deutschland und Österreich.

Dr. Gernot Hudelist vom Wiener Wilhelminenspital und Kollegen interessierte aber nicht nur die Zeitspanne bis zur Diagnosestellung in den beiden Ländern, sondern auch, was die Diagnose verzögert haben könnte. Daher wurden die Patientinnen – bei allen war die Endometriose histologisch nachgewiesen – nicht nur zu demografischen Fakten und medizinischer Vorgeschichte befragt, es wurden auch psychosoziale Aspekte berücksichtigt.

Was die Diagnose erschwert

Offenbar verzögerten vor allem Fehldiagnosen die korrekte Diagnosestellung. Drei Viertel der Frauen hatten mindestens eine in der Vorgeschichte, wie z.B. chronische Unterbauchschmerzen, Blutungsstörungen oder das Reizdarm-Syndrom. Dabei galt: je mehr Fehldiagnosen, desto länger das Zeitintervall.

Das Vertrauensverhältnis zum behandelnden Gynäkologen spielte ebenfalls eine Rolle. Hatten sich die Frauen von ihrem Frauenarzt nicht ernst genommen gefühlt, verstrich deutlich mehr Zeit als bei solchen, die sich gut aufgehoben fühlten.

Die Diagnose verzögerte sich auch, wenn die Frauen ihre Dysmenorrhoe-Beschwerden als „normal“ einstuften, und zwar durchschnittlich um 2,8 Jahre. Auch die Mütter scheinen eine Rolle zu spielen: Konnotierten sie die Menstruation als negativ, verzögerte sich die Diagnose bei ihren Töchtern (p <0,01). Wie die Patientin selbst die Menstruation bewertete, war hingegen ohne Belang.

Das verzögert die Diagnose nicht

Die Einnahme von Hormonen oder von Schmerzmitteln stand hingegen nicht mit dem Zeitintervall bis zur Diagnosefindung in Zusammenhang. Das galt auch für die Ausdehnung der Erkrankung (oberflächlich oder tief infiltrierend) sowie die Art der Beschwerden (Schmerzen im Becken oder Subfertilität).

Dauert es real noch länger?

Da in der Auswertung ausschließlich Frauen mit histologisch nachgewiesener Endometriose berücksichtigt worden waren, sei nach Einschätzung der Studienautoren ein Selektionsbias nicht auszuschließen. Sie befürchten, dass es in der allgemeinen, nicht hospitalisierten Bevölkerung eventuell noch länger dauern könnte, ehe eine Endometriose entdeckt werde.

Sensibilisierung gefordert

Um den Leidensweg der Endometriosepatientinnen zu verkürzen, empfehlen die Studienautoren, Gynäkologen und Hausärzte für diese häufige Erkrankung zu sensibilisieren und mehr Fortbildungen und Kurse anzubieten.

Außerdem sei mehr Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung vonnöten, damit die Betroffenen ihre Symptome besser einordnen können und früher einen Spezialisten aufsuchen.

Quelle: Hudelist et al. : Hum Reprod. 2012; doi: 10.1093/humrep/des316

springermedizin.de, Ärzte Woche 44/2012

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