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Schmerzfreiheit nach Knieoperation: eine Herausforderung.
 
Orthopädie 30. August 2012

Schmerzfrei mit Kochsalz

Nach einer Operation den Patienten schmerzfrei und beweglich halten, ist noch immer eine Herausforderung. Ein innovativer Ansatz auf diesem Gebiet wurde jetzt beschrieben.

Lokalanästhetika, etwa nach Knieoperationen angewandt, blockieren die schmerzleitenden Nervenfasern im Operationsgebiet und lindern so die Beschwerden. Allerdings legen sie auch die Nerven lahm, die für Beweglichkeit zuständig sind. Diese Nebenwirkung tritt zwangsläufig auf und ist, vor allem in Hinblick auf eine rasche Remobilisation, unerwünscht. Opioide beeinträchtigen die Beweglichkeit zwar nicht. Doch haben sie den Nachteil, dass sie den Schmerz nicht dämpfen, wenn sie lokal am Nerv injiziert werden – vermutlich, weil sie die Nervenscheide nicht überwinden.

Nervenscheide kurz geöffnet

Die Nervenscheide für Opioide und andere Medikamente zu öffnen, gelang mit einer zehnprozentigen Kochsalzlösung. Zusammen mit Opioiden in Nervennähe injiziert, wurde ein schmerzlindernder Effekt nachgewiesen; die Bewegungsfähigkeit blieb erhalten. Die Kochsalzlösung oder die Medikamente alleine zeigten keine Wirkung.

Der molekulare Mechanismus, der diesem Effekt zugrunde liegt: Die Kochsalzlösung setzt im Gewebe das Enzym Metalloproteinase 9 frei, das über eine Kettenreaktion dazu führt, dass in der Nervenscheide die Produktion des Proteins Claudin-1 gedrosselt wird. Ohne Claudin 1 verliert die Schranke ihre Funktion; wenige Stunden nach der Behandlung schließt sich die Barriere wieder. Strukturelle, immunologische oder funktionelle Schäden an den Nerven sind danach nicht nachweisbar.

Weil die Injektion einer so hochprozentigen Kochsalzlösung sehr schmerzhaft ist, wird derzeit nach einer Alternative gesucht, um die Nervenscheide kurzfristig, spezifisch und nebenwirkungsarm zu öffnen. Man versucht, Claudin-1 mit kleinen Peptiden direkt und spezifisch herunter zu regulieren und so die Schranke zu öffnen.

Hackel D et al.: PNAS 2012; 109 (29): 11482–83

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