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Neurologie 21. Juni 2012

Farbcode zur Schmerzdiagnose

Körperliche Aktivität als Schlüssel für die Schmerzintensität.

Forscher der ETH Lausanne haben eine neue Methode entwickelt, um chronische Schmerzen objektiv zu messen. Sie nutzen dabei den Umstand, dass sich schmerzgeplagte Patienten im Alltag anders bewegen als gesunde Menschen.

 

Wie sich ein Mensch bewegt, ist ein guter Indikator für seine Gesundheit, wie die ETH Lausanne (EPFL) in einer Mitteilung schreibt. Wenn wir uns gut fühlen, sind unsere Bewegungen rund und kontinuierlich. Haben wir dagegen Schmerzen, reduzieren wir unsere Aktivität instinktiv. EPFL-Forscher nutzten diese banale Erkenntnis, um einen einfachen, verlässlichen Schmerzindikator zu erstellen. Mit dem Instrument könnten Ärzte in Zukunft einfach und rasch feststellen, wie starke Schmerzen ein Patient tatsächlich hat, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin PLoS ONE.

„Für Ärzte ist es wichtig, den Schmerzpegel von Patienten so genau wie möglich messen zu können», wird Studienleiterin Anisoara Ionescu in der Mitteilung zitiert. Das ist oft nicht möglich, denn meist werden Patienten einfach gebeten, ihre Schmerzen auf einer Skala von 1 bis 10 anzugeben.

Für die Studie befestigten die Forscher Bewegungssensoren auf der Brust, an den Knien und an den Fußgelenken von 15 gesunden, schmerzfreien Menschen und von 60 Patienten mit chronischen Schmerzen. Die Sensoren zeichneten auf, wie sich die Probanden bewegten und wann sie ruhten.

Es fanden sich deutliche Unterschiede zwischen Schmerzpatienten und gesunden Probanden. Bei den Schmerzpatienten verglichen die Wissenschaftler die Messwerte ein paar Tage vor, während und nach einer Behandlung. Dadurch konnten sie präzise beurteilen, wie eine Therapie sich auf die tägliche Bewegung auswirkte.

Ionescu und ihre Kollegen definierten 18 Aktivitätszustände, um den Schmerzpegel zu bestimmen. Wichtig ist etwa, wie lange ein Proband sitzt oder liegt, oder mit welcher Intensität er geht oder rennt. Aufgrund dieser Informationen erstellten die Forscher eine Art Farbcode des Schmerzes, den Ärzte einfach ablesen könnten.

Mit einem Blick könnte der Arzt damit künftig sehen, wie starke Schmerzen sein Patient hat, oder was für Fortschritte er nach einer Therapie macht. Die Wissenschaftler hoffen, dass ihr Indikator dabei helfen wird, genauere Diagnosen zu stellen und Therapien besser auf den Patienten einzustellen.

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