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Onkologie 26. Mai 2009

Hilfe nicht nur für Krebskranke

Palliativmedizin lindert Schmerzen, nimmt Angst und begleitet Patienten am Lebensende.

„Das Konzept für eine abgestufte Hospiz- und Palliativversorgung des Österreichischen Bundesinstituts für Gesundheit (ÖBIG) ist vorbildhaft für Europa und als Modell für andere Länder besonders geeignet“, stellte der Präsident der Europäischen Gesellschaft für Palliativmedizin (EAPC), Prof. Lukas Radbruch, anlässlich des EAPC-Kongresses Anfang Mai in Wien fest. Wermutstropfen: „Die Umsetzung des Konzepts ist noch lückenhaft“, gab Prof. Dr. Hans-Georg Kress, Präsident des EAPC-Kongresses, zu bedenken. Auch wenn, wie Gesundheitsminister Alois Stöger betonte, das Bekenntnis zu einem Ausbau der Versorgung vorhanden sei. Es mangelt auch an der Klarheit in den Zuständigkeiten.

 

Die Medizin bietet mittlerweile ein breites Spektrum an Werkzeugen an, um schwerkranken und sterbenden Patienten eine schmerzarme, angstfreie und würdevolle letzte Lebensphase zu ermöglichen. Trotz aller Fortschritte in der Palliativversorgung bestehen, so Kress, weiterhin eine Reihe von Mythen, Missverständnissen und Vorurteilen in der öffentlichen Wahrnehmung dieser Disziplin. Zumeist werde Palliativmedizin fast ausschließlich mit dem Endstadium von Krebserkrankungen assoziiert. Eine Leiden lindernde Behandlung sei aber ebenso bei anderen chronischen Lebens-limitierenden internistischen Erkrankungen notwendig: Auch Patienten mit neurologischen Erkrankungen, AIDS, chronischer Herzinsuffizienz oder schwerer COPD ohne Aussicht auf Transplantation haben Bedarf nach Schmerzlinderung, Angstminderung und einer würdigen Betreuung.

Fortschritt bei Schmerzbehandlung

Im Bereich der Schmerzbehandlung haben Neuentwicklungen in den vergangenen Jahren die Möglichkeiten für Arzt und Patient wesentlich verbreitert. Aktuelle Fortschritte wurden auf dem EAPC-Kongress präsentiert. So zeigt eine Studie von Kress et al, dass das als Nasenspray verabreichte Opioid Fentanyl bei Krebspatienten mit Durchbruchschmerzen eine gute Alternative gegenüber einem oral eingenommenen Analgetikum darstellt: Die Substanz wird über die Schleimhäute besonders rasch aufgenommen und kann auch bei Patienten mit Schluckbeschwerden, sehr trockenem Mund oder Übelkeit und Erbrechen gut verabreicht werden. Innerhalb von zehn Minuten setzt die Wirkung ein, wobei innerhalb von fünf Minuten bereits klinisch relevante Plasmaspiegel beobachtet wurden. Ebenso wurden Daten über die Wirksamkeit von Fentanyl in Form einer Schmelztablette, die sich in der Wange auflöst, oder, als weitere Möglichkeit, in Form einer Sublingualtablette vorgestellt, die zeigen, dass diese Formen der Verabreichung weiter Alternativen in der schnellen Behandlung schwerer Schmerzzustände darstellen.

Österreich hat zu wenige Palliativeinrichtungen

In Wien gebe es, so Dr. Franz Zdrahal, Präsident der Österreichischen Palliativgesellschaft und ärztlicher Leiter der Caritas der Erzdiözese Wien, derzeit fünf Palliativstationen mit einer maximalen Aufenthaltsdauer von drei Wochen, aber kein stationäres Hospiz. Salzburg und Graz bieten je eine Hospizstation an, in vier niederösterreichischen Landepflegeheimen sind Hospizstationen eingerichtet. Hospizbetten sollten in allen Pflegeheimen Österreichs angeboten werden, forderte Zdrahal, wobei der mobilen Palliativbetreuung ein mindestens ebenso großer Stellenwert zukomme. „Ein Palliativpatient weist durchschnittlich acht Symptome auf“, so Zdrahal, „diese Vielfalt an Problemen erfordert vom Behandler spezialisiertes Wissen und auch ein hohes Maß an Kommunikationsfähigkeit. Daher sei eine Ausbildung zum Facharzt für Palliativmedizin anzustreben.“

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